Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 07.06.2017


Football

Viele leere Worte, aber noch keine Taten

Seit Jahren wird im Zusammenhang mit den Swarco Raiders von einem neuen Football-Trainingszentrum gesprochen. Passiert ist aber noch nichts.

Dem Football-Nachwuchs der Swarco Raiders bleibt nicht viel Platz in Sieglanger. Gleich nach der Outlinie kommt der Zaun - es besteht Verletzungsgefah­r bei jedem Training.

© Michael KristenDem Football-Nachwuchs der Swarco Raiders bleibt nicht viel Platz in Sieglanger. Gleich nach der Outlinie kommt der Zaun - es besteht Verletzungsgefah­r bei jedem Training.



Von Daniel Suckert

Innsbruck – „Im Jahr 2005 hat man uns gesagt, dass Siegl­anger nur eine Übergangslösung sein wird“, erinnert sich Tirols Football-Legende und jetziger Nachwuchschef der Swarco Raiders, Florian Grein, mit einem Kopfschütteln zurück. „Wir trainieren aber immer noch an Ort und Stelle. Ganze 12 Jahre später.“ Und das auf äußerst fragwürdigen Bedingungen, wie ein Lokalaugenschein beweist.

Dem ehemaligen Aushängeschild des österreichischen Footballmeisters geht es um seine 150 Kinder. Der löchrige Rasen stellt noch das kleinste Problem dar. Außer es regnet, dann ist an Sport nicht zu denken.

Bedenklicher sind da schon die Bäume direkt neben dem Feld oder der Zaun, der am Ende des Grüns steht. Und der das Fangen zu einer Glückslotterie macht: Landet man im Zaun oder doch nicht?

Bei nahezu jeder Abschlussfeier der ersten Mannschaft kamen von Seiten der Politik stets dieselben Worte: „Als Nächstes seid ihr dran mit dem Trainingszentrum“, ärgert sich Grein heute noch und holt aus: „Football ist ein Sport für alle Kinder. Dick, dünn, klein oder groß – welche Sportart kann das von sich behaupten? Tennis, Fußball, Klettern – überall geht es um die besten und schnellsten Athleten.“

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Allein wenn Grein die Angaben zu den Kilogramm seiner U13-Mannschaft durchschaut – da gebe es von 33 bis 93 Kilogramm alles. Das seien exakt die Kinder, die in den Schulen als Letzte gewählt würden. Die meisten seien zudem Mobbing ausgesetzt. Grein: „Und genau für die stellt der Football ein­e Möglichkeit dar, sich mit dem richtigen Training nicht nur körperlich, sondern auch auf mentaler Ebene zu entwickeln.“

Durch viele Schulaktionen und Bewerbungen konnten Grein und Co. heuer wieder quantitativ zulegen, was die Nachwuchszahlen betrifft. Dass eine richtige Infrastruktur zusätzlich helfen würde, versteht sich von selbst.

Zuletzt war zu hören, dass die Stadt Innsbruck bereit sei, es scheitere aber am Land. Im Herbst soll es aber so weit sein und endlich das Trainingszentrum hinter dem Tivolistadion Realität werden. „Wieder einmal“, ergänzt der Nachwuchschef des aktuellen Tabellenzweiten der AFL mit einem Augenzwinkern. „Mir geht das alles viel zu langsam!“ Und ganz traut der Vater einer Tochter dem Braten noch nicht. Zu oft wurden schon Vollzugsmeldungen in die Welt gesetzt, Taten blieben aber aus.

Dass die Fußballer eventuell gegen das Football-Areal Sturm laufen könnten, kann Grein nachvollziehen. Er würde dem kickenden Nachwuchs den Platz zur Verfügung stellen. Das wäre kein Problem. „Das Vorrecht müsste bei den Raiders bleiben, in den freien Zeiten könnten ruhig die Kicker aufmarschieren. Dagegen hätte ich nichts einzuwenden.“

Ganz im Gegenteil: Der Innsbrucker würde sich mehr ein Miteinander als ein Gegeneinander unter den Tiroler Sportclubs wünschen. Schließlich würden ja alle Vereine unterm Strich dasselbe Ziel haben: Kinder und Teenager zum Sport zu bewegen.