Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 06.06.2018


Basketball

Tiroler Basketball-Traum zwischen Trump und Brexit

Die Tirolerin Julia Köppl finanziert sich als Basketballerin ihr Studium in London, kürzlich holte sie mit den Sevenoaks die britische Meisterschaft.

© Graham HodgesKöppl jubelte mit Sevenoaks über den Meistertitel.



Von Benjamin Kiechl

Sevenoaks — Eine Reihen­haussiedlung im 29.000-Einwohner-Städtchen Seven-oaks, 35 Kilometer südlich von London. Britischer geht's kaum: „Gemeinsam mit einer Mitspielerin wohne ich in einem 500 Jahre alten Häuschen mit Teppichböden und niedrigen Räumen", erzählt Julia Köppl.

Ihre Bleibe in der Grafschaft Kent hat sie ein Stück weit Donald Trump zu verdanken. „Mein Vermieter ist ausgezogen, weil er ein erklärter Gegner des US-Präsidenten ist." Während der Mann in den USA versuche, mit einer Kampagne gegen den Präsidenten aufzutreten, darf die Tirolerin sein Haus bewohnen und lebt ihren Basketball-Traum.

„Wenn du im Basketball etwas erreichen willst, musst du weg aus Innsbruck", sagt die 26-Jährige, die nach der Matura den Sprung ins Ausland wagte; die Körbe hingen hierzulande sprichwörtlich zu tief. Ihr Vater, Ex-Zweitliga-Spieler Elmar Köppl, unterstützt sie dabei.

Schnell, wendig und mit einem guten Wurf: Ex-TI-Spielerin Julia Köppl.
- Graham Hodges

Der Weg nach Großbritannien hat sich ausgezahlt: Mit einem 69:44-(38:20)-Sieg gegen die Leicester Riders kürte sich die 1,82 Meter große Spielerin kürzlich in der legendären Londoner O2 Arena mit den Sevenoaks Suns zum britischen Basketball-Meister. Köppl steuerte je sechs Punkte und Rebounds bei. Und auch wenn die Halle nicht voll war, sei es ein „beeindruckendes Erlebnis" gewesen. Die mehrfache Nationalspielerin war eine Säule des Erfolgs für die Sevenoaks. „Ich bin groß, schnell und habe einen guten Wurf", beschreibt sich die Tirolerin, die im Team die Position „Forward" einnimmt. „Meine größte Stärke ist, dass ich variabel einsetzbar bin."

Mit Basketball als Einnahmequelle komme sie derzeit gut über die Runden, aber „London ist eine sehr teure Stadt". Köppl spielt zusätzlich für das Uni-Team und trainiert die U 8 und U 10.

Der Verein träumt von einer rosigen Zukunft, eine neue Basketball-Halle soll gebaut werden („Derzeit spielen wir noch im Schulgebäude"). Größter Fan und Geldgeber des Teams sei die Frau des Trainers, eine erfolgreiche Unternehmerin.

Köppl ist quasi Basketball-Weltreisende. Nach den Anfängen beim TSV Wasserburg in Bayern (Regionalliga) spielte sie für das Collegeteam Dowling Golden Lions in New York (2. Division). Im Mai 2011 wurde sie zum „Rookie der East Coast Conference" gewählt, 2014 ins „Honorable Mention"-Team. Zur Saison 2014/15 wechselte sie zum BC Marburg in die 1. Deutsche Basketball-Bundesliga. „Das Niveau ist in Deutschland sicher noch höher als in England", erinnert sich Köppl, die im Herbst des Vorjahres bei Sevenoaks andockte, um den Uni-Master in „International Business Management & Marketing" in London zu absolvieren.

Noch ein Jahr wolle sie in England bleiben, um das Studium abzuschließen und mit Sevenoaks erneut zum großen Wurf auszuholen: „Durch den Brexit wird alles schwieriger", weiß Köppl und sieht ihren Basketball-Traum gefährdet: Derzeit koste das Studium rund 9000 Euro pro Jahr, nach dem EU-Austritt würden sich die Studiengebühren für Nicht-Briten verdoppeln.