Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 09.02.2018


Bezirk Kitzbühel

Koasalauf in St. Johann: Wie die Geschichte ihren Lauf nahm

Der 46. Koasalauf an diesem Wochenende in St. Johann gehört zu den größten Volkslangläufen Österreichs. Organisationschef Sigi Joast erinnert sich an die Anfänge.

© Tvb st. JohannAm 11. Februar 1973 fiel der Startschuss für den ersten Koasalauf.



Von Miriam Hotter

St. Johann i. T. – 11. Februar 1973. In der ganzen Saison hatte es in der Region St. Johann nie so heftig geschneit wie an diesem Tag. Trotzdem waren rund 1100 Langläufer zum ersten Koasalauf gekommen, um auf ihren schmalen Hölzern eine Distanz von 72 oder 38 km von Kitzbühel über Kössen bis nach St. Johann zu bewältigen. In einer Zeit von 5 Stunden 34 Minuten und 16 Sekunden konnte der Lokalmatador aus St. Johann, Heinrich Wallner, den Bewerb über 72 km für sich entscheiden.

„Damals durften sich für die 72 km lange Strecke nur männliche Athleten anmelden“, erzählt Koasalauf-Präsident und Organisator Sigi Joast. Heute müssen nicht nur kürzere Strecken (50 und 30 km) zurückgelegt werden, sondern es nehmen auch Frauen am Bewerb teil – eine überschaubare Gruppe bleiben sie dennoch. „Der Frauenanteil beträgt durchschnittlich zwischen 12 und 14 Prozent“, weiß der St. Johanner.

Insgesamt rechnet Joast heuer mit knapp 2000 Teilnehmern aus 23 Nationen, darunter Russland, Australien und die USA. Die heurigen Schneeverhältnisse seien optimal, einer reibungslosen Durchführung stehe deshalb nichts im Weg. Das war nicht immer so. In den Jahren 1998 und 2007 musste der Koasalauf wegen zu wenig Schnee abgesagt werden.

In manchen Jahren kratzten Joast und sein Team aber gerade noch einmal die Kurve. „Einmal, da hatte es minus 23 Grad. Eigentlich darf man einen Volkslauf ab minus 20 Grad nicht mehr durchführen“, sagt Joast. Ein FIS-Delegierter musste damals die Entscheidung treffen, ob der Lauf stattfindet oder nicht. „Der Mann kam aus Russland und er meinte, dass es ja gar nicht so kalt ist“, erzählt Joast lachend.

Es sind Momente wie diese, die dem 79-Jährigen immer in Erinnerung bleiben werden. Ebenso nie vergessen bleibt ein norwegischer Langläufer, der 2005 beim Koasalauf mitmachte. „Es hat richtig viel geschneit und die Loipe war in keinem guten Zustand“, sagt Joast. Der norwegische Läufer nahm zwei Wochen später an der Nordischen WM im deutschen Oberstdorf teil, wo ähnliche Bedingungen herrschten – der Norweger wurde Zweiter. Sein Name: Anders Aukland (Olympiasieger in der Staffel). „Er hat sich schriftlich bei uns bedankt, weil er wegen der Loipe beim Koasalauf die WM gewinnen konnte. Das hat er zumindest gesagt“, erzählt Joast.

An diesem Wochenende stehen die Chancen gut, dass kein Schnee vom Himmel fällt und die Athleten eine gut präparierte Loipe vorfinden. Dafür sorgen auch das Bundesheer und die vielen freiwilligen Helfer, rund 300 werden es am Samstag und Sonntag sein. „Ohne sie würde es nicht gehen“, ist Joast überzeugt.

Die Langläufer kamen sich dabei schon einmal in die Quere.
- Tvb st. Johann

Programm für den Koasalauf

Heute um 13 Uhr besteht beim Koasastadion die Möglichkeit, neue Langlaufmodelle zu testen, zudem sind Langlauftrainer vor Ort und man kann seine Langlaufski wachsen. Ab 14.00 Uhr: Startnummernausgabe und Nachmeldung.

Der Samstag steht ganz im Zeichen der klassischen Langlaufbewerbe, 28 und 50 km. Startzeit: 9.30 Uhr. Siegerehrung: 15 Uhr.

Der Super-Mini-Lauf (Jahrgang 2011 und jünger) über 800 Meter findet ebenfalls am Samstag statt, Start ist um 13.30 Uhr. Es gibt auch ein Kinder-Programm. Der Mini-Koasalauf (Jahrgänge 2003 bis 2010) über zwei bis vier km beginnt um 14 Uhr, Siegerehrung startet um 15.45 Uhr. Beim K-8-Bewerb kann die acht Kilometer lange Strecke klassisch (Samstag, 9.30 Uhr letzte Startgruppe) oder im Skating-Stil (Sonntag, 10.03 Uhr letzte Startgruppe ) zurückgelegt werden.

Am Sonntag finden die Skating-Bewerbe über 50 und 28 km statt. Start für Elite ist um 10 Uhr, die Volkslangläufer starten drei Minuten später. Siegerehrung: 15 Uhr (50 km) bzw. 14.30 Uhr (28 km).

Start und Ziel für alle Disziplinen: Koasastadion St. Johann.