Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 04.06.2017


Cordial Cup 2017

Der Cup, der Fußball-Welten zusammenführt

Beim Cordial Cup rund um die Hohe Salve dreht sich für Groß und Klein alles um das runde Leder. Auch für einige Tiroler Nachwuchskicker.

Wenn die Kleinen die Großen ärgern: Die U11 des EN St. Avold aus der französischen Provinz (Mitte) rang dem FC Chelsea ein Remis ab.

© www.muehlanger.atWenn die Kleinen die Großen ärgern: Die U11 des EN St. Avold aus der französischen Provinz (Mitte) rang dem FC Chelsea ein Remis ab.



Von Alois Moser und Daniel Lenninger

Kirchberg — Was, wenn man das größtmögliche Highlight einer Fußballer-Karriere bereits mit elf Jahren erlebt hat? Frag nach bei den Nachwuchskickern des SC Kirchberg, die am Samstag im Rahmen des Cordial Cups im heimischen Stadion auf den Nachwuchs des großen FC Barcelona trafen! Ein Tor hatten sie sich gegen die kleinen Giganten vorgenommen — das 0:10 war am Ende aber Zeugnis, was beim Zusammenprall zweier Fußballwelten passieren kann. Nach der Lehrstunde gegen die Altersgenossen aus La Masia, der wohl besten und bekanntesten Nachwuchsschmiede der Welt, gab es aber keine Tränen.

Es war nicht Carles Puyol, dem die Nachwuchskicker vom SC Kirchberg auf den Fersen waren – trotzdem begeisterte Barcelona.
Es war nicht Carles Puyol, dem die Nachwuchskicker vom SC Kirchberg auf den Fersen waren – trotzdem begeisterte Barcelona.

„Es war richtig cool", so der einhellige Tenor der jungen Kirchberger. „Die Jungs haben in der letzten Zeit ständig gefragt, wann das Turnier endlich stattfindet", ließ Kirchbergs Nachwuchstrainer Hakan Sarac die von Aufregung und Vorfreude geprägte Vorbereitung auf das „Spiel des Lebens" Revue passieren. Und die Kirchberger gingen ja nicht nur dank des lauten Heimpublikums auch als Sieger der Herzen vom Platz: „Das waren wichtige Erfahrungen gegen eine um drei Klassen bessere Mannschaft." Da konnte auch der Schiedsrichter, mit Yasin Kaya ebenfalls ein gebürtiger Kirchberger, nicht mehr viel helfen: „Die Spanier sind schon richtig gut." Wer weiß, welch glanzvolle Zukunft dem einen oder anderen Barça-Juwel bevorsteht? Zumal mit Sami Khedira (Juventus Turin) und Mateo Kovacic (Real Madrid) am Samstagabend zwei ehemalige Cordial-Cup-Kicker im Champions-League-Finale standen.

Beim Cordial Cup treffen eben nicht nur Mannschaften aus aller Welt aufeinander, sondern auch sportliche Welten. Gut zu sehen, wenn der mit einem ganzen Betreuerstab angereiste FC Barcelona auf die heimischen Nachwuchsmannschaften trifft. Wobei Barça-Jugendtrainer Jordi, die sportliche Dominanz karikierend, tief stapelte: „Sie sollen nicht nur gut spielen, sondern auch Spaß haben."

Schon ganz der Papa: Daniel Tristan Gudjohnsen (ISL).
Schon ganz der Papa: Daniel Tristan Gudjohnsen (ISL).

In Jordis Team wuselt unter vielen Spaniern auch ein kleiner Blondschopf herum, der nicht nur nach Isländer ausschaut, sondern auch der Sohn der isländischen Nationalteam-Ikone Eidur Gudjohnson ist.

Und mit Mehdi Mahdavikia, ehemals Publikumsliebling beim Hamburger SV und nun Macher bei der KIA Football Academy im Iran, hat ein weiterer klingender Name der Fußball-Vergangenheit den Weg in die Gegenwart gefunden. Dass die Klub-Prominenz überhaupt den Weg nach Tirol fand, ist einzig und allein dem Deutschen Hans Grübler zu verdanken. Einst wurde die Idee an der Bar eines Tiroler Hotels geboren. 20 Jahre später sucht die Umsetzung hierzulande ihresgleichen. 166 Mannschaften kämpfen an 12 Tiroler Sportstätten um den Turniersieg. Damit sei eine Grenze erreicht, wie Grübler verrät: „Es ist eine Herausforderung, dieses Niveau beizubehalten."

Auf diesem Niveau konnten auch die Tiroler Mannschaften mithalten: Während die Kirchberger und Obsteig/Mieming die Segel streichen mussten, qualifizierte sich die TFV-Auswahl Unterland im U11-Turnier als Gruppensieger vor Red Bull Salzburg für die Zwischenrunde. Bei der U13 kam die TFV-Auswahl weiter, der FC Wacker schied aus. Die Tiroler U15-Akademie darf als Gruppensieger wie auch die Tiroler Damen-Auswahl (U15) noch vom Turniersieg träumen.

In ihrer Gruppe stand die U15 der Akademie Tirol am Ende ganz oben – Felix Kerber und Co. besiegten auch Team Südostschweiz.
In ihrer Gruppe stand die U15 der Akademie Tirol am Ende ganz oben – Felix Kerber und Co. besiegten auch Team Südostschweiz.
- Lorenz