Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 17.04.2018


Klettern

Nichts geht über Omas Knödel

Gestatten: Lettner, Sandra Lettner. Die 16-jährige Salzburgerin mit oberösterreichischen Kletterwurzeln will von Innsbruck aus die Steilwände erobern. Die Route stimmt, wie ihre grandiose Weltcuppremiere unterstrich.

© Heiko WilhelmSandra Lettner beeindruckte bei ihrem Weltcupdebüt als Vierte.



Von Max Ischia

Innsbruck – Der Platz von Sandra Lettner in der 7s1 des Innsbrucker Sport-BORG war am Montagmorgen verwaist geblieben. Nicht etwa als Belohnung für den vierten Platz bei ihrer Boulder-Weltcup- premiere am Wochenende in Meiringen (SUI). Vielmehr hatte die 16-Jährige ihren allmonatlichen Zahnspangen-Termin beim Kieferorthopäden in ihrer Heimat Straßwalchen. Dem Kieferorthopäden ist sie treu geblieben, der Marktgemeinde im Grenzgebiet von Salzburg und Oberösterreich hat sie schon vor zweieinhalb Jahren den Rücken gekehrt. Schweren Herzens, aber doch. Als 14-Jährige übersiedelte sie nach Innsbruck, ihrer großen Leidenschaft wegen: dem Klettern. Im Wissen, dass in der Tiroler Landeshauptstadt eine der modernsten Kletteranlagen Europas im Entstehen ist und das Bundesleistungszentrum beste Trainingsbedingungen garantiert. Zu Hause war der Teenager zum Pendeln gezwungen gewesen. „Zumeist habe ich in Vöcklabruck trainiert. Aber auch in Salzburg, Linz und in einer aufgelassenen Schwimmhalle in Ampflwang.“

Aller Anfang war also beschwerlich. Das galt ganz besonders für die erste Zeit in ihrer nunmehrigen Wahlheimat Innsbruck. „In den ersten Monaten hatte ich richtig Heimweh. Ich habe bis auf zwei Mitschüler niemanden gekannt. Und das Leben im Internat war auch nicht meins.“ Seit vergangenem Sommer ist vieles anders. Lettner zog mit Kletterkollegin Laura Stöckler in eine kleine Wohnung in der Innsbrucker Sillgasse. „Wir verstehen uns echt gut“, lacht Sandra und wann immer es die Zeit erlaubt, schwingt das Kletterduo den Kochlöffel. „Aber das ist gar nicht so oft, weil Laura studiert und doch einen anderen Lebensrhythmus hat.“ Wenn die beiden Ladys aber hinter dem Herd stehen, wird freestylemäßig gewerkt, wie die Musikliebhaberin („Pink ist meine Favoritin“) lächelnd anmerkt. „Erst einmal schauen wir, was der Kühlschrank hergibt. Und dann wird experimentiert – Rezeptkocher sind wir keine. Aber es schmeckt meistens ganz gut.“ Kein Vergleich freilich, wenn Oma Maria auftischt. „Nichts geht über Omas Knödel“, sagt Lettner und meint damit ganz besonders die „zamg’legten Knödel“. Ein typisches Flachgauer Gericht, wie im Internet nachzulesen ist. Zutaten sind unter anderem Mehl, Wasser, Grieß, Sauerkraut, Kartoffeln.

Apropos Kartoffel. Wo andere auf die Wirkung von Stoffschweinen oder Vierklee vertrauen, verspricht im Hause Lettner der Erdapfel Glück. „Ich weiß auch nicht, wie das entstanden ist. Aber wenn ich klettere, hat die Mama immer eine Kartoffel dabei.“ Wenn am Wochenende in Moskau der zweite Boulder-Weltcup ansteht, ist Lettner übrigens nicht am Start. Sie soll nicht verheizt werden. Moskau wartet dann im August – anlässlich der Junioren-WM.