Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 26.06.2018


Insel-Umrundung

Kröll und Kostelic: Aus Weggefährten wurden Freunde

Der Zillertaler Bergläufer Markus Kröll umrundete mit Skistar Ivica Kostelic eine einsame kroatische Insel. Nach fünf Tagen und drei Paar verschlissener Schuhe sehnt sich der Tiroler nach weiteren Abenteuern.

© ReiterMarkus Kröll in Action.



Von Florian Madl

Babino Polje – Wer erinnert sich nicht an Ivica Kostelic? Der im vergangenen Jahr zurückgetretene kroatische Skirennläufer war einer, dessen Biografie und Erfoglsbilanz gleichermaßen beeindruckte. Mit seiner Schwester Janica (36), mittlerweile leitende Sportpolitikerin ihres Landes, und unter Anleitung von Papa Ante mischte der Technik-Spezialist den Weltcup auf. Geschlafen wurde in den Anfangszeiten selbst im Winter in Zelten, Trainingshärte eignete man sich in der Natur an. Etwa in Mljet, einer stark bewaldeten Insel in der kroatischen Adria nahe Dubrovnik und auch bekannt fürs Harpunenfischen. Dieses Kleinod zu umrunden, war der Traum des Ex-Weltmeisters.

Im kleinen Team des Familienvaters: neben Ski-Rennläufer Elias Kolega, den Kostelic mit seinem Vater im Skisport unter die Fittiche nahm, der Tiroler Bergläufer Markus Kröll. Auch er: ein Weltmeister – im Berglauf (Junioren/1986). Vielleicht sprach es bei der Selektion für ihn, dass Ivica Kostelic seine isländische Frau Elin Arnarsdottir einst am Hintertuxer Gletscher kennen gelernt hatte.

„Für mich war Mljet ein Abenteuer“, gestand der 46-jährige Zillertaler rückblickend. In Kontakt gekommen war man bei den Hahnenkammrennen im Jänner, wenig später wurde der 120 km lange Lauf mit etlichen Kletter- und Schwimmpassagen (10 km) auch schon geplant. Auf Trampelpfaden war die kleine Gruppe an den fünf Tagen ihres Projekts niemals unterwegs, zumeist irgendwo im unwegsamen Gelände der Insel. Es ging über 40 Meter hohe Abgründe, an denen man sich keinen Fehler erlauben sollte. Und durch das 26 Grad warme Meerwasser. Drei Paar Schuhe wurden an fünf Tagen auf den scharfen Felskanten verschlissen.

Markus Kröll (Bild unten) bzw. Ivica Kostelic (2.v.l.) bewiesen fünf Tage langen Atem und gute Nerven.
- Reiter

Um 7 Uhr morgens ging es los, zwischen elf und zwölf Stunden täglich wurden Kilometer abgespult, ehe am Ende der Etappe ein Fischerboot mit dem Koch der kroatischen Ski-Nationalmannschaft für Verpflegung sorgte. Und geschlafen wurde am Ufer, Schlafsack an Schlafsack. „Da lernst du dich richtig kennen“, meinte Kröll.

Aus Bekannten wurden Weggefährten und Freunde, am Ende verstand man sich blind. Und das Verständnis für die beinharte Trainingsphilosophie der Familie Kos­telic, die aus einem schneearmen Land an die Spitze des Skisports vordrang, öffnete dem Tiroler die Augen.

Kleine Trailer dieses Trips gehen bereits durch soziale Medien, Janica Kostelic bediente ihre Kanäle. Und bei den Outdoor-Filmfestspielen in Laibach und Zagreb sollen die Gäste großflächig daran teilhaben. Mancher Bewohner eines Fischerdorfs von Mljet könnte sich angesichts der Bilder verwundert die Augen reiben – der Star war doch eben noch in seinem Dorf ...

Es könnte nicht das einzige Abenteuer des Duos Kröll/Kostelic bleiben. Der Kroate, der erst kürzlich mit seinem Speed-Segelboot ein 500-km-Rennen gewann, hat längst andere Ziele. Etwa jenes, alleine um die Welt zu segeln. Oder die Durchquerung des Südpols in möglicherweise weniger als 27 Tagen. Seinen Tiroler Freund Markus Kröll infizierte der 38-Jährige bereits mit dem Virus. „Das wäre eine unglaubliche Geschichte“, schwärmte der Bergläufer. Und wenn die arg in Mitleidenschaft gezogenen Schienbeine keine Narbe mehr aufweisen, bleiben vom Abenteuer in Mljet wohl nur noch strahlende Erinnerungen zurück.