Letztes Update am Mo, 09.10.2017 11:33

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Nachwuchs-Fußball

Neues Konzept für Nachwuchs: Elternzone und Verzicht auf Schiri

Die Tiroler Fußball-Meisterschaft in den Altersklassen U7 und U8 wird neuerdings als Fair-Play-Turnier ausgetragen. Dabei wird auf Schiedsrichter verzichtet und eine eigene Fanzone für Eltern eingerichtet.

© Jakob GruberDie eigen Zone für die Eltern und Fans der kleinen Kicker soll mindestens zehn Meter vom Spielfeld entfernt sein.



Von Tobias Waidhofer

Innsbruck – Die „Fair-Play-Turniere“ sind so etwas wie das Baby von Günther Ringler. Seit fünf Jahren beschäftigt sich der Nachwuchsreferent des Tiroler Fußballverbands mit dem Spielmodus, der in Deutschland bereits seit zehn Jahren Anwendung bei den jüngsten Kickern findet. „Die Fair-Play-Turniere sind ein Baustein, um gewissen Entwicklungen entgegenzuwirken“, erklärt Ringler.

Modus stützt sich auf drei Grundsätze

1. Die Fanregel: „Die Eltern stehen in einer eigenen Zone, die mindestens zehn Meter vom Spielfeld entfernt ist.“ Es gehe nicht darum, Eltern auszuschließen. Vielmehr sei ein anderer Aspekt wichtig: „Anfeuern ja, Steuern nein. Gewisse Zurufe werden so von den Kindern nicht mehr gehört.“ Eine Neuerung, die Thaurs U7-Coach Daniel Embacher begrüßt: „Das finden ich super. Die Eltern haben viel Einfluss auf die Kids, so sind sie weit genug weg.“

Mit den neuen Regeln soll die soziale und emotionele Intelligenz der jungen Fußballer gefördert werden.
- Jakob Gruber

2. Die Schiedsrichterregel: „Es gibt keinen Spielleiter. Die Kinder entscheiden selbst“, erklärt Ringler. „Das funktioniert. Kinder wollen nur eines: spielen.“

3. Die Trainerregel: „Die Trainer sollen Vorbilder sein. Und sind auch für die finale Einhaltung der Spielregeln zuständig.“ Das bedeutet für die Coachs natürlich weitere zusätzliche Arbeit.

„In der U7 ist es schwierig, ohne Schiedsrichter zu spielen“, erklärt Embacher. „Die Kinder kommen direkt aus dem Kindergarten, kennen teilweise die Regeln noch nicht.“ Für Trainer sei es da schwer, den Überblick zu wahren.

TFV-Jugendreferent Ringler bleibt aber überzeugt von dem Konzept: „Es ist erwiesen, dass so Kreativität, Mut, Spielfreude sowie die emotionale und soziale Intelligenz gestärkt werden.“ Nächster logischer Schritt sei es, bei den Kleinsten komplett auf Ergebnisse zu verzichten. Öffentlich sind sie ja jetzt schon nicht einzusehen. „Warum sollen wir sie dann überhaupt eintragen?“, fragt Ringler.

Ein guter Schritt oder doch nur pädagogischer Schwachsinn?

Pro - von Tobias Waidhofer

Es war höchste Zeit, den Eltern bei den ganz jungen Kickern einen gewissen Abstand zum Spielfeld aufzuerlegen. Die positiven Reaktionen von Trainern sprechen Bände. Plötzlich hören die Kids auf die Anweisungen des Coachs und nicht auf jene von Mama und Papa. Auf einen Schiedsrichter zu verzichten fördert früh die soziale Intelligenz. Auch wenn man sich überlegen sollte, bei den Kleinsten (U7) zumindest einen „Spielbegleiter“ einzusetzen, schließlich ist Regelkunde für einen Sechsjährigen keine Selbstverständlichkeit. Bald soll es in den Altersklassen U7 und U8 auch keine Ergebnisse mehr geben. Und das ist in diesem Alter eine gute Sache. Es geht um Kreativität, Mut und die Freude am Spiel. Die ersten Niederlagen und Siege kommen früh genug. Man könnte sogar noch weiter gehen – und die Teams durchmischen. Das wird die Vereinsbrille nicht zulassen, schön wäre es dennoch.

Contra - von Daniel Suckert

Dass Eltern einen (Sicherheits)-Abstand zum kickenden Nachwuchs halten müssen, wird jeder begrüßen, der einmal selbst Fußball-Nachwuchstrainer war. Dass die Jungkicker aber selbst über das Regulativ entscheiden, sieht der Autor dieser Zeilen mit gemischten Gefühlen. Im Tennissport macht diese Regelung Sinn, im Notfall können sich die Thiems von morgen bei einem Outball auf den Abdruck im Sand verlassen. Schreiende Eltern, die aktiv Einfluss auf den Filius nehmen wollen, gehören, im Gegensatz zum grünen Rasen, ebenso zur absoluten Ausnahme. In letzter Instanz sogar auf ein Endergebnis zu verzichten, lässt meine Wenigkeit ungläubig mit dem Kopf schütteln. Mit einem Schlag wäre das Tore schießen oder ein Sieg wertlos. Man könnte in dem Fall auch mit Freunden in den Wald gehen und mit Murmeln spielen. Das ist auch schön, aber dafür muss ich zu keinem Verein gehen.