Letztes Update am Mi, 01.08.2018 11:32

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Heimatgefühle

Ermacora: „Ich kann und will mein Leben nicht ändern“

Für Beachvolleyball stellte Martin Ermacora einiges um. Der Natterer ist 300 Tage im Jahr unterwegs – und genießt die Zeit daheim umso mehr.

© TT/Julia HammerleHund Barney begleitet Beachvolleyballer Martin Ermacora in Tirol. Ansonsten jettet der Natterer als Single durch die Welt von Turnier zu Turnier. Und ab morgen spielt er beim Höhepunkt in Wien auf.



Menschen aus dem Sport zeigen uns ihr „liabstes“ Platzl in Tirol. Diesmal: Unterwegs mit Martin Ermacora zu den Eulenwiesen/Gleins.

Von Susann Frank

Gleins – Egal ob Schwammerlnsuchen oder Schneeschuhwandern: Martin Ermacora zieht es zu jeder Jahreszeit hierher, zu den Eulenwiesen. Wenn der Beachvolleyballer einmal daheim in Natters weilt, macht sich der 24-Jährige von den Gleinser Höfen aus auf den Weg. Meist in Begleitung seiner Eltern Karin und Andreas, immer jedoch ist Hund Barney an seiner Seite. So auch an diesem sonnigen Sonntag im Juni.

„Von klein auf ist das unser Familien-Ausflugsziel, deswegen ist mir der Platz ans Herz gewachsen“, erklärt er. Zudem ist das Ziel in einer Stunde Fußmarsch erreicht. Das kommt dem um die Welt reisenden Profisportler bei seiner spärlichen Zeit daheim entgegen. „Und sofort inhalierst du frische Luft“, sagt Ermacora und fügt an: „Ohne Angst vor Überfällen haben zu müssen. Ich weiß zu schätzen, wie gut es uns hier geht.“

Wer ist größer? Martin Ermacora spielt mit Barney auf den Eulenwiesen im Stubaital.
- Frank

Während er seinen Blick in aller Ruhe über die bunten Blumenwiesen am Ausgangspunkt schweifen lässt, erzählt er vom Trainingslager im Frühjahr in Brasilien. In Rio de Janeiro sei er nachts oft von den Maschinengewehrsalven aufgewacht. „Seit die Olympischen Spiele 2016 Geschichte sind, die Überwachung abgenommen hat, sind in den Favelas erbitterte Machtkämpfe ausgebrochen“, erzählt er bedrückt. Denn er mag die Stadt, die für ihre traumhaften Beachvolleyball-Strände bekannt ist.

Die Umgebung behagt ihm mehr als der kommende Olympia-Austragungsort Tokio. Die Teilnahme dort ist das erklärte Langzeitziel der Tiroler Zukunftshoffnung auf Sand. Vergangene Woche, beim 3*-World-Tour-Turnier in der japanischen Hauptstadt, stieg das Thermometer dort auf den Rekordwert von 41,1 Grad. Während Dutzende Menschen starben, schaffte er es mit Partner Moritz Pristauz bis ins Achtelfinale. Mit dieser Erfahrung sieht er dem morgen beginnenden Vienna Major gelassen entgegen.

Wer die Gegner beim Jahreshöhepunkt sind, wird heute bekannt. Die Hitze ist jedenfalls keiner. Der trotzt Ermacora auch wegen seiner körperlichen Konstitution. 2,03 Meter durchtrainierte Muskelmasse bewegt er durch den Wald zu den Eulenwiesen, während er davon schwärmt, wie schön es ist, in Österreich das Leitungswasser trinken zu können.

Auf dem Weg dorthin genießt der 24-Jährige die heimische Natur: Handauflegen auf den Ameisenhaufen inbegriffen.
- TT/Julia Hammerle

Um bei härtesten Bedingungen beste Leistungen bringen zu können, hat er seinen Ernährungsplan umgestellt. „Das ist wichtig. Die Dichte ist so groß, dass du auf jedes Detail achten musst“, erklärt Ermacora, der auf den Social-Media-Kanälen immer mal wieder ein Foto von sich nur mit Surfershorts bekleidet postet. Insgesamt achte er schon auf seine Einträge in diesen Kanälen, aber das leichte Outfit sei nun einmal Teil des Berufs.

Dass er für so manche Frau dazu zum Sexsymbol wird, darauf lässt sich Ermacora nicht ein. Das Thema Freundin ist für den Single kein einfaches. „Ich bin von 365 Tagen im Jahr 300 unterwegs. Das ist schon schwierig“, betont er und fügt hinzu: „Ich weiß, ich bin anspruchsvoll. Aber ich kann und will mein Leben auch nicht ändern.“

Während er davon spricht, auch nichts erzwingen zu können, fordert Hovawart Barney seine Aufmerksamkeit ein.

Sie beginnen, um die von Ermacora so geliebten Lärchen auf den Eulenwiesen Fangen zu spielen, bis er einen Ameisenhaufen entdeckt. Bedächtig legt er die Hand darauf und lässt Insekten auf seine Hand krabbeln. Etwas, das er mit seinem verstorbenen Opa Klaus als Kind immer mal wieder gemacht habe. „Weil das Sekret durchblutungsfördernd ist“, sagt Ermacora und fügt mit einem Lächeln im Gesicht hinzu: „Sogar das ist in Tirol gesund.“

5*-World-Tour-Turnier in Wien

Vienna Major, Donauinsel, Programm

Mittwoch:

Damen Beginn Hauptbewerb (ab 9.30 Uhr) und Herren Qualifikation. Ab 12.30 Uhr Spiele auf dem Center Court mit Platz für 8000 Zuschauer.

Donnerstag:

Damen und Herren ab 9.30 Uhr.

Freitag:

ab 9.30 Damen und Herren (ab 11.20 Uhr live auf ORF Sport + und ab 14 Uhr auf ORF eins).

Qualifikation, Dienstag: Von den österreichischen Damen-Teams scheiterten alle, bei den Herren schafften es Robin Seidl und Phi­lipp Waller in die 2. Runde.

ÖVV-Teams im Hauptbewerb

Damen:

Schützenhofer/Plesiutschnig, Friedl/Strauss,

Herren:

Ermacora/Pristauz, Doppler/Horst, Wutzl/Frühbauer.