Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 24.02.2016


Volleyball

Zwischen Karriereende, Neidern und Studium

Wenn Hypos Volleyballer heute (19 Uhr, USI) in der MEVZA gegen Castella aufschlagen, dann wird einer erneut fehlen: Niklas Kronthaler.

© Andreas Rottensteiner / TTVersucht derzeit den Spagat zwischen dem Profisport und dem BWL-Studium: Hypo-Außenangreifer Niklas Kronthaler.



Von Daniel Suckert

Innsbruck – „Der ist ja nur dabei, weil der Vater der Manager des Clubs ist“ – Vorurteile wie diese kennt Niklas Kronthaler, seines Zeichens Filius von Hypo-Macher Hannes, zur Genüge. Sätze, die der 21-Jährige in die Kategorie „Zusatzmotivation“ einordnet. Mehr zu schaffen macht der Nummer 15 bei den Hypo Volleyballern der eigene Körper. Drei große Operationen musste der BWL-Student in zwei Jahren über sich ergehen lassen. Ein Karriereende kam selbst in den dunkelsten Stunden nicht in Frage.

Der Leidensweg begann im Sommer vor zwei Jahren.Der Ellbogen schwoll an, drei Monate Pause inklusive Spritzentherapie standen auf dem Programm. Drei Tage nach dem Wiedereinstieg ins Training erneut dasselbe Bild: Eine Operation und das Karriereende standen im Raum. „Der Arzt hat gesagt, dass es diesen Eingriff sehr selten gibt und die Erfolgschancen als Profi-Volleyballer nicht sehr gut stehen“, erinnert sich der Filius des Baulöwen. Nach Wochen des Bangens klappte alles komplikationsfrei.

Erneut sechs Monate später brachte eine Routineuntersuchung des Knies die nächste Hiobsbotschaft: Die Patellasehne sei lädiert, diese würde eine volle Saison nicht halten. „Da war ich extrem am Boden zerstört. Viele in meinem Umfeld sprachen vom Ende des Profi-Daseins. Mein Vater aber nicht, der sagte: ‚Gemeinsam schaffen wir’s‘“, fasst der österreichische U21-Meister zusammen.

Operation, Regeneration und die erneute Hoffnung auf eine Rückkehr. Und abermals löste sich diese schnell in Rauch auf. Der Eingriff im Knie beleidigte den Schleimbeutel, der musste nun entfernt werden. Nun steht der Fan des englischen Premier-League-Clubs Manchester United wieder am Anfang. Kronthaler: „Ich trainiere zwar, bin aber noch nicht dort, wo ich sein möchte. Das Knie ist noch nicht ganz gut, aber mein Arzt meinte, im Vergleich zum Ellbogen sei das ein Klacks.“

Nach der langen Leidensgeschichte haben sich die Ziele und Wünsche relativiert. Es gehe jetzt darum, erst einmal schmerzfrei trainieren zu können, schrittweise die Intensität zu steigern, um am Ende die Gewissheit zu bekommen, wo man leistungsmäßig überhaupt steht.

Und ausgerechnet die Neider sind in dieser Phase die, die dem Wirtschaftsstudenten den größten Antrieb geben: „Ich will es diesen Herren zeigen, dass ich zu Recht beim österreichischen Meister unter Vertrag stehe!“

Das familiäre Nest hat er bereits länger verlassen, wohnt jetzt nur drei Minuten von der SoWi entfernt, um den Spagat zwischen Studium und ProfiSport auf eigenen Beinen zu meistern.

Das heutige MEVZA-Duell mit Castella wird er erneut von der Tribüne aus verfolgen. Und sich insgeheim nur eines wünschen: „Hoffentlich stehe ich bald wieder im Dress am Parkett.“