Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 23.12.2017


Sport in Tirol

Zwei Mädchen im Höhenflug

Gloria Posch und Lena Kleinlercher schafften es in das österreichische Cheerleading-Junioren-Nationalteam. Im März turnen die beiden um den Weltmeistertitel.

© Thomas Boehm / TTGloria Posch (l.) und Lena Kleinlercher sind perfekt aufeinander abgestimmt. Und: außerordentlich elastisch.



Von Kathrin Siller

Innsbruck – Uuuund hopp! Auf dieses Kommando schnellen Gloria und Lena wie zwei Flummis in die Luft. Die langen Haare fliegen Richtung Decke, die Beine werden zum Spagat gegrätscht, die Fäuste geballt, das Lächeln sitzt wie ein Einser. Der Fotograf nickt zufrieden, so schnell ist selten ein Action-Bild im Kasten. Für solche Sprünge wärmen sich Gloria Posch (seit heute 14) und Lena Kleinlercher (16) gar nicht mehr groß auf.

Die jungen Hüpfer spielen im österreichischen Cheerleading-Sport nämlich ganz vorne mit: Ende November erfuhren die Schülerinnen, dass sie die einzigen Tirolerinnen sind, die es ins 30-köpfige österreichische Cheerleading-Junioren-Nationalteam geschafft haben und Ende April zur WM nach Orlando/USA fahren. Als die zwei „Tyrolean Angels“ (so der Name ihres Vereins) die WhatsApp-Frohbotschaft bekamen, waren sie komplett aus dem Häusl. „Ich musste zweimal schauen, ob da wirklich Lena steht“, erinnert sich die Götznerin.

Lena ist ein „Back“, also eines jener Mädchen, die die „Flyer“ stützt und in die Höhe wirft. Gloria, die Kleinere der beiden, macht als „Flyer“ die Luftsprünge. Sie wird während der dreiminütigen Programme x-mal nach oben katapultiert und nach ihren Kunststückerln wieder aufgefangen. Meistens zumindest.

„Natürlich bin ich auch schon runtergefallen. Da gibt’s dann halt einen Blauen. Trauen muss ich mich schon einiges“, zuckt die Absamerin mit den Schultern.

Mit dem hohen Verletzungsrisiko haben sich die beiden abgefunden. „Ich hatte bereits einen Nasenbruch und auch die Kniescheibe hüpft immer wieder raus, wenn ich mich falsch hinstelle. Die geht aber von selbst wieder rein“, zeigt sich Lena abgebrüht.

Ohne Vertrauen in das Team wäre an Heben, Werfen und Springen sowieso nicht zu denken. „Wenn eine Person beim Training fehlt, bremst das alle. Fällt sie zwei Wochen aus, müssen wir bestimmte Passagen streichen. Wir verlieren zusammen und wir gewinnen zusammen“, bringt es Gloria auf den Punkt

Und bei der WM in Orlando? Sei ein Podestplatz überhaupt realistisch? „Klar“, ist Lena überzeugt. „Ich möchte eine Medaille gewinnen.“ Für Gloria ist bereits die WM ein Traum, der in Erfüllung geht.

Vor einigen Jahren war an derartige Wettkämpfe noch nicht zu denken. „Mit neun Jahren habe ich mit dem Cheerleading begonnen, nachdem ich meiner Cousine in Wien dabei zugeschaut habe. Früher war das allerdings anders, leichter, weniger akrobatisch. Heute muss man schon einen Standsalto können, um ins Team Austria zu kommen“, sagt Gloria. Lena begann als Cheerdancerin, wechselte mit zehn Jahren nach Auflösung ihres Vereins zu den Cheerleaderinnen.

Die „Beförderung“ ins Team Austria ist für die beiden und ihre Eltern auch eine logistische Herausforderung. Momentan fahren sie alle zwei Wochen zum Training nach Wien, ab März jede Woche.

Ob dieses Pensum zu einer WM-Medaille führt, sei auch Glückssache. „Es gibt fast keine Teams, wo gar alles klappt“, wissen die Mädchen. Zu wackeln, bedeute zwar nicht automatisch einen Punkteabzug, wird der „Flyer“ allerdings zu weit unten gefangen, gibt’s ein fettes Minus.

Noch einmal werfen sich die Mädels in Pose: Sie greifen ihren Fuß und ziehen ihn zur Decke, der Rücken durchgebogen. Auf ihren T-Shirts steht: „Don’t practice until you get it right. Practice until you can’t get it wrong“ („Übe nicht, bis du es kannst, übe, bis du es nicht mehr falsch machen kannst“). „Unser Motto“, grinsen die beiden.

Taugt es denn auch für die Zukunft? Leben kann man von dem Sport hierzulande ja nicht. „Ich mache weiter, möchte irgendwann jüngere Mädels trainieren und die Lust am Sport weitergeben“, wird Gloria konkret. Auch Lena redet nicht lange um den heißen Brei herum: „Wenn ich nicht in die USA auswandere, werde ich Polizistin.“ Mit diesem Ehrgeiz kann wohl nicht mehr viel schiefgehen.