Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 29.06.2018


Sport in Tirol

Schindlhof ist für Tirolerin wie Olympia

Für Martina Hübner erfüllt sich mit dem Start beim Dressurturnier ein Traum. Ein Tiroler Quartett freut sich auf das Heimturnier.

© Team MyrtillMartina Hübner.



Von Susann Frank

Fritzens – Auch für Veranstalterin Evelyn Haim-Swarovski gibt es keine Ausnahme: Wer ab heute bei ihrem hochklassigen Dressurturnier am Schindlhof ins Viereck einreiten will, muss in der Saison zuvor hohe Normen erfüllen. Dieses Jahr qualifizierte sich ein Tiroler Quartett und alle vier treten mit einer außergewöhnlichen Historie an.

Martina Hübner: Die frischgebackene Tiroler Meisterin darf sich mit 35 Jahren erstmals mit der internationalen Konkurrenz messen, in der kleinen Tour: „Normalerweise ist Olympia der Kindheitstraum, für Tiroler Reiter ist es das Swarovski-Turnier.“ Ein hart erarbeiteter Traum. Ihr 16-jähriger Bardolino galt dreijährig als unreitbar, beförderte sie bei ca. 60 Abwürfen dreimal ins Krankenhaus. Doch sie gab nicht auf. Auch nicht nach der Geburt ihrer zwei Kinder. Von daheim in Umhausen fährt sie viermal pro Woche mit dem Hänger nach Gnadenwald, um trainieren zu können. Hübner: „Wenn es so fruchtet, weiß man, wofür man es macht.“

Evelyn Haim-Swarovski.
- sarti

Evelyn Haim-Swarovski: Der Tod ihres Bruders hat die Gastgeberin etwas aus dem Tritt gebracht. Gute Turnierergebnisse blieben in dieser Saison bisher aus. „Mein Kopf ist nicht so frei“, räumt die 64-Jährige ein. Umso mehr freut sie sich, sich erstmals mit zwei Pferden für die große Tour, die Königsdisziplin Grand Prix, qualifiziert zu haben: „Dorina“ und „Delilah“. „Ich gehe mein Leben lang auf Turniere und habe noch nie zwei Pferde dieses Niveaus gehabt“, sagt sie und ist dankbar, das erleben zu dürfen. Auf Dorina gibt sie ihre Abschiedsvorstellung, die Stute soll danach mit Tochter Marie Preise gewinnen. Besonders stolz ist die Tirolerin auf die Qualifikation als Amateur-Reiterin. „In der höchsten Klasse gibt es fast nur noch Berufsreiter.“

Amanda Hartung.
- Schreiner

Stefanie Palm: Die Aussage der Gastgeberin unterstreicht die 35-Jährige. Die karenzierte Staatsanwältin ist die zweite und damit letzte Amateurin im internationalen Elite-Feld der großen Tour. Die Walchseerin gewann bisher als einzige Tirolerin eine Prüfung am Schindlhof: 2013 den Prix St. Georg auf der kleinen Tour. Seither hat sich in ihrem Leben einiges verändert. Nach der Geburt von Tochter Filippa ist die Familie in den Vordergrund gerückt. Sie findet es total „spannend“, mit ihrem Wallach Royal Happiness wieder dabei zu sein und ist „echt froh, in der Liga noch mitmachen zu können“.

Amanda Hartung: Die derzeit einzige Berufsreiterin im Tiroler Starterfeld konnte sich zum achten Mal in Folge qualifizieren und sattelt ihren „Piraten“. Aber sie wisse vorher nie, ob er auf Beutezug gehen wolle. Durch seine Einäugigkeit, der „Dresscode Black“ seinen Spitznamen verlieh, sei der Wallach etwas schreckhaft. Vor zwei Jahren musste die 38-Jährige deswegen auch ihre Prüfung abbrechen und aufgeben. „Aber wenn er brav ist, dann können wir eine ordentliche Platzierung schaffen.“ Die Milserin geht nach einer bisher erfolgreichen Saison selbstbewusst in die Grand-Prix-Musik-Kür-Tour bei ihrem „schönsten Turnier des Jahres“.

Stefanie Palm.
- gepa