Letztes Update am Fr, 26.01.2018 08:57

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tiroler Schulsport

Sport dient auch als Schule für das Leben

Der gesunde Körper als Basis für einen gesunden Geist. Für Tirols Sportmittelschulen sind das keine Worthülsen – ein Gespräch mit Koordinator Peter Georg Hauser.

Vielseitigkeit steht nicht nur in der Sportmittelschule in Schwaz im Mittelpunkt. Beim dortigen Tag der offenen Tür gab es etwa spektakuläre Sprungrollen zu sehen.

© SMS SchwazVielseitigkeit steht nicht nur in der Sportmittelschule in Schwaz im Mittelpunkt. Beim dortigen Tag der offenen Tür gab es etwa spektakuläre Sprungrollen zu sehen.



Innsbruck — In den kommenden Tagen geht es für viele Tiroler Kinder wieder darum, nach der Volksschule die richtige Schulform für ihre weitere Laufbahn zu finden. Keine leichte Entscheidung. Die TT bat dazu den Koordinator der Sportmittelschulen in Tirol, den Reuttener Peter Georg Hauser (60), zum Gespräch.

Warum soll man aus Ihrer Sicht ein Kind in eine der zehn Tiroler Sportmittelschulen schicken?

Hauser: Ich sage aus tiefster Überzeugung: Es gibt nichts Lässigeres, als eine Sportmittelschule zu besuchen. Das sage ich vor allem jenen, die diese Schulform nicht kennen. Der Sport formt einen jungen Menschen. Man lernt mit Erfolgen, aber vor allem auch Misserfolgen entsprechend umzugehen, lernt, durchzubeißen. Das betrifft parallel dazu auch die Schule und dann wiederum das Leben danach. Ziele werden gesetzt und diese dann auch verfolgt. Dass jemand aus einer Tiroler NMS-Sportklasse aussteigt, liegt außerdem auch im Promillebereich.

Viele Eltern liebäugeln dennoch mit Gymnasien.

Der Sportunterricht an den Sportschulen ist vielfältig: vom Tanzen …
Der Sportunterricht an den Sportschulen ist vielfältig: vom Tanzen …
- LSRT

Hauser: Heute haben wir vor allem im urbanen Raum das Problem, dass Eltern oft schon vor der Volksschulzeit einen bestimmten Schultyp im Kopf haben und dieser Weg dann durchgezogen wird. Ich habe in meinen fast 40 Jahren als Lehrer einige gesehen, denen es mit dieser Vorbestimmung nicht gut ging. Alle Wege stehen auch nach einer Mittelschule offen, 60 Prozent der Maturanten kommen aus dieser Form. Mein Anliegen ist, dass man einem an Sport interessierten jungen Menschen die Chance gibt, sich entsprechend zu entwickeln.

Was ist der Hauptunterschied zu anderen Schulformen — bei einem Blick auf die Stundentafel?

Hauser: Auf dem Plan stehen sechs bis acht Sportstunden pro Woche. Das ergibt eine höhere Stundenanzahl. Manche haben deshalb Vorbehalte, dies könnte zu anstrengend werden. Ich sage: Wenn jemand gerne Sport macht, dann ist das auch keine Belastung für ihn. Vorab braucht es aber eine Eignungsüberprüfung und sportmedizinische Untersuchung.

… bis hin zu den Klassikern wie Laufen.
… bis hin zu den Klassikern wie Laufen.
- LSRT

Es gibt in allen Bezirken Tirols eine solche Schulform, außer in Landeck. Warum?

Hauser: Als 1988 in Absam die erste Sporthauptschule Tirols von Hans Köhle initiiert wurde, war das Ziel, diese Schulform in jedem Bezirk anzubieten. Heute sind wir fast so weit. Der Aufwand am Anfang ist riesig und bedarf des Einsatzes vieler. Am Engagement der Lehrer scheiterte es bislang aber nicht. Zudem ist die Sprengelordnung gefallen. Man ist also bei der Schulwahl nicht mehr an einen Ort gebunden.

Als ehemaliger Co-Trainer der Nordischen ÖSV-Kombinierer ziehen Sie vermutlich auch sportlich Bilanz?

Hauser: Ja (lacht), 365 Tiroler Meister- und Vizemeister-Titel, 117 Staatsmeister und Vizemeister, 27 EM-, 34 WM- und zwölf Olympia-Medaillen haben Tirols ehemalige Sportmittelschüler bis 2016 geholt — die Neustifter Erfolge sind da noch gar nicht dabei.

Das Gespräch führte Sabine Hochschwarzer

Sportmittelschulen in Tirol — eine Übersicht

  • Sportmittelschule Absam: Die erste Tiroler Sportmittelschule ist multisportiv ausgerichtet und baut auf eine breite Grundausbildung. Besonders stolz ist die SMS Absam auf Olympiasieger, die aus ihr hervorgegangen sind. Kontakt: direktion@nms-absam.tsn.at
  • Sportmittelschule Reichenau: Die SMS Reichenau ist eine von zwei Sportmittelschulen Innsbrucks. Sie hat den Schwerpunkt Fußball und wird inzwischen als Kooperationsschule des Tiroler Fußballverbandes geführt. Kontakt: direktion@nms-reichenau.tsn.at
  • Sportmittelschule Hötting West: Seit einigen Jahren läuft die SMS Hötting West in der Tiroler Landeshauptstadt mit großem Erfolg als American Football- und Cheerleading Academy und erfreut sich großer Beliebtheit. Kontakt: direktion@hoettingwest.tsn.at
  • Sportmittelschule Imst: Die Entwicklung der österreichischen Sportkletterszene ging von engagierten Lehrern der SMS Imst aus. Nicht nur, dass mittlerweile fast jede Tiroler Schule und Gemeinde eine Kletterwand vorzuweisen hat, hat sich Sportklettern auch längst als Schulsport in ganz Österreich etabliert. Österreichs Kletterer mischen in der Weltelite mit und im September 2019 wird die WM im neuen Zentrum in Innsbruck ausgetragen. Kein Wunder, dass sich die SMS Imst diesen Schwerpunkt auf die Fahnen geheftet hat. Kontakt: direktion@sportnms-imst.tsn.at
  • Sportmittelschule Kitzbühel: Wo, wenn nicht in der Gamsstadt, hat eine Sportmittelschule ihre Berechtigung? Der Skisport ist neben Fußball, Leichtathletik und Orientierungslauf aber nur einer von mehreren Schwerpunkten. Kontakt: direktion@nms-kitzbuehel.tsn.at
  • Sportmittelschule Wörgl: Die einzige Sportmittelschule mit zwei Klassenzügen. Der Fußballzweig ist über Tirol hinaus ein Markenzeichen der Stadt Wörgl. Aber auch in Volleyball gehört die Schule zu Österreichs besten. Kontakt: direktion@nms-woergl1.tsn.at
  • Sportmittelschule Königsweg Reutte: Die SMS Königsweg Reutte ist die zentrale Sporteinrichtung im Außerfern. Von ihr gehen besonders auf den Sport in den Volksschulen des Bezirkes große Impulse aus. Legendär sind die Völkerballturniere, die die SMS Königsweg für die Volksschulen des Bezirks veranstaltet. Kontakt: direktion@nmsk.tsn.at
  • Sportmittelschule Lienz: Die SMS Lienz kann als Unterstufe des Sportborg Lienz gesehen werden. Die Schüler erhalten hier im Bezirk Osttirol eine solide schulische und sportliche Grundausbildung, die sie auch auf den Besuch einer höheren Schule vorbereitet. Kontakt: direktion@nms-egger-lienz.tsn.at
  • Sportmittelschule Schwaz: Multisportivität ist auch in der traditionellen Tiroler Handballhochburg in Schwaz gefragt. Leider kann die Schule in der Silberstadt aufgrund des großen Andrangs nicht alle Interessenten aufnehmen. Kontakt: direktion@nms-schwaz2.tsn.at
  • Skimittelschule Neustift: Die Kaderschmiede des Tiroler Skirennsports. Nicht jeder Sportler schafft es bis ganz an die Weltspitze, deshalb wird im Stubaital unter größtmöglicher Rücksichtnahme auf die sportliche Belastung ebenfalls besonderer Wert auf eine fundierte Schulausbildung gelegt. Kontakt: direktion@nms-neustift.tsn.at