Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 11.10.2017


Rassismus-Vorwurf im Unterhaus

Eine dritte Halbzeit, die für Aufregung sorgt

© gepaSymbolbild.



Von Tobias Waidhofer

Innsbruck – Das Tiroler Fußball-Unterhaus kommt nicht zur Ruhe. Nach den Aufregern im Nachwuchsfußball (die TT berichtete) soll es am vergangenen Dienstag beim 1. Klasse-Ost-Spiel zwischen Wörgl II und Zell am Ziller zu rassistischen Äußerungen eines Zillertaler Spielers gekommen sein.

Der betroffene Akteur soll sich laut Stellungnahme des SV Wörgl (liegt der TT vor) gleich zweimal im Ton vergriffen haben. Einmal gegenüber Spielern und einmal gegenüber einem Wörgler Funktionä­r.

Die Vorgeschichte: Im Nachholspiel der 1. Klasse Ost war Wörgl II mit einer starken Elf, bestehend aus zahlreichen Westliga-Kickern, angetreten. Das hatte schon vor dem Anpfiff für Aufregung gesorgt, weil die Zillertaler Wettbewerbsverzerrung witterten.

Dies teilten die mitgereisten Zillertaler Zuschauer nach dem Abpfiff und der knappen 0:2-Niederlage auch deutlich mit. „Ein Zuschauer hat reingerufen: Das ist zum Schämen!“, erzählte Zell-Kassier Hannes Obersteiner.

„Das waren schon mehrere. Ich sehe nicht ein, dass wir uns beschimpfen lassen müssen“, antwortet Wörgls Sportlicher Leiter Denis Husic. „Rassistische Beschimpfungen“ habe Husic „nicht gehört. Aber meine Spieler haben sie mir bestätigt. Der betroffene Spieler von Zell am Ziller ist ja auch bekannt für seine Art und Weise.“ Als die Äußerungen gefallen sein sollen, war auch Schieds­richter Martin Bär längst auf dem Weg in die Kabine.

Beim SK Zell am Ziller war man überrascht über die Anzeige. „Anscheinend geht es um einen Spieler“, erklärt Kassier Hannes Obersteiner. „Ich bin nach dem Spiel direkt beim Spielerausgang gestanden. Da ist eigentlich alles gesittet über die Bühne gegangen.“

Trotzdem: „Wenn der betroffene Spieler etwas in diese Richtung gesagt hat, dann soll er vom Verband bestraft werden. Wir als SK Zell am Ziller haben null Toleranz gegenüber Rassismus, arbeiten viel mit Flüchtlingen und haben unzählige Spieler mit Migrationshintergrund in unseren Reihen. Wir distanzieren uns ganz klar.“

Der Fall soll heute vor dem Strafsenat des Tiroler Fußballverbandes behandelt werden.