Letztes Update am Mo, 30.10.2017 15:35

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Thema der Runde

Ein Manko, aber kein Handicap für Kolsass-Kicker Unterlechner

Kolsass/Weer-Kicker Lois Unterlechner nimmt seine Behinderung im wahrsten Sinne des Wortes mit links. Eine Geschichte, die Mut macht.

© www.muehlanger.atSchont weder sich noch wird er von den Gegnern geschont – in Westendorf sprang Kolsass-Flügel Lois Unterlechner wieder über die Klinge.



Von Alex Gruber

Innsbruck – Der Fußball-Herbst im Tiroler Unterhaus war mit übler Kung-Fu-Attacke (Schauplatz Reichenau) oder Rassismus-Vorwürfen (gegen einen Zell/Ziller-Kicker in Wörgl) schon rau genug. Da tut die Geschichte, die Lois Unterlechner im Dress des SV Kolsass/Weer schreibt, richtig gut.

Kolsass-Masseur Siggi Ribisl griff kürzlich zum Hörer und sagte: „Schaut einmal her, was der Junge hier leistet.“ Das Besondere daran lässt sich am linken Unterarm erkennen, der sich (von Geburt an) bis zur Hand nicht richtig entwickelt hat. Ein Manko, mit dem Lois Unterlechner kein Handicap hat. „Ich bin’s ja gewöhnt. Und es hat auch einen Vorteil: Ich muss mir die Schuhe nicht selbst binden“, lächelte der 22-jährige Mathematik-Student seine Behinderung weg. Es sei schon so normal, dass seine Kollege oft Witze erzählen und dann draufkommen, dass er sie ihnen krummnehmen könnte. Stattdessen lächelt der linke Flügel aber lieber mit. Und in Sachen Schnürsenkelbinden („Fest genug schaffe ich es nicht“) sind Mathias Schöffauer oder Christopher Ronacher die auserwählten Assistenten.

Das Spielgerät verliert Unterlechner nie aus den Augen.

Wenn Linksfuß Lois Unterlechner über sein Handicap spricht, klingt es wie die normalste Sache der Welt. Aus dem vermeintlichen Nachteil („Ich glaube, dass das oft gar nicht auffällt“) habe er im Laufe seiner fußballerischen Jugendjahre sogar einen Vorteil gemacht: „Ich habe mir manchmal den Ball mit der Hand gestoppt und die Schiedsrichter haben sich nicht zu pfeifen getraut“, schmunzelt er. Mittlerweile könne er aufgrund der neuen FIFA-Regel (zwei Hände über dem Kopf) nicht mehr zum Einwurf schreiten. Mit seiner Schnelligkeit und seinem scharfen Schuss bereitet der zweifache Saisontorschütze den Gegnern aber genügend Probleme. Und Verletzungen vergangener Tage habe er, wie sein erklärtes Vorbild Gareth Bale, ebenso abgeschüttelt.

„Für mich ist das gegenwärtig mit Kolsass/Weer ein persönliches Fußball-Hoch“, führte er nach dem 1:1-Remis in Westendorf am Nationalfeiertag aus. Nach dem bitteren Abstieg aus der Landesliga rangieren Unterlechner und Co. eine Liga tiefer im dichten Feld nach zwölf Runden auf Rang drei.

„Last but not least“ hat der Lois auch für „Vorlagengeber“ Siggi Ribisl, einst auch verlässlicher Masseur bei Zweitligist SV Wörgl, ein dickes Lob parat: „Siggi ist unser Mannschaftspsychologe.“ Schön, wenn es menschelt.