Letztes Update am Do, 25.08.2016 16:33

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Ötztaler Radmarathon

Vom Ex-Juve-Star bis Motordoping

Über 4000 Radsportler werden sich am Sonntag (6.45 Uhr) dem 36. Ötztaler Radmarathon stellen. Auf 238 Kilometern und 5500 Höhenmetern wird den Athleten alles abverlangt – auch Ex-Fußball-Star Fabrizio Ravanelli.

Über 4000 Radsportler rittern beim Ötztaler Radmarathon um den Sieg.

© LorenziÜber 4000 Radsportler rittern beim Ötztaler Radmarathon um den Sieg.



Von Roman Stelzl

Sölden – Startplatz-Verlosung, Finisher-Trikot oder gesperrt­e Brennerstraße: Es gibt eine ganze Palette an Begriffen, die mit dem Ötztaler Radmarathon verwoben sind. Und wer wie der Ötztaler 35 Jahre auf dem Buckel hat, der darf sein­e Eigenheiten und Traditionen haben. Die 36. Auflage am Sonntag (6.45 Uhr) macht da keine Ausnahme – auch wenn es andererseits heuer wieder jede Menge Ausnahmen gibt. Teils gewollt. Teils ganz und gar nicht gewollt.

Die „Weiße Feder“ gegen die Tiroler Feder: Champions-League-Sieger Fabrizio Ravanelli ist ebenso ...
Die „Weiße Feder“ gegen die Tiroler Feder: Champions-League-Sieger Fabrizio Ravanelli ist ebenso ...
- gepa

Feder-Duell: Den gleichen Spitznamen tragen zwei große Aushängeschilder des 238 Kilometer langen Rennens mit seinen 5500 Höhenmetern. Zum einen ist das Daniel „Feder“ Federspiel, seines Zeichens zweifacher Mountainbike-Eliminator-Weltmeister, der seinen zweiten Ötztaler nach 2011 in Angriff nimmt („Ich freue mich, habe die letzten Wochen sehr gut trainiert“) – zum anderen ist das Ex-Fußballer Fabrizio Ravanelli. Der italienische Champions-League-Sieger von 1996, der aufgrund seiner erbleichten Haarpracht „Weiß­e Feder“ (penna bianc­a) genannt wurde, tritt zum ersten Mal beim Ötztaler in die Pedale. Der 47-jährige früher­e Juventus-Star hatte wegen einer Rückenverletzung als Reha-Maßnahme mit dem Radfahren begonnen. Und Ravanelli ist dabei geblieben.

Motordoping: das Unwort des Radsport-Jahres. Gegen die versteckte Motorisierung der Rennräder war heuer etwa die Tour de France mit Wärmebildkameras vorgegangen – in Tirol kostet das die Veranstalter nur ein Schulterzucken. „Hinten im Feld können sie das machen. Und in der Spitzengruppe fällt das sowieso auf, wenn einer locker wegfährt“, erklärt OK-Chef Ernst Lorenzi. Wird einer erwischt, folgt die sofortige Disqualifikation.

... beim Ötztaler Radmarathon dabei wie Weltmeister Daniel Federspiel.
... beim Ötztaler Radmarathon dabei wie Weltmeister Daniel Federspiel.
- Dobslaff

Blutdoping: Viel älter als das Problem der Motorisierung ist das der Einnahme verbotener Substanzen oder des Blutdopings. Die Veranstalter des Radmarathons lehnen angekündigte Kontrollen ab (auch wenn sie jederzeit möglich sein können). Aufgrund fehlender Preisgelder müssen die Athleten Eigenverantwortung übernehmen. Es wird aber mit der Anti-Doping-Agentur (NADA) zusammengearbeitet und präventive Aufklärung durch Sportmediziner Perikles Simon betrieben (Vortrag morgen, 19 Uhr, Freizeitarena Sölden).

Müll: Rigoros sind die Veranstalter beim Thema Müllwegschmeißen. Wer erwischt wird, wie er seinen Abfall auf der Straße lässt, wird disqualifiziert. Dabei erzählt Lorenzi gerne eine Episode von 2015: Ein Teilnehmer hab­e etwas weggeworfen, daraufhin sei das Begleitauto vorgefahren und habe erklärt, er soll zurückfahren und seinen Müll aufheben oder er ist disqualifiziert. Der Teilnehmer drehte um, hob alles auf und fuhr weiter. Auch so geht es.

Zeitlimit: Neu ist heuer der Zeitpunkt der letztmöglichen Passüberquerung für die rund 4000 Athleten (limitiert). „Am Brenner haben sie bis 12.40 Uhr Zeit, am Jaufenpass bis 14.20“, sagt Lorenzi. Schaffen sie das nicht, müssen sie ihre Startnummer abgeben. Hintergrund: Im Vorjahr mussten rund 300 Sportler nach der Straßensperrung im Autoverkehr weiterfahren. Zur Zeit der Jaufenpass-Sperre sollten die besten aber ohnedies längst im Ziel sein ...

Ötztaler Radmarathon

Freitag, 19.00 Uhr: Vortrag mit Sportmediziner Perikles Simon (Freizeitarena Sölden).

Samstag, 9.00 Uhr:

Beginn Startpaketausgabe, Freizeitarena. 18.44: Stuntshow mit Biker Vittorio Brumotti. 19.30: verbindliche Fahrerbesprechung, Freizeitarena.

Sonntag, 6.45 Uhr:

Startschuss für den 36. Ötztaler Radmarathon von Sölden über Kühtai, Innsbruck, Brenner, Jaufenpass, Timmelsjoch nach Sölden (238 km/5500 hm).