Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 02.07.2015


Bob und Skeleton

Prüfung im Bobverband ausgedehnt

Die gestrige Generalversammlung des Bob- und Skeleton-Verbandes wurde von einer Kontrolle der Gebietskrankenkasse überschattet.

© Kristen-Images.comDie Skeletonis wollen dem Bobverband am liebsten davonfahren. Es rumort, obwohl Interimspräsident um Ruhe im Verband bemüht ist.



Innsbruck – Gestern Abend sollten im krisengeschüttelten Bob-Skeletonverband die Weichen neu gestellt werden. Doch so ungetrübt war die Sache nicht, vor allem zwischen Bob und Skeleton wurde die Kluft immer größer. Trotzdem hofft Roman Schobesberger, der seit April den Verband interimistisch führt, dass sich die Wogen wieder glätten. Er stellte sich der Präsidentenwahl, Thomas Bachler (Bob) und Markus Mitterrutzner (Skeleton) kandidierten als Vizepräsidenten. Die Generalversammlung war bei Redaktionsschluss noch im Gang.

So hoffnungsfroh Schobesberger davor war, so viele Fragen sind nach wie vor ungeklärt. Denn der Endbericht über die wirtschaftliche Gebarung des Verbands durch die Wiener Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft BDO Austria GmbH liegt noch nicht vor. Der Vorwurf von finanziellen Unregelmäßigkeiten, den die ehemalige Präsidentin Astrid Stadler erhoben hat, steht deshalb nach wie vor im Raum. Es geht um zweckwidrig verwendete Förderungen sowie ein „Schwarzkonto“ und ein Sparbuch, das nicht in der Buchhaltung erfasst wurde.

Noch seien nicht alle Rechnungsposten durchforstet, begründet Schobesberger die Verzögerung. Gleichzeitig wird der Verband aber mit weiterem Ungemach konfrontiert: Auch die Tiroler Gebietskrankenkasse hat eine Prüfung eingeleitet. Für Schobesberger ist das keine Überraschung, „das habe ich wegen der Medienberichte schon erwartet“. Und möglicherweise wird die Kontrolle auch auf den Tiroler Bob- und Skeletonverband ausgeweitet. Nach Vorliegen der Prüfberichte wird laut Schobesberger auch darüber entschieden, ob die durch Stadler vorgenommene fristlose Entlassung von Ex-Generalsekretär Martin Kerbler bleibt oder in eine Kündigung umgewandelt wird.

Dass etwa der ehemalige Skeletonfahrer Christian Auer wieder eine zentrale Rolle im Verband spielen soll, wird kritisch beäugt. Vor allem die in den vergangenen Jahren erfolgreichen Trainer wie Martin Rettl sehen diese Entwicklung mit großer Skepsis. Andererseits ist Bob-Nationaltrainer Manfred Maier ob des Stillstands bei den Bobfahrern umstritten. Mit wenigen Ausnahmen fällt die Bilanz der vergangenen Jahre äußerst bescheiden aus.

Zuletzt gab es sogar Überlegungen, dass die Skeletonfahrer aus dem Verband ausscheren. Sie fühlen sich trotz der Erfolge in den Hintergrund gedrängt. Unabhängig von Prüfbericht und neuer Führung im Verband – Sportler, Vereine und Funktionäre orten massiven Umstrukturierungsbedarf. Doch die Richtung ist noch unklar, und die Personen, die dies umsetzen sollen, sind weiter um- stritten. (pn)