Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 07.08.2018


Klettern

WM-Countdown läuft: Noch 30 Tage und alles im Griff

Zwischen großem Aufbau, goldenen Heim-Auftritten und dem Kampf um die letzten WM-Tickets: 30 Tage vor der Kletter-Weltmeisterschaft in Innsbruck (6. bis 16. 9.) ist die heiße Phase der Vorbereitung voll im Gange.

© Heiko WilhelmWeltmeister 2012 und amtierender Vizeweltmeister - Jakob Schubert ist gemeinsam mit Jessica Pilz Österreichs größte Medaillenhoffnung.



Von Roman Stelzl und Max Ischia

Innsbruck — 30 Tage bis zur Kletter-Weltmeisterschaft in Innsbruck? Von wegen. „Für uns geht es schon in zehn Tagen los", stellt Organisator Michael Schöpf mit einem Lachen klar. Der Ötztaler steckt mit seinem Team längst in der heißen Phase vor der Heim-WM (6. bis 16. September) — doch nun warten erst die richti­g knackigen Aufgaben.

Aufbau: Über 350 Tonnen Material sollen es sein, die am 16. August, dem großen Beginn des Aufbaus, in Innsbruck angekarrt werden. Einen ganzen Monat lang werden die Kletterer die Olympiahalle in Beschlag nehmen — darüber hinaus müssen auch die neben dem Kletterzentrum beheimateten Leichtathleten (WUB-Halle wird zum Backstage-Bereich) für mehrere Wochen Platz machen. Die Skateboard-Halle nebenan, die zur WM Sommerpause macht, wird für 200 Volunteers umfunktioniert. Neben dem Kletterzentrum und Marktplatz (Side-Events) liegt der Hauptfokus auf der Olympiahalle, in der bei den großen Finalwettkämpfen 5000 Zuschauer Platz finden sollen. „Wir müssen am 31. August fertig sein. Das wird viel Arbeit", erklärt Schöpf.

Kader: Doch wer klettert dann mit? Streng geantwortet darf jeder. „Es gibt keine Regularien. Das ist ein Manko bei solchen Veranstaltungen", erklärt Heiko Wilhelm, Sportdirektor im Kletterverband (KVÖ). Jede Nation darf ohne Nachweis des Könnens der Nominierten pro Disziplin fünf Damen und Herren aufstellen — egal, ob es Kletter-Nation Österreich oder etwa Nachzügler Neuseeland ist. Dazu kommen die Junioren-Weltmeister sowie die -Europameister — damit hat die Heim-Mannschaft mit den Nachwuchs-EM-Champions Laura Stöckler, Jan-Luca Posch und Franziska Sterrer bereits drei Tickets sicher. Daneben warten wie erwähnt für Damen und Herren je fünf Startplätze in den Disziplinen Speed, Kombination, Bouldern und Vorstieg. Anders gesagt: Theoretisch hätte Österreich mehr als 40 Plätze zur Verfügung. Zu kurz kommen sollte da also niemand. Nominiert wird der Kader am 20. August — kurz nach dem Boulder-Weltcup-Finale in München (17./18. 8.) und der fast zeitgleichen Nachwuchs-WM in Moskau (RUS/9. bis 16. 8.). Wilhelm: „Bis dorthin haben die Athleten noch Zeit, sich zu bewähren. Wir haben zwar klare Kriterien, die für eine Nominierung erfüllt werden müssen. Aber in manchen Fällen drücken wir für die Heim-WM auch ein Auge zu."

Startplatz: Für viele ist die Zeit der Bewährung vorbei. Im Vorstieg sind die Würfel nach vier Weltcup-Stationen vor der WM gefallen — beim Boulder-Weltcup-Finale kämpfen je sieben Damen und Herren um die WM-Tickets. Dazu kommt der Fixplatz für die Junioren-Weltmeister der russischen Titelkämpfe — darunter ist auch die Oberösterreicherin Sandra Lettner, die heuer beim Boulder-Weltcup-Debüt mit Rang vier eine Sensation ablieferte. Von den drei Nationaltrainern wird für den Nachwuchs übrigens keiner abgestellt — die müssen im Innsbrucker Kletterzentrum parat stehen, das in manchen Bereichen im Notfall für Österreichs Elite abgesperrt ist.

Vorbereitung: Doch wie überbrücken die Top-Kletterer rund um Jakob Schubert und Jessica Pilz die Zeit, um ihre Form zu halten? Mit Training. Und Regeneration. „Wir haben für alle Athleten ein individuelles Programm erarbeitet. Aber die erfahrenen Kletterer wissen ohnedies, was sie zu tun haben", erklärt Heiko Wilhelm. Die Wahl-Innsbruckerin Pilz wird dabei auf ihre „Privat-Trainer" Reini Scherer und Kilian Fischhuber zurückgreifen sowie auf die Nationaltrainer rund um Roman Krajnik.

Intensives Programm: Dabei spielt die Erholung bei Schubert und Pilz eine wichtige Rolle vor der intensiven WM. Der Innsbrucker Schubert klettert so wie Pilz planmäßig im Bouldern, Vorstieg und Kombination. Ein starkes Programm, das über die Grenzen hinaus fordert. Am Ende soll der Einsatz mit viel Edelmetall entlohnt werden. Nicht nur für die Favoriten.