Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 22.06.2018


Akademie Tirol

Helmut Lorenz: Abschied von prägender Zeit

Nach neun Jahren bei der Akademie Tirol bilanziert Helmut Lorenz mit einem lachendem und weinendem Auge. Künftig zieht er in Oberperfuss die Fäden.

© GruberBlickt positiv nach vorne – die Kleidung des Akademie-Leiters der Tiroler Talenteschmiede legt Helmut Lorenz in der Zukunft ab.



Von Alex Gruber

Innsbruck – Neun lange Jahre sind kein Tag. Das merkt man, wenn Helli Lorenz an seinem Tee nippt, zumal das letzte Jahr seiner Amtsperiode mit dem Abschied im Hinterkopf und dem Zurückrücken in eine Beobachterrolle absolut kein leichtes war.

2009 wurde Lorenz auf Anfrage von TFV-Präsident Josef Geisler zum Sportlichen Leiter der Akademie bestellt, um dann, wie er sich erinnert, im Laufe der Jahre zum Mädchen für alles zu werden. Der Aufbau der Akademie Tirol und deren Organisation seien sein Werk. „Ich habe in der Talenteschmiede jeden Buben gekannt. Das ging zeitweise weit über eine normale Arbeit hinaus. Ich bin zum Systemerhalter der Akademie geworden. Was wir mit unseren Mitarbeitern in Zusammenarbeit mit der Stadt Innsbruck und der USI geschaffen haben, kann sich sehen lassen.“

Er bleibt dabei, dass er sich für die langen Wintermonate einen zweiten Kunstrasenplatz wünscht. Und dass Nachwuchsspieler grundsätzlich am besten altersgerecht aufgehoben sind und nicht schon früh zu den Wacker-Fohlen hinaufgeschoben werden müssen: „Wir stressen uns da unnötig. Wir haben nicht so viele herausragende Talente, die schon nach dem ersten U18-Jahr oder gar aus der U16 hinauf­müssen. Die Zusammenarbeit mit dem FC Wacker hat sich oft schwierig gestaltet.“ Nachsatz: „Ich bin ein Schweiger, aber wenn ich was sage, dann trifft’s.“ Argumentativ verweist er darauf, dass das U18-Team zu Zeiten seines vor Kurzem verstorbenen Vorgängers Wolfi Schwarz und vor den Zeiten der FCW-Amateure immer vorne in der ÖFB-Jugendliga mitgespielt habe.

Dass sich zwischen Wacker und Verband in Sachen Nachwuchsarbeit weitere Gräben auftun, quittiert er mit Kopfschütteln: „Wir haben nur eine begrenzte Anzahl an Spielern, die gemeinsam gefördert gehören.“ Es sieht nicht danach aus, dass der Wunsch in Erfüllung geht.

Wer Lorenz, den „Helli 14“ (Rückennummer zu aktiven Zeiten in Anlehnung an Johann Cruyff), kennt, weiß, dass er kein Öl ins Feuer gießen will. Aus fünf angedachten Jahren als AKA-Leiter seien neun geworden: „Ich hätte gerne weitergemacht, gehe mit einem weinenden und einem lachenden Auge.“ In der positiven Betrachtung spielt er auf Schulkooperationen und viele Spieler an, die die Sport-BORG-Matura oder den Sport-Handelsschul-Abschluss absolviert hätten. „Familie, Beruf, Sport“, nennt der Ex-Bundesliga-Spieler drei Eckpfeiler im Leben. Es gehe darum, junge Menschen (in seiner Amtszeit waren es ca. 260) in ihrer Ausbildung zu begleiten: „Bei mir werden weiterhin der Mensch, seine Sozialisation im Alltag und der Zusammenhang Mensch, Sport/Kultur und Glaube im Mittelpunkt stehen.“

Mit dem Credo „Viel Arbeit lohnt sich“ hat er beim SV Oberperfuss (Landesliga) wieder die Fußball-Arbeit begonnen. Seinen Heimatklub führte er in der Vergangenheit in die Tiroler Liga hoch. Jetzt will er wieder den Eigenbau begeistern. Und ab Herbst unterrichtet der 49-Jährige am Adolf-Pichler-Platz Mathematik und Sport: „Ich mag junge Menschen und hoffe, dass es mir gleich gut gefällt wie vor meiner Zeit an der Akademie.“