Letztes Update am Do, 26.04.2018 09:16

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Ringen

Ringer gehen auf Beutezug am Kaspischen Meer

Die Inzinger Michael Wagner und Daniel Gastl starten bei der Ringer-Europameisterschaft in Kaspijsk (RUS) mit breiter Brust.

© Österreichs Ringer-Hofnungen: Amer Hrustanovic, Daniel Gastl und Michael Wagner.



Von Benjamin Kiechl

Innsbruck – Michael Wagner spannt seine Muskeln an. Der Inzinger Ringer zeigt gern­e, was er hat, und mit ihm an der Seite muss man sich in Kaspijsk sicherlich nicht fürchten. Die Stadt (100.000 Einwohner) in der Republik Dagestan im äußersten Süden Russlands ist ein mitunter gefährliches Pflaster und geriet im Tschetschenienkrieg in die Schlagzeilen. Die Stadt am Kaspischen Meer hat aber auch viele Ringer-Größen hervorgebracht.

Bei der Ringer-Europameisterschaft (ab 30. April) will Michael Wagner gemeinsam mit Daniel Gastl und Martina Kuenz auf Beutezug gehen. Ungeachtet der Gefahren. „Man soll sich ja hoh­e Ziele stecken!“, sagt er. Mit Bronz­e beim Weltcup in Tallinn (EST) stimmte sich der Polizeisportler perfekt auf das Saisonhighlight ein. In der derzeitigen Form ist Wagner der Tiroler Medaillenfavorit Nummer eins.

„Es war ein geiler Kampf in Tallinn, daran könnte ich mich gewöhnen“, erzählt der 25-Jährige mit einem Lächeln. Im Bronzekampf hatte er sich gegen Ramazan Abarachamov (RUS), Weltmeister 2016 und Sieger des weltweit stärksten Greco-Turniers in Moskau, durchgesetzt. Mit 5:5 siegte der Tiroler durch die letzte Wertung und holte sich überglücklich die Bronzemedaille. In der ungewohnten Gewichtsklasse bis 82 kg (statt 80 kg) will sich Wagner am 1. Mai selbst belohnen und sein bestes EM-Ergebnis (Platz 10) sowie WM-Platz acht unterbieten.

Für den Inzinger Ringer-Obmann Klaus Draxl ist Wagner nicht der einzige Kandidat für eine Medaille. Auch mit Daniel Gastl (bis 97 kg) sei zu rechnen. „Wenn Dani seine Leistung abrufen kann und einen starken Tag erwischt, ist er absolut reif dafür.“ Nach einer enttäuschenden WM im Vorjahr hofft der Deutschland-Legionär (TSV Westendorf) auf ein Erfolgserlebnis.

Die Dritte im Bundes ist Martina Kuenz (bis 68 kg). Die Zirlerin greift nach einer Weltreise-verdächtigen Vorbereitung (u. a. Kuba, Japan) in Russland an. Ihre Gegnerinnen sind gewarnt: Kuenz kratzte als WM-Fünfte schon an einer Medaille. „Und sie hat sich taktisch nochmal weiterentwickelt“, schürt Draxl die EM-Euphorie.