Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 13.06.2016


Thema der Runde

Wenn der Vater mit dem Sohne

Die Familie Wurzer stand beim Wattener 3:0-Sieg gegen Telfs im Mittelpunkt. Vater und Sohn spielten dabei gemeinsam auf.

© Beate RetzenbachDie Trainer Rinker (l.) und Schiener nahmen die Wurzers in ihre Mitte: Papa Michael und Sohn Fabio spielten gemeinsam gegen Telfs.



Von Tobias Waidhofer

Wattens – Im Sommer 2015 standen die Zeichen beim Wattener Edel-Routinier Michael Wurzer schon auf Karriereende. „Eigentlich wollte ich Schluss machen“, erzählt Michael Wurzer. „Aber als sich herauskristallisiert hat, dass mein Sohn in den Kader aufrückt, hab’ ich es mir noch einmal überlegt.“

Zum Glück, ist man geneigt zu sagen. Denn was sich am Freitagabend im Wattener Gernot-Langes-Stadion abgespielt hat, bezeichnete Wattens-II-Coach Martin Rinker schlicht als „Hollywood-reif.“

Tatsächlich hätten wohl auch die Drehbuchautoren der Film-Traumfabrik ihre Freude mit dem Vater-Sohn-Plot gehabt: Der 3:0-Sieg am Freitagabend über Telfs war für den 37-jährigen Wurzer senior sein letztes Spiel im WSG-Dress, neben ihm stand dabei im linken Mittelfeld sein 17-jähriger Sohn Fabio in der Startelf – zum ersten und gleichzeitig letzten Mal. „Das war natürlich etwas Besonderes“, schwärmt Wurzer senior. Da tat es auch nichts zur Sache, dass er kurz vor seiner Auswechslung einen Elfmeter vergab. „Den hab’ ich absichtlich verschossen, damit ich in Erinnerung bleibe“, lacht der Routinier, der seit 2008 in Wattens spielt und vorher auch mit Kufstein im Profibereich vorgespielt hatte.

Für Kufstein spielte Michi Wurzer in der zweiten Liga.
- gepa

Auch Trainer Martin Rinker nahm den Fehlschuss mit Humor: „Nach seiner Auswechslung hab ich ihm gesagt: ,Das passiert, wenn du bei mir einen Elfer vergibst.‘“

Dass sich die Vater-Sohn-Beziehung nicht nur auf die eigenen vier Wände beschränkt, sondern bis auf das grüne Rasenviereck reicht, sorge natürlich auch für „komische Situationen“: Bei einem Testspiel forderte Sohn Fabio den Ball mit einem lauten „Papa-Ruf“. „Das geht gar nicht. Der ganze Platz hat gelacht. Da haben wir uns schnell was anderes ausgemacht.“

Auch beim Training ließ man sich öfters gegenseitig über die Klinge springen. „Die Zweikämpfe zwischen uns waren immer sehr verbissen.“ Das gehört der Vergangenheit an. Der 37-jährige Wurzer senior konzentriert sich ab sofort auf seinen Job als Wattener Nachwuchsleiter. „Ich glaube, Fabio ist froh, dass er seinen Weg jetzt alleine gehen kann.“ Fußballerische Gemeinsamkeiten gebe es sowieso wenige. „Er ist die Offensiv-Variante, ich die defensive.“

Aber nicht nur Vater und Sohn Wurzer standen im Unterhaus gemeinsam am Feld. Es gibt weitere Beispiele: die Markovics in Innsbruck, die Grabers in Landeck oder auch die Biehlers in Mils.