Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 13.06.2017


Football

Die fehlende Konkurrenz schmälert die Freude

Die Swarco Raiders schnappten sich am Wochenende den CEFL-Titel. Die Freude ist groß, der Bewerb braucht aber mehr Attraktivität.

Jubel, Trubel, Heiterkeit herrschte bei den Swarco Raiders nach dem Titelgewinn.

© StiegJubel, Trubel, Heiterkeit herrschte bei den Swarco Raiders nach dem Titelgewinn.



Von Daniel Suckert

Innsbruck – Dass die Footballer der Swarco Raiders nach dem ersten internationalen Titelgewinn seit über sechs Jahren außer Rand und Band waren, versteht sich. Und dafür, dass der CEFL (Central European Football League) die nötige Attraktivität fehlt, können die Tiroler nichts. Gegen den serbischen Meister Kragujevac Wild Boars gewann man mit 55:20, ohne an die Grenzen zu gehen – General Manager Gerwin Wichmann hofft auf Verbesserung. „Wir sind in alle Richtungen gesprächsbereit“, erklärte der langjährige Footballer mit hoffnungsvollem Lächeln. „Aber Fakt ist, dass die Big 6 (europäischer Parallelbewerb, Anm.) in der aktuellen Form für uns wenig Sinn macht.“ Die CEFL stellt sozusagen als „kleiner Bruder“ den Ausweichbewerb dar.

Unterschied: Es geht um die Legionärs-Regelung und die Kosten, die man für eine Saison investieren muss. Vor allem die deutschen Teams pochen darauf, viel Geld in Legionäre investieren zu dürfen. Das macht aber für die heimischen Topvereine, die Raiders und die Vienna Vikings, wenig Sinn. Zusätzliche „Imports“ – in der heimischen AFL sind zwei Ausländer erlaubt – zu verpflichten, sind nicht angedacht. Die würden die halbe Saison spazieren gehen und nur für maximal drei Big 6-Partien auflaufen. Dafür fehlt den Tirolern das nötige Kleingeld. Die Alternative stellte heuer die finanziell kleiner dimensionierte CEFL dar, in der wiederum die besten Gegner aus dem nördlichen Nachbarland fehlen. Der polnische (33:20-Sieg), dänische (35:0) oder serbische Meister (55:20) kann eben nur bedingt mithalten – über vier Viertel überrollt die Truppe von Headcoach Shuan Fatah diese Gegner.

Braunschweig hatte eine Stufe höher in der Big 6 ein ähnliches Jahr, im Finale schlugen sie Frankfurt mit 55:14. Und durften schon zum dritten Mal en suite den europäischen Pokal in den Nachthimmel stemmen. AFVD-Präsident Robert Huber hingegen schwärmte: „Die Saison 2017 der Big 6 war die bisher erfolgreichste in der Geschichte dieser Liga. Wir bieten allen Teilnehmern Wettbewerb auf höchst sportlichem Niveau.“ Dem muss man entgegenhalten, dass die spielerische Qualität der Big 6 ohne rotweißrote Teams abgenommen hat. Wichmann: „Uns fehlen die deutschen Teams genauso, wie wir ihnen fehlen!“

Die Footballer der Raiders (weiß) hatten alles im Griff.
Die Footballer der Raiders (weiß) hatten alles im Griff.
- Stieg

Was tun? Dem Manager der Raiders schweben drei Szenarien vor: „Es wirkt, als wären die Deutschen mit ihrem Festhalten an der Import-Regelung so gut wie alleine. Vielleicht wirkt das. Auf der anderen Seite sehe ich auch eine Möglichkeit, dass irgendwann beide Bewerbe zu einem großen zusammengefasst werden könnten – so wie damals die NFL Europe.“ Dritte Option: „Einige Big 6-Clubs kommen in die CEFL und erhöhen so die Attraktivität.“

Bis es allerdings soweit ist, versuchen die Innsbrucker alles, um den österreichischen Meistertitel (AFL) erfolgreich zu verteidigen. Und mit den Vienna Vikings wartet da ein möglicher Finalgegner, der sich auf Augenhöhe bewegt – im Gegensatz zu den CEFL-Gegnern ...