Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 19.09.2018


Reitsport

Weltreiterspiele: Mit der Ruhe nach dem Sturm zum Erfolg

Nach Hurrikan Florence wollen die Parade-Voltigierer Lindner/Wacha mit Gold für Wirbel bei der WM sorgen.

Die Voltigierer Jasmin Lindner und Lukas Wacha gehen entspannt in die Mission WM-Titelverteidigung.

© HaidacherDie Voltigierer Jasmin Lindner und Lukas Wacha gehen entspannt in die Mission WM-Titelverteidigung.



Von Susann Frank

Tryon – Von wegen Chaos: Tirols aussichtsreiche Starter bei den Weltreiterspielen (WEG) blieben bisher von den viel geschilderten Pleiten und Pannen in Tryon (USA) verschont. Sogar die Regenwolken von den Ausläufern des Hurrikans Florence haben sich verzogen. Beim Auftakt des Voltigier-Paars Jasmin Lindner und Lukas Wacha sowie von Springreiter Max Kühner soll sogar die Sonne scheinen und das Thermometer auf – in North Carolina – schwüle 28 Grad steigen.

Max Kühner sagt, dass ihm sein Schimmelhengst Chardonnay zuhöre.
Max Kühner sagt, dass ihm sein Schimmelhengst Chardonnay zuhöre.
- imago

Die treuen und teuren Vierbeiner kommen jedoch vor ihren Einsätzen nicht ins Schwitzen, dafür sorgt der bisher viel gescholtene Ausrichter. „Jedes Pferd hat einen Ventilator in der Box stehen“, heben alle drei den besonderen Luxus hervor. Die Böden in den Hallen und auf den Trainingsplätzen wären sehr gut und sie selbst hervorragend untergebracht.

Sie hoffen nach den vielen Negativschlagzeilen in Woche eins dieser WM – u.a. ein totes Pferd beim Distanzritt – auf einen reibungslosen Ablauf. Auf die Bagger, die auf dem Gelände immer noch Baustellen schließen sollen, haben sie sich eingestellt.

Außerdem konzentrieren sie sich ganz auf ihre Missionen. Lindner/Wacha auf die der Titelverteidigung im Pas de Deux, Kühner will ins Finale der besten zwölf einziehen.

Und keiner will sich aus der Ruhe bringen lassen. Kühner auch nicht durch den Auftakt mit einem Zeitspringen, dem kleinen Schwachpunkt seines Spitzenpferds Chardonnay. „Da muss ich ein gutes Mittelmaß finden“, sagt der 44-Jährige vor der ersten Runde ab 21 Uhr (MEZ): „Damit wir dabei sind bei den weiteren, schweren Runden.“ Vier weitere sollen für den eingebürgerten Österreicher folgen.

Hingegen müssen die mehrfachen Europa- und Weltmeister Lindner/Wacha nur zweimal fehlerfrei bleiben. Ihr Bewerb geht heute zur selben Zeit in die erste Runde und morgen in die entscheidende. Das Training sei sehr gut verlaufen. Wallach Dr. Doolittle wäre aufgrund der gigantischen Hallenmaße anfangs nervös gewesen. „Aber sobald wir aufgesprungen sind, war er ganz ruhig. Das ist das Tolle an ihm“, schwärmt Lindner. Sie ist positiv eingestellt. Auch weil das Duo mit seiner Kür „zufrieden ist“. Und das wäre so gut wie nie der Fall.

Bevor sie heute ihre Kür mit dem Thema Schach mit neuen Akrobatikelementen zeigen, werde man sich vor dem Auftritt in einer bestimmten Reihenfolge einklatschen. Ein liebgewonnenes Ritual, das zum Erfolg verhelfen soll.

Und wie stimmt sich Kühner ein? Ohne zu zögern antwortet der 44-Jährige: „Ich gehe gedanklich noch einmal den Parcours durch – und ich denke: Chardonnay hört mir zu.“