Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 18.10.2017


Football

Ein Hauch von Football-Profi

Zwischen Football und High-School: Vier Tiroler Hoffnungen genießen derzeit ihr Leben in Übersee. ?Für Raiders-Nachwuchsleiter Florian Grein wäre die Einbettung von Sport und Schule auch in Tirol wünschenswert.

© PrivatMittendrinnen im amerikanischen Campus-Leben zwischen Schulbank, Fitnessstudio und Football-Feld: Die vier Tiroler Oscar Burger, Bastian Gehrer, Thomas Aronokhale und Christoph Henle (v. l. n. r.) leben derzeit ihren Traum in den USA.Fotos: Denise K. Snyder/Burger/Gehrer/Nike Opening/Swarco Raiders



Von Daniel Suckert

Innsbruck – Für die großen sportlichen Träume muss man offenbar auch im 21. Jahrhundert noch in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten pilgern. Zumindest, wenn es um den Football geht. Vier Tiroler – Christoph Henle (Jahrgang 1998), Oscar Burger (2001), Thomas Aronokhale (2000) und Bastian Gehrer (2000) – leben derzeit in den USA. Zwischen Football und High-School. Die Finger dabei im Spiel hatte Raiders-Nachwuchsleiter Florian Grein. Der ehemalige Running Back würde sich so ein Modell auch für unsere Breitengrade wünschen.

„Thomas (Aronokhale, Anm.) und ich haben uns mittlerweile schon gut eingelebt“, beginnt der Innsbrucker Bastian Gehrer zu erklären. „Das Leben hier ist wie ein Ganztagsjob. Die meiste Zeit fängt der Tag um 5.30 Uhr im Fitnessstudio an, dann geht es in die Schule, erneut zum Training und zum Abschluss steht die Nachhilfe auf dem Programm. Um 23 Uhr liegen wir frühestens im Bett.“

Ausgefüllte Tagesabläufe sind für solche Schulen in den Vereinigten Staaten ganz normal. Meistens sind die Sportler am Campus untergebracht, einige wie der Innsbrucker Henle finden bei Gastfamilien ein neues Zuhause. Der Alltag zwischen Schulbüchern, Fitnessstudio und grünem Rasen – anstrengend, aber zugleich elektrisierend, wenn es nach Gehrer geht: „Alle Lehrer und Mitschüler kommen zu unseren Heimspielen, die Plätze sind voll und die Atmosphäre ist einzigartig.“ Da viele Lehrer sogar am Campus leben, seien die Beziehungen zu den Pädagogen sehr gut und nicht vergleichbar mit denen in der rotweißroten Heimat.

Von solchen Modellen träumt Tirols Football-Legende Florian Grein schon lange. Und arbeitet darauf hin, so etwas in der Tiroler Landeshauptstadt einmal zu realisieren. Momentan würden die Vereine der verschiedenen Sportarten aber auch die Schulen nur in den eigenen Hinterhof schauen. Es fehle der Glaube daran, dass ein solches Projekt für alle Beteiligten etwas bringen könnte. Eine „Win-win-Situation“ halten die meisten für unmöglich. Dabei gebe es Ähnliches schon: „Eine Ballsportakademie ist kein Hirngespinst, so etwas gibt es in Wien schon lange.“

So gehört es in Wien zum normalen Alltag, dass Fußballer (Austria Wien), Eishockey-Cracks (Vienna Capitals) und Footballer (Vienna Vikings) gemeinsam im Klassenraum Platz nehmen und auch auf deren Trainingseinheiten Rücksicht genommen wird. „Dass mittlerweile die U17 der Wikinger (Football, Anm.) seit Jahren die Meisterschaften gewinnt, stellt keinen Zufall dar. Genau in der Altersperiode greifen die Mechanismen der Akademie.“

Aber ebenso in Tirol gibt es mit dem Schigymnasium Stams ein über die Landesgrenzen hinaus berühmtes Modell, das als Vorbild dienen kann. Grein: „In Neustift gibt es Ähnliches, auch da wird mit den drei Säulen Schule, Internat und Skiverein Großartiges geschafft.“

In Innsbruck scheiterte das Vorhaben bisher noch an den passenden Schulen, die dem Sport den möglichen Platz und die nötige Rücksicht in Sachen Stundenplan einräumen. In naher Zukunft will Grein die Zusammenarbeit zwischen Verein und Football-Akademie in Hötting West verbessern. Auch hier besteht beim Stundenplan noch Anpassungspotenzial.

Grein arbeitet an vielen Fronten für den Sport mit dem Eierlaberl. Das hat sich bisher auch positiv ausgewirkt. Im Gegensatz zu anderen Sportarten gibt es für die Stars von morgen eine Perspektive in Übersee, seine Leidenschaft zu leben und zugleich die Schule nicht außer Acht zu lassen. Grein: „Wir helfen den Familien überall, wo es geht, damit sie die Erfüllung der Träume ihrer Kinder schaffen können.“

Die bisher aussichtsreichste Karriere hat Henle hingelegt. Der ehemalige Raiders-Spieler wird ab Jänner auf die berühmte Baylor University in Texas gehen. Dort hat, zum Beispiel, der ehemalige Leichtathletik-Superstar Michael Johnson seinen Abschluss gemacht.

Und dass es auch weiterhin keine Ausfälle beim Football-Nachwuchs gibt, stehen Grein und Co. täglich in Sieglanger auf dem Rasenviereck. Um die Augen offen zu halten für den nächsten möglichen Christoph Henle. Der so viel Ehrgeiz, Talent und Engagement mit sich bringt, dass ein Umzug in die USA Sinn macht. Oder vielleicht wird es ja eines Tages doch noch möglich, dass die heimischen Rohdiamanten nur wenige Kilometer weit fahren müssen.