Letztes Update am Mo, 17.10.2016 06:36

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Kitzbühel

Ein Leben geprägt von der Streif: Michael Huber im Interview

In gut drei Monaten finden in Kitzbühel wieder die Hahnenkammrennen statt. Für den KSC-Präsdidenten Michael Huber ist es aber nicht nur ein Job und ein Rennen, es ist ein großer Teil seines Lebens.

KSC-Präsident, Hahnenkamm-OK-Chef und Skifahrer aus Leidenschaft: Michael Huber.

© Thomas BöhmKSC-Präsident, Hahnenkamm-OK-Chef und Skifahrer aus Leidenschaft: Michael Huber.



Kitzbühel – Noch ist sie grün, aber in knapp hundert Tagen werden wieder die besten Skirennläufer auf der Streif in Kitzbühel um Hundertstelsekunden kämpfen. Schon jetzt starten die Vorbereitungsarbeiten auf der Strecke. Für den KSC-Präsidenten und Hahnenkammrennen-OK-Chef Michael Huber laufen die Vorbereitungen für die 77. Auflage schon viel länger. Die Tiroler Tageszeitung hat den Kitzbüheler zum Gespräch gebeten.

Wie oft am Tag denken Sie an das Hahnenkammrennen?

Michael Huber: (lacht) Was soll ich jetzt sagen, jede Stunde einmal – Minimum. Also 24-mal am Tag sicher.

Ab wann laufen die ersten Vorbereitungen?

Huber: Man lernt nie aus. Früher haben wir erst das Rennen abgehalten, dann im Frühjahr eine Nachlese gemacht und im Sommer für das nächste Rennen die Verhandlungen und Sonstiges durchgeführt und im Herbst dann umgesetzt. Wir haben aber gelernt, dass es in vielen Bereichen besser ist, früher zu beginnen. Deshalb beginnen wir jetzt schon bald nach dem Rennen zu sichten, was zu tun ist. Vor allem wenn es Eingriffe in die Strecke sind. Grabungsarbeiten wachsen über den Sommer viel schneller und besser zu als im Herbst.

Jetzt hingegen laufen wieder hauptsächlich die organisatorischen Vorbereitungen. Auch werden die Lager gefüllt und schon wieder die Netze gespannt auf der Strecke.

Sie sind KSC-Präsident und Hahnenkammrennen-OK-Chef und noch dazu familiär vorbelastet. Ihr Vater und Ihr Großvater sind das Hahnenkammrennen gefahren, Sie sind mit dem Skisport aufgewachsen. Welche Bedeutung haben für Sie Ihre beiden Funktionen?

Huber: Das ist eine Lebensaufgabe, die ich mir so nicht ausgesucht habe. So was plant man ja auch nicht, da kommt man einfach hinein. Das geht also weit über einen Job hinaus. Ich bin stolz auf die sportlichen Leistungen meines Vaters und Großvaters. Ich kann leider nicht mit solchen Leistungen aufwarten. Und deshalb versuche ich mich organisatorisch für den Spitzensport Hahnenkammrennen und den KSC einzusetzen.

Warum wurde aus Ihnen kein Rennläufer?

Huber: Es war nie ein Thema. Meine Schwester ist Skirennen gefahren, die ist FIS-Rennen gefahren und sogar Europacup. Hat aber verletzungsbedingt aufhören müssen. Aber ich habe nie aktiven Wettkampfsport betrieben. Es gab auch keinen Druck von meinem Vater. Schülerskitage habe ich allerdings alle gewonnen, außer den letzten, bei dem ich mit Gips gestartet bin.

Ich glaube, das ist eine Ehrgeizfrage. Auch hier muss man eine Berufung in sich spüren, um den Wettkampfsport zu mögen. Meine Freude am Skisport war aber sozialer Natur. Es gab einen Winter, da bin ich nur an fünf Tagen im Winter nicht auf den Ski gestanden. Aber mich hätte keiner zum Rennlauf antreiben können.

Sie gelten in Kitzbühel als wandelnder Ski-Almanach. Was begeistert Sie am Skisport so?

Huber: An der Skigeschichte fasziniert mich die Romantik. Es ist unvorstellbar, welche Romantik so ein Schwarz-Weiß-Foto von damals auf mich ausübt. Das ist wie ein Magnet und mir wird warm ums Herz.

Der Skisport selbst, da bin ich auch hier wieder nicht der Wettkampfsportler, ist für mich ein Mehr an Erlebnis, an Kameradschaften, ein Mehr an Gefühl. Es gibt wenig Sportarten, die du ausführen kannst, ohne dabei wettzukämpfen. Tennisspielen, nur um den Ball hin- und herzuschupfen, machen wenige. Am Fußballplatz muss man auch ein Match spielen. Skifahren hat eine soziale Komponente, die ganze Familie kann zusammen Sport betreiben.

Wenn es wie heuer viele Stürze gab, kommen die Vorwürfe, dass die Streif absichtlich schwer gemacht wurde. Wie gehen Sie damit um?

Huber: Da gibt’s eine ganz klare Antwort: Man hat für sich selbst ein Maß gesetzt, solange das passt, ist das nicht so unmittelbar. Man weiß, dass man mit bestem Wissen und Gewissen oben am Berg eine Rennstrecke bereitet, mit den ganzen Rahmenbedingungen, welche die Natur vorgibt, und wenn du dann hier ein reines Gewissen hast, dann trifft einen das nicht. Die Streif ist wie eines Messers Schneide, scharf zwischen möglich und nicht möglich. Das muss einem bewusst sein, sonst braucht man kein Hahnenkammrennen durchzuführen.

Wie sehen Sie die Entwicklung mit den Promis und den Side-Events?

Huber: Das ist keine Entwicklung, das hat es in Kitzbühel immer schon gegeben. Früher war vielleicht sogar noch mehr Promiauflauf, aber es wurde nicht so viel darüber berichtet. Damals gab’s auch keine Social Media. Viel hat damals einfach außerhalb der öffentlichen Wahrnehmung stattgefunden. Und für mich geht das Hahnenkammrennen von hier bis da. Vom Handwerker, der beim Rennen zusieht und dabei dem Bundeskanzler über den Weg läuft, eine gut betuchte Dame im Pelzmantel trifft und dann mit den Fans am Abend feiert. In der Sportsoziologie sagt man, das sind die großen Sportfeste, die es immer schon gegeben hat. Im Mittelalter die Ritterspiele, im alten Griechenland die Olympischen Spiele und es gibt noch zig Beispiele aus der Geschichte heraus. Ein richtiges Fest ist gemeinschaftsbildend und da muss der König genauso auf der Tribüne sitzen wie unten das Volk. Die Mischung macht’s und es hat bei uns eine gewisse gute Balance.

Schon seit Längerem sind Damen beim HKR kein Thema mehr, jetzt hat der KSC aber zwei hoffnungsvolle Nachwuchsläuferinnen. Könnten die Damen vielleicht doch wieder ein Thema werden?

Huber: Sagen wir so: Das ist Wühlen in Wunden. Die zwei Versuche, die 1990 und 1998 gestartet wurden, sind leider vor allem wegen der Witterung in die Hose gegangen. Es ist noch nicht weit genug weg, dass es nicht noch immer irgendwo eingebrannt wäre. Ich habe den beiden Mädels schon gesagt, wenn sie einmal im Weltcup starten, dann müssen wir uns was überlegen. Der Präsident des KSC wäre stolz wie ein kleines Kind, wenn wir hier wieder etwas hätten. Doch einen konkreten Ansatz gibt es noch nicht.

Eine leichte Frage zum Abschluss: Wie wird das 77. Hahnenkammrennen?

Huber : Gut (lacht).

Das Gespräch führte Harald Angerer