Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 02.01.2018


Football

Der Sprung in eine andere Football-Welt

Für den Tiroler Christoph Henle startet mit dem College in Texas eine vierjährige Ausbildung, bei der am Ende die Profiliga NFL stehen könnte.

© Melissa TriebwasserAuf der High School war Tirols Football-Export Christoph Henle (r.) nur schwer zu stoppen. Jetzt wartet das College.



Von Daniel Suckert

Innsbruck – Der Wecker läutet um sechs Uhr morgens. Dann geht es 90 Minuten in den Fitnessraum, frühstücken, zwei Stunden Unterricht, Mittagessen, erneut Unterricht, zwei Stunden Football-Training, Abendessen, Hausübungen machen, um 20 Uhr noch einmal schwitzen und von 21 bis 23 Uhr lernen. Tagesabläufe wie diese sind für Christoph Henle ganz normaler Alltag. Und das ist auch gut so, wie der 1998 geborene Tiroler bestätigt, der mit seinem Wechsel an die Baylor University (Texas) die besten Chancen auf die Profiliga NFL hat. Nur wer große Entbehrungen in Kauf nimmt, kann vom großen Wurf träumen.

Gut gelaunt präsentierte sich Henle in Innsbruck.
- Thomas Boehm / TT

„Coach Florian Grein hat mich damals gefragt, ob ich gerne eine Football-Chance in den USA erhalten möchte“, holt Henle bei seinem weihnachtlichen Heimatbesuch aus. Und die ehemalige Raiders-Stütze musste nicht lange überlegen. Heimweh war ihm so und so fremd. „Meine Eltern haben sehr oft Urlaub in den USA gemacht. Es war für mich kein fremdes Land.“

Seit drei Jahren genießt er seinen Aufenthalt in Übersee. Mittlerweile sieht der ehemalige Grein-Schützling sein­e Zukunft im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Auf dem Baylor College wird Henle vor 60.000 Zuschauern (!) spielen. Henle: „Ehrlich gesagt – das macht mich jetzt schon wenig nervös.“

Aber der Angreifer hat eine Vision. Nach den kommenden vier Jahren soll sich der Traum der NFL verwirklichen. Kein leichtes Unterfangen. Der Preis ist hoch, „aber wenn du es schaffst, sind alle Entbehrungen gerechtfertigt. Ich will der erste Raider in der NFL sein.“

Und wenn das nicht klappt? „Habe ich einen Plan B“, wie Henle versichert. „Die wirtschaftliche Ausbildung, die ich in Baylor bekomme, ist ausgezeichnet. Ich kenne die USA wie auch Europa – das ist mein Vorteil.“

Zunächst wird aber noch dem Ziel NFL alles untergeordnet. Mit viel Disziplin. Und ohne Partys. Ganz anders, als in Hollywood-Filmen à la „American Pie“ gezeigt wird. „Als Football-Spieler in Texas bist du eine große Nummer, aber Teil einer noch größeren Mannschaft. Darum fällt jede negative Nachricht auf das Team oder das College zurück. Das wird dir von Anfang an klar gemacht.“

Ansagen, die Henle mehr als beherzigt. Und auch sonst sieht Entdecker Grein die nötigen Voraussetzungen in Henles Repertoire. „Seine Physis und sein Ehrgeiz sprechen für ihn“, erklärte der Nachwuchschef der Swarco Raiders. „Er bringt alles mit, was man dazu braucht.“ Trotzdem gebe es natürlich genügend Typen wie Henle. Und der Großteil der Athleten bleibt dabei leider auf der Strecke.

Vom Scheitern will Henle vorerst aber nichts wissen. Er genießt das texanische Umfeld und das Leben über dem großen Teich. Mit den Menschen im Süden kann der Tiroler Footballer gut. Die Texaner seien ein sehr stolzes Volk und ließen sich nicht gerne etwas sagen. „Trotzdem sind sie sehr liebenswert“, unterstreicht er. Henle und die USA – diese Beziehung scheint Liebe auf den ersten Blick zu sein. Mit und ohne Football-Helm.




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