Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 20.06.2017


Regionalliga West

Hofbauers zweite Auszeit soll halten, was sie verspricht

Westligist FC Kufstein startete am Montag ohne Martin Hofbauer in die Sommervorbereitung. Der Coach braucht neuerlich eine Fußball-Pause.

© www.muehlanger.atDas Feuer brennt innerlich nicht mehr genug, um es weiter glaubhaft zu entfachen – Martin Hofbauer bläst ein zweites Mal zur Auszeit.



Von Alex Gruber

Innsbruck – Im April 2016 lief die Geschichte in der TT unter dem Titel „Mit 51 fängt Hofbauers Leben an“. Der Coach mit Haut und Haaren wollte sich eine einjährige Auszeit vom Fußball-Zirkus verordnen. Keine zwei Monate nach der Sommerpause im Unterhaus war der „Hofi“ am 18. August 2016 aber schon wieder titelträchtig zurück: „Knalleffekt in Kufstein – Hofbauer neuer Trainer“. Das Comeback gelang, er führte die Festungsstädter souverän aus der Abstiegszone und auf Platz sieben unter die Top Ten. In der Doppelfunktion als Trainer und Sportlicher Leiter.

Gelitten hat darunter wieder das Privatleben sowie der eigene Schlaf. Weswegen Hofbauer nach einigem Überlegen erneut die Reißleine zog: „Ich muss jetzt wirklich eine einjährige Pause machen. Mein Körper hat mir signalisiert, dass ich sie dringend brauche.“ An dieser Stelle führt der Tausendsassa an, dass er an die 200 Gespräche mit Spielern geführt hat. Dass es knapp 30 Absagen gab. Dass nicht wenige Spieler von heute ohne Vereinstreue und Ziele „bequemer geworden“ sind. Dass es bei anderen Klubs offenbar doch mehr Geld gebe. Dass Grödig bewusst zunächst auf Bundesliga-Fußball wie den Regionalliga-Aufstieg verzichte, um jetzt nach der Zweitliga-Reform im Sommer wieder die besten Spieler (aus Kufstein kommt Dzidziguri) abzuwerben. Oder dass er den FC Kufstein in Tirol nicht weiter in den Westen (Richtung Innsbruck) zaubern könne.

Hofbauers erneute Abschiedsrede ließ sich aber nicht mit der Brandrede des Giovanni Trapattoni vergleichen. Die Worte signalisierten vielmehr, wie man in einer Doppelfunktion und leidenschaftlicher Ausübung seiner Ämter „verbrennen“ kann.

Kufstein-Präsident Hannes Rauch hegte keinerlei Groll über den überraschenden Abschied: „Unsere Freundschaft bleibt bestehen. Er hat unsere Mannschaft in einer schwierigen Situation übernommen und wieder konsolidiert. Es war ein gutes Jahr mit dem Hofi.“

Mit Wacker-Goalie Julian Weiskopf, Angreifer Marco Hesina (Wacker), Tirol-Liga-Schützenkönig Stefan Hussl und Daniel Pensold (beide Wattens) lockte der Scheidende noch nahmhafte Verstärkungen ins Grenzlandstadion. Die neuen Spieler werden jetzt unter einer neuen Pfeife tanzen. Zum gestrigen Start in die Sommervorbereitung war Co-Trainer Jasmin Omahic gefordert. Rauch hat seine(n) Wunschkandidaten und will in Kürze einen Nachfolger präsentieren.

Hofbauer unterstrich einstweilen: „Es gibt jetzt ein Jahr in Sachen Fußball bei mir nix. Es war ein Blödsinn, wieder anzufangen. Nicht wegen dem Klub, weil der FC Kufstein eine tolle Adresse ist, sondern aus gesundheitlicher Sicht.“ Charakterstarke Typen wie einen Mathias Treichl werde er missen. Mit 52 fängt das Leben jetzt wieder neu an. Ein Eishockey-Camp der beiden Kinder Emma (12) und Max (6) will er als Familienvater in entspannter Haltung im Juli in Kärnten genießen, eventuell eine weitere Urlaubswoche noch anhängen. Ohne („quälende“) Gedanken, was er bei der Mannschaft und dem Verein noch alles auf der To-do-Liste hätte. „Meine Frau (Bettina) hat mir zur Entscheidung gratuliert, aber sie glaubt es noch nicht.“ Da wird sie sicher nicht die Einzige sein ...