Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 22.09.2015


Tag der Tiroler Sportpsychologie

Ein Blick hinter die Kulissen

Der 9. „Tiroler Tag der Sportpsychologie“ glänzte nicht nur mit einem vollen Haus.

© WillisKarin Moser wurde für ihre sportpsychologische Arbeit im Jahr 2015 von Christopher Willis (l.) und Walter Seidenbusch (tiSport) geehrt.



Von Alex Gruber

Igls, Vill – Ob Harald Haim (Schigymnasium Stams), Helmut Lorenz (Tirols Fußball-Akademie-Leiter), Eva Dollinger (Tiroler Triathlonverband) oder Gerhard Enders (Tiroler Tischtennisverband) – die Ohren wurden auch am bereits 9. Tag der Tiroler Sportpsychologie am Bildungsinstitut Grillhof wieder gespitzt: Schließlich hatte Organisator Christopher Willis mit Monika Liesenfeld (Olympiastützpunkt Berlin), Klaus Ginther (Red Bull Salzburg Fußballakademie), Hanspeter Gubelmann (Präsident der Schweizer Sportpsychologen), Babett Lobinger (Vorsitzende Sportpsychologie – Berufsverband der Deutschen Psychologen) und Lothar Linz (Sportpsychologe mehrerer Olympiasieger) einmal mehr hochinteressante Referenten geladen.

Der Boom in der Sportpsychologie drückt sich auf heimischer Ebene dadurch aus, dass aus 19 Betreuungsprojekten (2009) für die Tiroler Sportfachverbände (tiSport) mittlerweile 90 wurden, die von mehr als 30 Tiroler Sportpsychologen umgesetzt werden. Der tatsächliche Betreuungsbedarf der Tiroler Athleten würde bei 2000 Betreuungsstunden pro Jahr liegen.

Was macht den erfolgreichen (Nachwuchs-)Sportler nun aus? „Wichtig ist, dass Sportler handlungsorientiert an ihre Misserfolge herangehen. Schließlich ist ein Rückfall eine Ehrenrunde mit zusätzlicher Informationsgewinnung“, streute Liesenfeld ein. Willis hatte schon zu Beginn einmal mehr die Wichtigkeit der Eltern und des Elterncoachings (Selbstreflexion, Verhalten vor/bei/nach Wettkampf, Emotionskontrolle, Verhalten gegenüber dem Trainer…) angesprochen.

Der Blick, so Liesenfeld weiter, müsse sich auf die Vorder-und Hinterbühne richten. Warum taucht ein technischer Fehler (vorne) gerade jetzt (hinten) auf? Zwischen der puren Neugier, Selbsterforschung bis zum sozialen Vergleich würden sich die Motivationspunkte mit fortschreitendem Alter, ganz abgesehen von Veränderungen im jugendlichen Gehirn, verändern.

Gubelmann, Sportpsychologe des mehrfachen Skisprung-Olympiasiegers Simon Aman, sprach die Rolle von Sozialisierungsprozessen – selbstbestimmtes Erlernen, Entwickeln und Festigen spezifischer Wertigkeiten – am Weg zur Entwicklung von mentaler Stärke an. Ob auf mentaler oder körperlicher Ebene gelte: „Zielgerichtet, wiederholt und kontrolliert üben, um das Gelernte schließlich situativ-variabel anwenden zu können. Den hierfür notwendigen Aufwand unterschätzen viele.“

Die Ausführungen von Ginther (Red Bull) lockten auch Schwaz-Trainer Martin Hofbauer an. Positionsprofile und Rollenbilder (vier Typen: Antreiber, Entscheider, Stratege und Teamplayer) kamen zur Sprache. Und auch Aristoteles: „Menschen können durch Gewohnheiten veredelt und verdorben werden.“