Letztes Update am Fr, 20.07.2018 09:19

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tennis

Bambini Cup in Kufstein steht im Zeichen der Filzkugeln

Die Stars von morgen schon heute: Beim 48. Internationalen Bambini Cup in Kufstein stellen sich auch einheimische Zukunftshoffnungen der internationalen Konkurrenz.

© Hans OsterauerDas Interesse der Zuschauer und Kiebitze ist den Stars von morgen in Kufstein schon heute sicher.



Von Alois Moser

Kufstein – Schon zum 48. Mal findet heuer der Bambini Cup im Schatten der Kufsteiner Festung statt – bis zum runden Jubiläum will der langjährige Organisator Robert Köstlinger allerdings nicht mehr warten: Der 73-Jährige wird nach dem morgigen Finale den Staffelstab weiterreichen (siehe Interview links). Eine neue Generation soll das Zepter übernehmen – doch diese Generation steht bei einem der größten Tennis-Nachwuchsturniere Europas so oder so im Mittelpunkt.

Hielt die Tiroler Fahne hoch: Anna-Lena Ebster aus Schlitters.
- Hans Osterauer

Boris Becker, Stefanie Graf, Martina Hingis oder Goran Ivanisevic – die Liste der Tennis-Größen, die in Kufstein einmal klein angefangen haben, ist lang. Aber die Vorbilder sind auch bei den hoffnungsvollen Nachwuchssportlern stets präsent. „Mein Idol ist Andy Murray“, erklärt Herren-Tennis-Fan Anna-Lena Ebster. Die 14-Jährige aus Schlitters war bis gestern (Endstation im Viertelfinale) die letzte verbliebene Lokalmatadorin im Turnier. „Es ist toll, in Kufstein zu spielen, da können auch einmal die Eltern zuschauen kommen“, freut sich die Zillertalerin, die trotz der Interviewfragen schon völlig auf das anstehende Match fokussiert ist: „Ich habe meine Gegnerin gestern beobachtet.“ Papa Markus ist hingegen froh, dass er seiner „sportbegeisterten“ Tochter einmal auf den Schläger schauen kann: „Sie ist sonst sehr viel alleine unterwegs.“

Den Ball im Blick wie einst der Onkel: Nico Hipfl wird von seinem Onkel Markus (ehemals Nr. 62 der Weltrangliste) in der familieninternen Tennis-Akademie in Wels trainiert.
- Hans Osterauer

Wer es im Tennis zu etwas bringen will, muss früh anfangen – und viel investieren. Manche Talente verbringen einen Großteil ihrer Jugend auf dem Weg von einem Turnier zum anderen. Umso besser, wenn man dabei in der eigenen Familie auf Know-how aus erster Hand zählen kann. „Mein Papa und mein Onkel trainieren mich gemeinsam“, erzählt der 12-jährige Nico Hipfl aus Wels. Und der Onkel trägt nicht nur den Vornamen Markus, sondern war seines Zeichens auch einmal die Nummer 62 der Weltrangliste. Neffe Nico trainiert nun in der hauseigenen Tennisakademie in Wels. „Ich brauche internationale Turniere, um mich weiterzuentwickeln“, weiß der 12-Jährige schon. Die Unterstützung von daheim ist ihm sicher: „Ich spiele Tennis, seitdem ich gehen kann.“

Bei allem Training und aller Planung kann es aber auch einmal weniger professionell zugehen: „Mein Doppelpartner und ich haben vergessen, uns anzumelden.“ Doch das tut der guten Laune ebenso keinen Abbruch wie auch das gerade erlebte Aus. „Da habe ich halt nicht schlau gespielt“, zuckt der 12-Jährige schon mit der Routine eines Profis die Achseln.

Vom Profidasein träumen sie beim Bambini-Cup alle – doch spätestens beim Run auf den Grill sieht man, dass in jedem angehenden Star immer noch ein Kind steckt.

4 Fragen an Bambini-Cup-Organisator Robert Köstlinger

„Jetzt sollen andere neue Impulse setzen“

Nach 28 Jahren gibt „Mister Bambini“ das Zepter an seine Nachfolger weiter.

1.) Welche Spieler sind in 28 Jahren Bambini Cup in Erinnerung geblieben?

Goran Ivanisevic, der hatte schon als Kind einen Bomben-Aufschlag, war einen Kopf größer als alle anderen und auch schon ein Zornbinkel. Martina Hingis war als Kind schon überragend.

2.) Was treibt einen an, sich so lange einer Sache zu verschreiben?

Es ist schon oft fordernd gewesen, immer wieder gab es neue Herausforderungen. Und da hat man meistens den Robert gefragt. Doch wenn ich gesehen habe, wie sich die Kinder freuen, habe ich wieder gewusst, warum ich mir das Ganze antue.

3.) Was war für Sie der Grund, nach Ihrer 28. Auflage des Bambini Cups Adieu zu sagen?

Ich bin ja auch schon 73, und irgendwann kommt der Punkt, wo einem der Druck zu viel wird. Außerdem bekommt man mit der Zeit einen Tunnelblick – jetzt sollen andere neue Impulse setzen.

4.) Wie geht es mit „Mr. Bambini“ weiter?

Ich werde endlich wieder mehr selbst Tennis spielen und Rad fahren. Und dem Turnier bleibe ich in beratender Funktion erhalten.

Das Interview führte Alois Moser