Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 30.07.2018


Sport in Tirol

Nach Aufstieg wartet ein neuer Kampf

Telfs im Football-Fieber: Die Patriots haben das Finale gewonnen, nun folgt ein Ringen um die Infrastruktur.

© SchratzbergerDefense Coordinator Benni Pfeifer gibt der Mannschaft erfolgversprechende Instruktionen.Foto: Schratzberger



Von Martina Schratzberger

Telfs – 800 Zuschauer folgten am Samstagabend dem Ruf der Patriots und verfolgten im Emat-Stadion am Fuße der Munde das Finale gegen die Vienna Warlords (28:12). Nicht nur Wettkampfstimmung lag in der Luft, auch brutzelnde Burger verliehen der herrlichen Tiroler Kulisse einen Hauch Amerika, gleich daneben präsentierten sich wiederum herzhafte Blechkuchen – gebacken von den Spielerfrauen und -Müttern. Ein Mix, den man sich gefallen lässt.

Dass die Patriots und ihre Gäste ohne viel Schnickschnack auskommen müssen, ist man gewohnt. Überhaupt einen Platz für das Finale daheim zu bekommen, war aber gar nicht so einfach. Als sich der Verein vor gut zehn Jahren mit einem knappen Dutzend Spielwilligen gründete, konnte niemand den Erfolg erahnen, der sich Jahr für Jahr einstellen würde. Die Patriots stemmen einen der größten Telfer Sportvereine. Mittlerweile sind fast 300 aktive Mitglieder in den Mannschaften – auch Frauen und Kinder sind am Spielfeld sowie im Cheerleading-Programm vertreten.

Im Gegensatz zum Amateurfußball wird in ehrenamtlicher Familienbetriebsmanier gearbeitet: Keiner der Spieler oder Trainer verdient einen Cent, jeder zahlt Mitgliedsbeitrag, ansonsten würde die Rechnung nicht aufgehen. Auf Schnickschnack wird verzichtet: Zuschauerreihen werden in Form von Bierbänken gestellt, die von den Spielern aufgebaut werden. Während der Halbzeit ziehen sich die Mannschaften spartanisch auf ein schattiges Plätzchen zurück, Kabinen für knapp 50 Köpfe pro Team gibt es nicht. Freiwillige Helfer packen an, ganze Familien sind eingebunden, um den reibungslose­n Ablauf des Spiels und seiner „Nebengeräusche“ zu gewährleisten. „Die letzten Wochen waren für alle knackig, wir sind an unsere Grenzen gestoßen, gut, dass jetzt Saisonende ist“, sagt ein überglücklicher Vereinschef David Mariani (33).

Tief durchatmen können die Patriots nur kurz, das Finale rund um die Iron Bowl ist zwar geschlagen, kommende Saison wird in der ersten Division gespielt. Doch jetzt gilt es für die Footballer, das Ringen um die Infrastruktur aufzunehmen. Ende August findet sich das Thema in der Gemeinderatssitzung wieder. Als großer Fürsprecher reiht sich Bürgermeister Christian Härting bei den Patriots ein. „Angestrebt wird eine Zwischenlösung am Sportplatz des Bundesschulzentrums mit Containern für Kabinen, Nassräumen, Büro, Lager, Kiosk und Terrasse“, so Mariani. Mittel- und langfristig träumt er auch von Tribünen. Und auch davon, für die Organisation wenigstens eine Teilzeitstelle finanzieren zu können.