Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 13.06.2017


Race Across America

Nur 44 Grad Celsius sind für Grüner ein Segen

In der Wüste verpasste sich der Ötztaler Patric Grüner den letzten Schliff vor dem heutigen Start des Race Across America.

© AndreIn der Wüste verpasste sich der Ötztaler Patric Grüner den letzten Schliff vor dem heutigen Start des Race Across America.



Innsbruck – Wenn der Längenfelder Patric Grüner über das heute beginnende Race Across America spricht (Start 22 Uhr MEZ), also den Rad-Extremklassiker von der US-West- zur -Ostküste (4940 km), verschieben sich die Relationen. Eine Auswahl gefällig?

„Den ersten Tag möchte ich ohne Pause durchfahren.“ Der 31-Jährige und sein zehnköpfiger Betreuerstab haben eine Marschroute im Kopf, Schlaf steht nicht an oberster Stelle. Eine Stunde im Schnitt – mehr soll es nicht werden.

„Mit 75 kg Körpergewicht fahre ich weg, mit 70 werde ich wohl im Ziel ankommen.“ Wer an jedem der mehr oder weniger acht Renntage zwischen 10.000 und 12.000 Kalorien verbrennt, wer mit zehn Litern Flüssigkeit und einem handelsüblichen Kartoffelpüree den Verlust wiedergutzumachen sucht, nimmt nicht zu. Gegenteiliges ist der Fall.

„44 Grad in der Wüste empfand ich als geradezu angenehm.“ Nach einer Woche Training zwischen Geröll und Sanddünen wusste Patric Grüner die im Vergleich zum Vorjahr gemäßigten Temperaturen zu schätzen. Bis zu 15 Liter Flüssigkeit täglich nahm der Ötztaler zu sich.

„Top 3 oder Top 5, das wäre toll.“ Als Rookie darf sich Grüner keinen Illusionen hingeben. Sein steirischer Rivale Christoph Strasser – dreifacher RAAM-Sieger und in 7 Tagen, 15 Stunden und 56 Minuten der Rekordmann (2014) – kennt den Großteil der Strecke nach sechs Teilnahmen mittlerweile auswendig.

Hinter Grüner steht ein großes Team.
Hinter Grüner steht ein großes Team.
- Andre

„Im Flachen ist er besser, in den Bergen hänge ich ihn ab.“ Die Rivalität zwischen Strasser und Grüner ist unübersehbar, der Steirer bezeichnet den Tiroler als einen seiner härtesten Konkurrenten. Das Interesse an den Vorbereitungen im gegnerischen Lager ist groß, der Respekt allerdings auch. Vor einigen Tagen lud Strasser zu einem Österreicher-Essen, das spricht für sich. Und als sich Grüner beim Race Across Austria einmal verfuhr, half ihm ausgerechnet die Strasser-Crew auf den rechten Weg zurück ...

„Wenn es wieder einmal lange dahingeht, lasse ich mir die Zeitung vorlesen.“ Für einen Extremsportler können die Tage lang werden. Dann bevorzugt Patric Grüner die Lektüre des Sportteils, während des Race Across America übernehmen das andere. Außerde­m an Bord seines Vans (8 Schlafplätze), der ihn wie zwei weitere Autos begleitet: zwei Witzebücher und Musik von AC/DC bis Bruce Springsteen.

„Ich fahre meinen Stiefel. Wenn mich zu Beginn zehn Leute überholen, ist mir das wurscht.“ Das Rennen wird nicht zu Beginn entschieden, wie Grüner weiß.