Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 19.04.2018


Voltigieren

Mama Monika weckt neuen Ehrgeiz bei Voltigier-Duo

Nach Lukas Wachas schwerer Verletzung stehen er und Jasmin Lindner vor dem Comeback. Gold bei Weltreiterspielen soll Karriereende krönen.

© frankErklärten ihren Rücktritt vom Rücktritt: Erfolgs-Pas-de-deux Jasmin Lindner und Lukas Wacha mit Pferd Dr. Doolittle. Das Duo will Karriere mit einem Lachen und nicht mit der Erinnerung an Schmerzen beenden.



Von Susann Frank

Pill – „So kann man nicht aufhören!“ Das erfolgreiche Voltigier-Paar Jasmin Lindner und Lukas Wacha war sich einig. Und das kurz nachdem die mehrfachen Pas-de-deux-Welt-und Europameister aufgrund der schweren Fußverletzung von Wacha eigentlich beschlossen hatten, die Voltigierschuhe an den Nagel zu hängen. Wenigstens einmal wollten sie ihre nie komplett gezeigte Kür vorführen. Die aufwändig einstudierte Kür für die Heim-EM 2017, zu der sie durch den Unfall im Training im Juli 2017 nicht antreten konnten.

Ein Telefonat mit Wachas Mama Monika veränderte jedoch alles. Aus der einmaligen Show-Vorführung entwickelte sich ein großes und keinesfalls leicht zu bewältigendes Vorhaben. „Mama meinte, dass die Weltreiterspiele im September 2018 in Amerika sind und das unser großes Finale sein soll“, erzählt Wacha. Obwohl er und Freundin Jasmin schnell ihrer Meinung waren, stand ein dickes Fragezeichen hinter dem Projekt: Wachas linker Fuß.

Drei Stifte steckten dort zur Stabilisierung nach der schwer zu operierenden Verletzung (zweiter bis vierter Mittelfußknochen Luxationsfraktur, fünfter gebrochen) und die behandelnde Ärztin konnte Wacha noch nicht einmal zusichern, jemals wieder normal laufen zu können. Von Spitzensport wollte zunächst gar keiner reden.

Doch der unbändige Ehrgeiz des praktizierenden Physiotherapeuten Wacha war mit dem neuen Ziel vor Augen wieder voll geweckt. Er verhalf bald nach der Operation nicht nur seinen Patienten wieder auf die Füße, sondern auch sich selbst durch diszipliniertes Reha-Training.

Nicht einmal ganze vier Monate später absolvierten der 30-Jährige und die 23-Jährige ihr erstes gemeinsames Training. Auf einem Holzpferd. Verhalten. Als sie auf Wallac­h „Dr. Doolittle“ wechselten, bremste Longenführer Klaus Haidacher anfangs das vor Tatendrang schäumende Tiroler Erfolgs-Duo ein.

„Aber ich wusste, ich werd­e erst meinen persönlichen Seelenfrieden haben, wenn ich auf dem Pferd die Übung geturnt habe, bei der ich mich verletzt hatte“, erinnert sich Wacha. Im Februar war es so weit: vom Handstand auf dem Pferd kurz abgeschwungen und mit kurzer Bodenberührung zurück in den Handstand. Der Fuß hielt der Auf- und Absprungbewegung stand und Wacha konnte endlich wieder seine eigentliche Lieblingsübung ohne Vorbehalt­e ausführen. „Zeitweise läuft es im Training schon so gut, dass Klaus gefragt hat, was wir eigentlich noch bis zu den Weltreiterspielen trainieren wollen“, scherzt Lindner.

Denn die beiden trainieren viel für den großen Traum, noch einmal Gold zu gewinnen. Freizeit ist für das gemeinsam in Fiecht wohnende Pärchen ein Fremdwort neben der Arbeit (Wacha) und dem Studium (Lindner).

„Ein gemütliches Am-See-Sitzen gibt es nicht“, sagt der Schwazer Wacha, die Fügenerin Lindner fügt hinzu: „Es taugt uns ja auch.“ Mitte Mai wollen sie beim Cup in Igls ihr Turnier-Comeback geben. Wenn dann alle wieder fit sind: Lindner humpelt leicht wegen einer Fersenprellung und Pferd Doolittle ist noch nicht einsatzbereit. Wegen einer Sehnenverletzung muss der Wallach pausieren.

Ganz rund sei es bei ihnen ja nie gelaufen, bemerken Wacha/Lindner. Trotz vieler Schwierigkeiten (wie Verletzungen, Pferdesuche im Ausland) und wenig finanzieller Mittel sprechen sie von traumhaften fünf Turnier-Jahren (2012–16), die sie mit einem sechsten zum krönenden Abschluss bringen wollen.