Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 07.09.2018


Motocross

Der nationale Erfolg soll international beflügeln

Panikattacke, Wadenbeinbruch, Rückkehr: Tirols Motocross-Aushängeschild Lukas Neurauter hat sich heuer stark zurückgemeldet.

© gepaDie Leichtigkeit bei Lukas Neurauter (KTM) ist endlich wieder zurück.



Von Daniel Suckert

Innsbruck – Es ist etwas mehr als ein Jahr her, da hatte ein Sturz das Leben von Lukas Neurauter ordentlich durcheinandergewirbelt. Nicht nur körperlich, vor allem mental. Panikattacken hatten dem KTM-Talent zunächst zugesetzt. Nachdem das überwunden war, folgte ein Wadenbeinbruch, der das vorzeitige Saisonende bedeutete. Heuer trat der 25-Jährige kürzer – und ist zurück in der Erfolgsspur. „Bis auf drei Läufe beim ADAC bin ich rundum zufrieden“, erklärte Neurauter dieser Tage, nachdem er am vergangenen Wochenende den ÖM-Titel frühzeitig fixieren konnte.

Bei der international gut besetzten ADAC-Meisterschaft liegt der Pilot des MSC Rietz auf dem sechsten Rang. „Die Chance auf die Top 5 ist da, die will ich in jedem Fall nützen.“ Dass der Oberländer auf nationaler Ebene beinahe unantastbar ist, bestätigt er jedes Jahr aufs Neue. International fehlte noch der große Durchbruch. Und dann kamen die Rückschläge im Vorjahr. Zunächst ein Sturz, der ihn mental so belastete, dass Neurauter zwei Wochen später den WM-Lauf ausließ. „Mir war einfach alles zu viel. Da war kein Spaß mehr, nur noch das Gefühl, es tun zu müssen“, sprach Neurauter nicht lange um den heißen Brei herum. Doch der negative Höhepunkt folgte im August – da brach sich „Luggi“ beim WM-Lauf in Frauenfeld (SUI) das Wadenbein.

Dem möglichen Kopfkino räumte er keinen Platz ein, er setzte sich zwei Monate später wieder aufs Bike. Das funktionierte. Trotzdem stand der Entschluss fest, heuer einen Schritt zurück zu machen. Und das hat sich bewährt.

Zu wissen, wo die eigenen Grenzen liegen, hat den KTM-Piloten stärker gemacht. Das hat er heuer bei den Läufen gemerkt. Und darum ist die Rückkehr auf die WM-Bühne für 2019 ein mögliches Ziel. Neurauter: „Aber sicher nicht mehr um jeden Preis. Das Angebot der Teams muss stimmen. Bei dem Aufwand, den ich betreibe, müssen die Kosten einfach gedeckt sein.“

Die letzten Wochen genoss der frischgebackene Österreichische Meister in Kalifornien (USA). Zusammen mit dem rotweißroten Motorradhersteller testete man jede Menge neuer Teile. Ein Ausflug nach Los Angeles ging sich zwar nicht aus, aber ansonsten gab es genügend Eindrücke. „Wir waren sogar bei der Air Force. Das war ein großartiges Erlebnis.“ Eines, das Anfang Oktober eine Fortsetzung finden wird. Dann geht es für den Testpiloten an die Ostküste der USA.

Bis dahin sollte auch die Zukunft des 25-Jährigen für das kommende Jahr geklärt sein. Es gebe allerdings auch WM-Teams, die nicht seriös genug arbeiten würden. Rennställe, bei denen es an menschlicher wie materieller Unterstützung fehle. Darauf hat der 25-Jährige keine Lust. Nicht um jeden Preis – das Motto hat Neurauter verinnerlicht. Das hat ihn 2017 gelehrt ...