Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 27.09.2018


Unterhaus

Ein Pfiff wie um fünf vor zwölf

Der Schiedsrichtermangel und schwere Spielleitungen stellen den Tiroler Fußball vor große Probleme.

Sie stehen in der schwierigen Mitte - Tirols Schiedsrichter um Gregor Danle­r (M.) haben momentan einen schweren Stand.

© Foto TT / Rudy De MoorSie stehen in der schwierigen Mitte - Tirols Schiedsrichter um Gregor Danle­r (M.) haben momentan einen schweren Stand.



Von Alex Gruber

Innsbruck – Am vergangenen Wochenende gingen die Wogen auf Tirols Fußballplätzen (die TT berichtete) auch mit Handgreiflichkeiten wieder hoch. Angie Eberl, Obfrau des Flüchtlingsklubs Sans Papiers, tat der junge Schiedsrichter Christoph Schönfelder bei der Spielleitung gegen Hatting am Ende (Rudelbildung/Tätlichkeiten) sogar „leid“: „Er war überfordert. Es braucht erfahrene Schiedsrichter.“

Vielleicht war diese Besetzung nicht ideal, aber das ist weit leichter gesagt als geändert. Davon kann Tirols Schiedsrichter-Obmann Hannes Hell bei wachsenden Kampfmannschafts-Partien und maximal gleichbleibender Schiedsrichterzahl ein Lied singen: „Es gab auch aus familiären Gründen bei uns viele Abmeldungen. Wir stehen vor der Frage, ob wir im Frühjahr die zweiten Klassen oder den Nachwuchs nicht mehr besetzen. Wobei Spielleitungen im Nachwuchs auch sehr sensibel geworden sind“, hebt Hell den warnenden Zeigefinger, dass sich einige Vereinsverantwortliche den Griff zur Pfeife nicht mehr antun wollen. Den Vorfällen bei der U18-Partie Umhausen/Längenfeld/Sölden – Telfs und beim U13-Match Stubai – Steinach geht der Strafsensat des Verbandes nach Aufforderung von Präsident Josef Geisler nach.

Noch mehr Schiri-Einsätze bei einer besseren Spielverteilung von Freitag bis Sonntag verbessere auf keinen Fall die Qualität. Und, so Hell: „In Bayern werden auch die drei untersten Ligen nicht besetzt.“ Ein möglicher Ausweg aus dem Schiedsrichtermangel, der leider auch von den Rängen durch unqualifizierteste Äußerungen genährt wird, könne nur eine stärkere Einbindung der Vereine sein. Von einem Belohnungssystem, wie es früher der Fall war, wenn jeder Klub einen Schiedsrichter stellt, hält Geisler nichts, weil es für die Klubs unterschiedlich schwer sei und außerdem damals Unparteiische als lebende Börse zu den Klubs hausieren gegangen seien.

Mit einer Flyer-Aktion an den Unis versucht Hell stets Aktionen für Nachschub zu schaffen, es bleibt schwer. „Ich möchte als Schiedsrichter ja auch nicht beschimpft und vielleicht sogar bedroht werden“, bekundet Eberl ihr Verständnis und fordert vom Fußballverband Maßnahmen, um die Situation wieder zu verbessern: „Man muss Beleidigungen oder rassistische Äußerungen rigoros ahnde­n. Ich zahle für einen guten Schir­i auch gerne 20 Euro mehr. So macht das keinen Spaß mehr.“

Geisler – „der Fußballplatz ist Spiegel der Gesellschaft“ – hält fest, dass mit der Schiedsrichter-Debatte „alle Landesverbände kämpfen“. Auch die Vereine müssen sich um schwarze Schafe auf Rängen und Bänken kümmern. Dieses Thema geht mit Blick in den eigenen Spiegel (fast) alle an.