Letztes Update am Mo, 14.05.2018 12:00

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Thema der Runde

Harter Dreikampf um den Titel: „Wollten Aufstieg erzwingen“

Spaziergang ist die 1. Klasse keiner, trotz zahlreicher Regionalliga-Kicker hat Wörgl II die schlechtesten Karten im Kampf um den Aufstieg. Schlitters und Zell/Ziller sind voll auf Kurs Richtung Bezirksliga.

© www.muehlanger.atZell/Ziller-Trainer Helmut Kraft blickt Richtung Aufstieg in die Bezirksliga. Im Zillertal fühlt sich der ehemalige Wacker-Trainer wohl.



Von Manuel Lutz

Wörgl – Sie ist kein Selbstläufer, die 1. Klasse. Selbst dann nicht, wenn Woche für Woche gestandene Regionalliga-Kicker das eigene Team verstärken. Das musste zuletzt auch der SV Wörgl feststellen. Das erklärte Ziel von Denis Husic, Sportlicher Leiter der Unterländer, war eigentlich der Aufstieg in die Bezirksliga. Um das Vorhaben umzusetzen, schickte Husic für die letzten beiden Partien nun noch mehr namhafte Verstärkungen zu seiner vermeintlichen „B-Elf“ – jedoch ohne Erfolg. Mit zwei Unentschieden blieb die Ausbeute mager, Wörgl-II-Coach Christoph Hofer fand klare Worte: „Auch mit sieben Spielern von oben war es kein großer Unterschied. Man hat nicht gesehen, dass es sich um Regionalliga-Spieler handelt.“

Die beiden Konkurrenten erledigten hingegen ihre Hausaufgaben: Tabellenführer Schlitters siegte in Stans mit 3:2, Zell/Ziller fertigte Absam II mit 6:0 ab. Vier Punkte fehlen den Wörglern aktuell auf einen Aufstiegsrang. Auch wenn in der nächsten Runde die zweitplatzierten Zell/Ziller den Leader empfangen und sich die beiden Teams gegenseitig Punkte wegnehmen, glaubt Wörgl-II-Coach Christoph Hofer nicht mehr daran: „Es wäre eine Überraschung, wenn wir das noch schaffen. Wir wollten es erzwingen. Nun müssen wir akzeptieren, dass es nicht gegangen ist.“

Von einem sicheren Aufstieg will Zell/Ziller-Coach Helmut Kraft hingegen noch nichts wissen: „Es wird schwer, da wir Schlitters noch vor uns haben. Wenn wir das Spiel gewinnen, können wir die Weichen stellen. Umfaller dürfen wir uns keinen leisten, die Wörgler sind noch voll im Rennen.“ Die Spieler-Rochade von Husic kann der ehemalige Wacker-Coach verstehen: „Es ist aus Sicht der Wörgler richtig und legitim. Ich würde das wohl auch machen. Die Regelung des Verbands ist jedoch absurd. Für einen kleinen Verein ist es ein Bärendienst, wenn man in der ersten Klasse gegen sieben Regionalliga-Kicker spielen muss. Da sollte man sich etwas überlegen.“

Dass jedoch genau das Wörgl zum Verhängnis werden könnte, ist zum Schmunzeln – für Coach Christoph Hofer ist klar: „Viele geben einfach nicht Vollgas. Die spielen halt, weil sie müssen. Die Regionalliga ist wie eine Freundschaftsspiel-Liga: Da steigt fast keiner ab und auch keiner auf. Ich hab auch das Gefühl, die schauen, dass sich keiner wehtut. In der ersten Klasse geht’s anders zu. Gegen uns haben die Gegner das Messer zwischen den Zähnen.“

In einem sind sich die beiden Übungsleiter einig: Der unermüdliche Einsatz in der 1. Klasse begeistert, es zählen die Tu­genden des Fußballs. Kraft will daher den Verein auch in den kommenden Jahren zu weiteren Erfolgen führen: „Das ist einfach was ganz anderes als in der Bundesliga. Hier ist noch viel mehr Leidenschaft. Die Spieler gehen bis halb sieben arbeiten, kommen dann direkt mit dem Arbeitsgewand, hupfen vom Moped runter und sind voll dabei. Das schätze ich sehr.“

Mit Schlitters rechnete er nicht: „Eine positive Überraschung, die haben Spieler verloren, ich hab’ großen Respekt.“ Der Architekt des Schlitterer Erfolgslaufs, Coach Martin Bischofer, wollte sich dazu (noch) nicht äußern.