Letztes Update am Sa, 27.08.2016 10:22

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Radsport

Ötztaler Radmarathon: Zuerst die Lust, dann die Qual

Mountainbike-Weltmeister Daniel Federspiel fährt morgen (6.45 Uhr) zum zweiten Mal nach 2011 den Ötztaler Radmarathon. Der Imster kennt die Strecke gut – auch ihre Tücken.

Die ersten Kilometer laden Daniel Federspiel noch zum Spaßen ein, spätestens am Jaufenpass ist aber Schluss mit lustig.

© FederspielDie ersten Kilometer laden Daniel Federspiel noch zum Spaßen ein, spätestens am Jaufenpass ist aber Schluss mit lustig.



Von Roman Stelzl

Sölden – Unter sieben Stunden und 20 Minuten bleiben und ein Platz unter den Top 20 – das würde für Daniel Federspiel beim Ötztaler Radmarathon richtig gut klingen. „Es hängt viel davon ab, wie ich den Anfang erwische. Dann ist viel möglich“, erklärte der 29-jährige Imster, der eigentlich auf dem Mountainbike (zweifacher Eliminator-Weltmeister) erfolgreich ist. Doch auch auf dem Straßenrad soll es beim zweiten Auftritt nach 2011 (18.) morgen (6.45 Uhr) hinhauen. Gemeinsam mit dem Stubaier Daniel Rubisoier (2015 als Siebenter bestplatzierter Österreicher) soll die Fahrt im Spitzenfeld enden. Wie das klappen könnte? Darauf gab Federspiel in Form von Vorbereitung und Rennplan eine Antwort.

Vorbereitung: Die Umstellung für einen Sprinter wie Federspiel ist nicht leicht. „Sonst trainiere ich für Belastungen von einer Minute!“, meinte der Tiroler vor dem 238 Kilometer langen Marathon mit über 5500 Höhenmetern. Dafür wurde auf langen Distanzen geübt, unter anderem beim „Probe“-Ötztaler mit Rubisoier (ohne Kühtai etwas über sieben Stunden). Zum Essen gab es lange nur Proteine und Gemüse – seit Mittwoch stehen Kohlenhy­drate auf dem Speiseplan. Am Vorabend warten Pizza und Nudeln.

Kühtai: Von Sölden hinaus nach Ötz ist erst einmal Kräftesparen angesagt. Ebenso beim ersten Anstieg mit 18 Prozent Steigung über 1200 Meter bis zum Kühtaisattel. Federspiel: „Das ist der schwierigste Teil. Dort ist es ganz wichtig, Kräfte zu schonen. Das beste Beispiel ist Stefan Kirchmair (Sieger 2011 und 2012, Anm.) – der lag dort oben nur auf Rang 50 und hat dann am Ende alle eingeholt. Da passt es auch, wenn ich in der zweiten Gruppe fahre.“

Brennerpass: Nach der Abfahrt nach Innsbruck geht es weniger steil über die Bundesstraße auf den Brennerpass. „Da schiebt sich das Feld zusammen“, sagt Federspiel. Bei der Abfahrt nach Sterzing gibt es eine große Grundregel: Windschatten. „Nie alleine fahren. Wer das macht, hat keine Chance mehr.“

Jaufenpass: „Hier entscheidet sich das Rennen“, ist sich Federspiel sicher. Hier teile sich das Feld endgültig auf. Vorteilhaft sei die gleichbleibende Steigung (zwölf Prozent). „Wer am Anfang Kraft gespart hat, der kann mithalten.“ Nach über 1100 Höhenmetern ist der höchste Punkt erreicht – aber nicht der höchste des Rennens.

Timmelsjoch: Der höchste Pass liegt am Übergang von Süd- nach Nordtirol (2509 Meter). Nach der Jaufen-Abfahrt warten 1750 Meter und 14 Prozent Steigung bis zum Timmelsjoch. Was tun, damit der Hammer in der Tasche bleibt? „Das Wichtigste ist es, davor genügend zu trinken und zu essen!“, sagt Federspiel, der im Vorfeld gute 1:40 Stunden für den Aufstieg brauchte. Während des Rennens setzt der Mountainbiker auf Riegel, Bananen – hier sind es dann fast nur noch Gels. Wer nicht auf den Körperhaushalt achtet, muss bitter bezahlen. „Dann wird es grausig. Man will trinken, essen, schlafen und denkt sich, dass man jetzt sein ganzes Vermögen hergibt, damit das aufhört.“ Aufhören soll es aber erst 30 Kilometer nach dem Timmelsjoch: im Ziel von Sölden. Dort, wo jeder Ankömmling auf seine Art auch ein Sieger ist.

Straßensperren beim Ötztaler Radmarathon

Wann: Sonntag 28. August, Start 6.45 Uhr in Sölden, Strecke (238 km/5500 Hm).

Straßensperren:

6.15-8 Uhr (B186): Sölden bis Oetz.

7.00-9.00 (L237): Oetz – Kühtai.

7.00-10.30 (L13): Kühtai – Kematen.

8.45-10.45 (B182): Innsbruck ab Bergisel Richtung Brenner.

9.20-11.45 (B182): Matrei Richtung Brenner.

9.30-11.55 (B182): Steinach Richtung Brenner.

9.50-12.35 (SS 12/Italien): Brennero/Brenner – Vipiteno/Sterzing.

9.40-13.05 (SS 12): Sterzing – Brenner.

10.00-14.30 (SS 44): Gasteig – Jaufenpass.

10.45-15.30 (SS 44): Jaufenpass – St. Leonhard.

11.30-17 Uhr (SS 44): St. Leonhard – Timmelsjoch.

11.00-19.30 Uhr (B186): Timmelsjoch – Obergurgl.

13.00-19.30 Obergurgl – Sölden.

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