Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 29.06.2018


Schwimmen

Schmetterlinge im Bauch, Delfine in den Armen

Der Tiroler Simon Bucher träumt von einer Medaille bei der Junioren-EM. Die Chancen stehen gut. Dafür eingeschwommen wird im Tivoli.

© Foto TT / Rudy De MoorÜber dem Wasser: Simon Bucher will nicht nur auf der europäischen Rangliste vorne auftauchen, sondern auch bei der Junioren-EM.



Von Sabine Hochschwarzer

Innsbruck – Für Simon Bu­cher ist Schwimmen mehr als das bloße Runterspulen von Beckenlängen. Vor allem der Schmetterling-Stil taugt dem 18-Jährigen: „Wenn ich Delfin schwimme, dann fühlt es sich an, als ob ich über das Wasser schweben würde.“

Zieht der Innsbrucker mit beiden Armen gleichzeitig über und durch das Wasser, ist er richtig schnell. Bu­cher hält den österreichischen Junioren-Rekord über 50 m Delfin in 23,97 Sekunden. Eine Zeit, die den Tiroler in der europäischen Bestenliste des Jahrgangs 2000 hinter Andrei Minakov (RUS/23,59 Sek.) und Tomoe Zenimoto (NOR/23,87) als Drittschnellsten ausweist. „Das schaut schon ganz gut aus“, sagt Bucher und schmunzelt. Ein Bildschirmfoto des Rankings im Internet ist längst gespeichert, lieber wäre ihm aber, seine Platzierung auch am kommenden Mittwoch zu beweisen – bei der Junioren-EM in Helsinki (FIN). „Das Ziel ist das Finale. Wenn es gut läuft, kann ich auch eine Medaille holen“, weiß Bu­cher. Andere Erfahrungen hat der Teenager längst gemacht. Im Vorjahr war er bei der Junioren-EM weit über seiner damaligen Bestzeit geblieben: „Ich war so nervös damals, aber heuer kenne ich mich schon aus, das passiert mir nicht noch einmal.“ Ein bisschen Schmetterlinge im Bauch hätte er schon, vor allem aus Vorfreude, „aber ich weiß jetzt damit umzugehen“, sagt Bucher.

Auch Trainer Wolf Grünzweig zog Lehren aus dem Vorjahr. Heuer reist man erst kurz davor an, um die Vorbereitung vor Ort abzukürzen: „Wir fliegen am Montag, am Mittwoch schwimmt Simon dann schon. Da bleibt keine Zeit, darüber nachzudenken“, sagt Grünzweig.

Selbst die Tage vor dem Abflug sind ausgefüllt. Ab dem heutigen Freitag stehen im Innsbrucker Tivoli-Schwimmbad noch die Tiroler Meisterschaften an. Zum Aufwärmen sozusagen. „Ich schwimme aber nicht das volle Programm“, gesteht Bu­cher. Im Gegensatz zu seinen Kollegen: Einige dürften zu Titelhamstern mutieren.

Ausgerechnet Tiroler Meisterschaften waren es auch, die den heutigen Sport-HAS-Schüler zum Schwimmen brachten – wieder zum Schwimmen. Mit elf Jahren hatte er ein Jahr pausiert. „Ich wollte damals einfach nicht mehr“, sagt Bucher. Nachwuchstrainerin Anna Senn entdeckte ihn dann eine Woche vor den nächsten Titelkämpfen im Tivoli und fragte, ob er nicht mitmachen wolle. Bucher schwamm und räumte alles ab. Bis heute. Und vielleicht auch am Mittwoch.