Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 07.11.2017


Exklusiv

Emotionale Kopfsache rund um Weltmeister Federspiel

Der Imst Tourismus beendet mit Jahresende das Kopfsponsoring für Daniel Federspiel. Ein neues Angebot lehnte der Sportler ab.

© Thomas Boehm / TT



Von Alexander Paschinger

Imst – Derzeit beschäftigt ein Thema die Nutzer der sozialen Netzwerke rund um die Stadt Imst: Der Imst Tourismus (TVB) steigt als Kopfsponsor von Daniel Federspiel aus. Mit Ende des Jahres braucht der zweifache Mountainbike-Eliminator-Weltmeister einen neuen Geldgeber. Und das ausgerechnet jetzt, da der Ausnahme-Athlet in China vor dem Titel-Hattrick steht.

An die Öffentlichkeit getragen hat es Federspiel selbst. Am Donnerstagabend schrieb er auf Facebook: Nach zehn Jahren Kopfsponsoring möchte ich mich bei Imst Tourismus für die langjährige und treue Unterstützung bedanken. Wir haben zusammen alles erreicht bzw. gewonnen, was es in dieser Disziplin zu gewinnen gibt. Auch in „sportlich schlechten“ Zeiten stand Imst Tourismus stets hinter mir. So weit, so gut. Doch es waren die nächsten „drei Zeilen, die er sich hätte sparen können“, so TVB-Aufsichtsratschef Josef Huber: In diesen zehn Jahren gab es auch sieben verschiedene Geschäftsführer. Durch die Philosophie des neuen Geschäftsführers bzw. des gesamten Vorstandes kann ein Kopfsponsoring wie bisher leider nicht mehr durchgeführt werden. Der Tenor der Reaktionen auf Facebook war entsprechend: Unverständnis, wie Imst diesen Werbeträger ziehen lassen könne.

Im Gespräch mit der TT meint Federspiel: „Mir wurde das per Telefon mitgeteilt, einen Gesprächstermin habe ich nicht bekommen.“ Der TVB würde nun allgemein vom Kopfsponsoring abgehen, so Federspiel, er bekam zwar ein anderes Angebot, aber mit dieser Unterstützung „kann ich gerade einmal ein Rennen finanzieren“.

Der neue Geschäftsführer des Imst Tourismus, Thomas Köhle, erklärt die Abkehr vom Kopfsponsoring so: „Wir wollen von einem Pickerl am Helm und dem damit verbundenen Fixum weggehen.“ Eine generelle Absage an Sportsponsoring will er darin aber nicht sehen: „Wir wollen im Gegenzug zu unserer Unterstützung eine Leistung für unsere Vermieter und Gäste – dafür, sagte mir Daniel, habe er aber keine Zeit“, so Köhle. Das verstehe er aber nicht, zumal Federspiel sehr wohl auch für ein Südtiroler Hotel derartige Leistungen erbringe. Mit der ehemaligen vierfachen Kletter-Weltmeisterin Angie Eiter „haben wir so eine Sponsor-Vereinbarung – sie wird etwa nächstes Jahr eine Pressereise begleiten“.

Was den verweigerten Gesprächstermin betrifft, rechtfertigt sich Köhle: „Am Freitag hatten wir Vorstandssitzung zum Budget mit 1,7 Millionen Euro an Investitionen“, und gestern Abend tagte dazu auch der Aufsichtsrat – „die Zeit war einfach zu knapp“.

Unterstützung erhält der Geschäftsführer vom Obmann des Imst Tourismus, Hannes Staggl: Federspiel habe das neue Angebot „leider nicht angenommen“, nichtsdestotrotz wünsche ihm der TVB „viel Erfolg bei der WM in China“.

Bürgermeister Stefan Weirather meint dazu: „Dass ein Sponsoring einmal enden kann, ist klar.“ Es wäre halt „der normale Weg, dass man zu einem Gespräch einlädt und mit ihm bespricht, wie es weitergehen soll“.