Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 15.09.2018


Rad-WM

Von Skibob-Weltmeistern zur großen Rad-Familie

Sie waren Nachwuchs-Weltmeister im Skibob, ehe sie Konflikte im Verband zum Rad und zur Heim-WM brachten: Patrick, Mario und Florian Gamper.

© Michael KristenFlorian und Mario starten fix im WM-Teamzeitfahren, Patrick Gamper (v.?l.) darf im U23-Zeitfahren ran.



Von Roman Stelzl

Maurach – Die Beine der drei Gamper-Brüder hängen an diesem heißen Spätsommertag im kühlenden Achensee, als der abrupte Themenwechsel vom Radsport zum Skibob für drei breite Grinser sorgt. „Das ist schon eine Zeit lang her“, schmunzelt der 21-jährige Patrick Gamper und blickt seine Brüder Florian und Mario, die beiden 19-jährigen Zwillinge, vielsagend an.

Denn einst war Tirols talentiertes Rad-Trio, das heuer erstmals zu dritt bei der Rad-WM in Tirol (22. bis 30.9.) startet, auf dem Skibob am Weg. Ganz nach dem Vorbild von Mama Petra Gamper, die mit 15 Weltmeistertiteln die erfolgreichste Österreicherin ist. „Ich bin achtfacher Jugend-Weltmeister“, sagt Florian, „Mario hat fünfmal gewonnen und Patrick schon x-mal.“

Doch dann tauchten im Verband immer mehr Unstimmigkeiten auf – und die sind der Grund, weshalb die Gampers derzeit so vielversprechend auf zwei Rädern statt auf Schnee unterwegs sind. „Es wurde zu viel gestritten, das war der Grund, weswegen wir es gelassen haben“, erklärt Patrick. Nach dem Vorbild seines Opas Anton bestritt der Zeitfahr-Spezialist mit zehn Jahren in Vomp sein erstes Rennen, „dreimal um ein Maisfeld herum“, wie er selbst sagt.

Für gemeinsame Trainingseinheiten wie hier am Achensee haben Florian, Patrick und Mario Gamper (v.?l.) selten Zeit.
- Michael Kristen

Seither sind gut elf Jahre vergangen, in denen Patrick Gamper zu einer der größten Tiroler Zukunfts-Aktien reifte. Nach vielen starken Auftritten beim Tirol Cycling Team folgte im Vorjahr der Wechsel zum spanischen Rennstall Polartec-Kometa, das Farmteam der World-Tour-Mannschaft Trek. „Eine neue Erfahrung“, nennt es Gamper mit mäßiger Begeisterung. Der Vertrag läuft heuer aus, ein Wechsel ist eine Option.

Fix ist aber schon, dass der Zweite der österreichischen Nachwuchs-Meisterschaft bei der WM im U23-Zeitfahren (24.9.) an der Seite des Zillertalers Markus Wildauer fährt. „Es ist gut, dass ich nur im Zeitfahren dabei bin. Da kann ich mich gezielt vorbereiten“, erklärt Patrick Gamper, der sich als Solist im Kühtai (2020 Meter) auf die WM vorbereitete.

Florian und Mario Gamper, beide seit heuer beim Tirol Team, starten bei der WM mit Innsbrucks Talenteschmiede im Teamzeitfahren (23.9.) – Mario und der Oberösterreicher Tobias Bayer kämpfen noch um einen Startplatz für das U23-Rennen. „Für uns ist die Weltmeisterschaft eines der größten Highlights“, sagen Florian und Mario unisono. Und ebenso einstimmig blicken sie bei der Frage nach dem Idol zum großen Bruder. Egal, ob auf dem Skibob oder dem Radsattel.