Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 27.06.2018


Pferdesport

Nicht ohne Fieber zu messen

In Deutschland kursiert ein für Pferde gefährliches Virus. Am Schindlhof herrscht höchste Sicherheitsstufe vor dem internationalen Dressurturnier.

© frankTurnier-Veranstalter Klaus Haim lässt auch bei Emilio, dem Pferd der sechsfachen Olympiasiegerin Isabell Werth, die Gesundheit prüfen.



Von Susann Frank

Fritzens – Das Fieberthermometer liegt am Gestüt Schindlhof immer griffbereit. Sobald ein Pferdetransporter in die Auffahrt über Fritzens einbiegt, nimmt es jemand in die Hand und geht dem Gefährt entgegen. Denn keiner der teuren Vierbeiner darf die Laderampe betreten, bevor nicht seine Körpertemperatur überprüft worden ist. Erst wenn alles okay ist, werden die edlen Rösser für das internationale Dressurturnier ausgeladen, bei dem die Elite auf ihren schweren Sportpartnern leichtfüßig durchs Viereck tanzt. „Erst ist in Frankreich Herpes ausgebrochen“, erklärt Klaus Haim. Als Veranstalter des 24. Manfred & Hilde Swarovski Gedächtnisturniers zusammen mit seiner Frau Evelyn Haim-Swarovski beschlossen beide diese Vorsichtsmaßnahme.

Im Gegensatz zum Menschen, bei dem sich der simple Virus meist durch unangenehme Blasen äußert, kann dieser „beim Pferd bis zum Tod führen. Oder eben zur Untauglichkeit im Sport.“ Haim fügt besorgt hinzu: „Und er hat sich auch schon auf einen Teil Deutschlands ausgebreitet.“ Deswegen beaufsichtigt er jedes Entladen auch selbst: „Bis zum Turnierbeginn am Freitag bin ich schon müde.“

In dem im Scherz ausgesprochenen Satz steckt ein großes Korn Wahrheit. Durch die Verbreitung des Virus ist schon vor dem Turnier viel zusätzliche Arbeit entstanden. Neben dem normalen Aufwand – jede Box vor dem Ereignis ganz ausräumen, waschen und desinfizieren. Das Ehepaar hat die Teilnehmer zudem persönlich angerufen, um auf ihre Vorsichtsmaßnahmen aufmerksam zu machen: von der thailändischen Prinzessin über Lisa Müller, der Frau von Fußball-Star Thomas, bis hin zur erfolgreichsten Reiterin der Welt, Isabell Werth.

„Die Pferde, die nicht gegen Herpes geimpft sind, müssen acht Tage vor der Ankunft am Hof einen Nasentupfertest machen“, berichtet Haim. Zudem müssten sie die Fieberkurve aufzeichnen und diese vorzeigen. „Alles zusammen ist ein Riesenaufwand“, gesteht Klaus Haim. Aber für ihn und seine Frau Evelyn Haim-Swarovski, die selbst mit zwei Pferden startet, unabdingbar – zumal sie durch den Zuchtbetrieb auch noch trächtige Stuten und junge Fohlen am Schindlhof stehen haben. „Wenn etwas passieren würde, müssten wir uns immer Vorwürfe machen“, betont Haim. Lieber greift er deswegen einmal öfter zum Fieberthermometer.




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