Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 18.05.2016


Basketball

Ein Basketball fällt nicht weit vom Stamm

Basketball fristet in Tirol ein Schattendasein, doch mit Benedikt Haid klopft ein Innsbrucker an die amerikanische College-Liga-Tür.

© Julia Hammerle18 Jahre jung, 1,90 m groß: Der Tiroler Benedikt Haid, Sohn der ehemaligen Größe Hannes Haid, will als Basketballer hoch hinaus.Foto: Hammerle



Von Adrian Stöckl

Innsbruck – 1891. Vor ziemlich genau 125 Jahren erfand der Amerikaner James Nai­smith ein Spiel, das bis heute etwa 450 Millionen Menschen begeistert: Basketball. In Österreich ist die Weltsportart aber nur eine Randsportart geblieben. In Tirol noch mehr. Seit geraumer Zeit gibt es kein semiprofessionelles Team mehr. Das bis dato letzte waren die Schwaz Silverminers.

Wie so oft scheitert es am Geld, erzählt der Präsident des Sportvereins Olympisches Dorf (SVO), Andreas Seeböck: „Wir sind ein Amateurverein. Um halbprofessionell zu spielen, also zweite Liga, fehlen uns die Mittel.“ Ins selbe Horn bläst Raffael Jambor, Obmann der TI-Basketballer. „Einerseits sind es die Kosten, andererseits ist es der ausbleibende Nachwuchs.“ In keiner Altersklasse in Tirol gebe es mehr als fünf Teams. Immerhin gewann die Turnerschaft kürzlich in drei Altersklassen (U14, U16, Westliga-Herren) den Tiroler Meistertitel, der SVO einen.

Und diesen einen in der U19-Klasse. Mit dem 18-jährigen Benedikt Haid, seines Zeichens Point- und Shootingguard des SVO und das größte Tiroler Basketballtalent, was auch Konkurrent Jambor von der TI bestätigt. Vergangenes Jahr war der 1,90 große Sport-BORG-Schüler auf Stippvisite in den USA, die US-Colonials aus den New-England-Staaten waren auf ihn aufmerksam geworden. „Ich habe Videos produziert und sie nach Übersee geschickt, um mich so zu präsentieren“, beschreibt Haid. Mit Erfolg. Über 20 Spiele absolvierte er dort. Und überzeugte. Wie auch der Trainer der Colonials, Sam Leal, bei seinem Besuch und Testspiel einer US-Auswahl in Innsbruck im April bestätigte: „Er ist ein wirklich guter Werfer und hat das Zeug zu mehr.“

Dass der Vater als Österreichs Ex-Basketball-Nationalspieler (über 100 Spiele, Anm.) ihm das Talent in die Wiege legte, liegt nahe. Doch gepusht hat der nunmehr als Hypo-Aufsichtsrat tätige 52-Jährige seinen Sohn nicht. „Ich habe es nie forciert, aber der Ball war natürlich immer Bestandteil des Lebens.“ Benedikt kam am runden Leder also nicht vorbei. „Er schiebt einige Extraschichten, um sein Ziel zu erreichen. Das muss man auch“, weiß Papa Haid, der die Stärken seines Sprösslings in Athletik, Schnelligkeit und großem Kämpferherz sieht.

Das Ziel von Haid junior, das ist die amerikanische College-Basketball-Liga (NCAA), in der der Vater schon spielte (1989–1991, Hawaii). „Ich will, dass mein Leben aus Basketballspielen und Lernen besteht“, klingt der Maturant schon ziemlich reif. Und sagt mit seinen Worten: „Ich weiß was ich will.“

Auf Österreichs Nationalteam angesprochen, stockt die Stimme des Jugendlichen allerdings: „Dort habe ich nie gespielt. Wegen der Schule konnte ich oft nicht zu Auswahltrainings. Ich weiß nicht, was ich davon halten soll.“ Als einer von drei noch verbliebenen Kandidaten für ein College in den USA darf der 18-jährige Tiroler aber hoffen, in andere Sphären vorzustoßen. Und wenn es nicht klappen sollte? Haid: „Probiere ich es noch einmal.“ Inklusive weiterer Extraschichten.