Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 06.10.2018


Ski-Weltcup

Goldener Herbst in Tirol: Sölden wartet auf den großen Schnee

Heute in drei Wochen wird in Sölden der alpine Weltcup-Winter eingeläutet. Während vielerorts die goldenen Herbsttage zelebriert werden, wartet man hoch über Sölden auf Kälte. Erst einmal vergeblich.

© Ernst LorenziDie Crew um Pistenchef Isidor Grüner hat dieser Tage reichlich zu tun. Die entlang der Rennstrecke positionierten 21 Schneekanonen feuerten ausschließlich Anfang der Woche aus vollen Rohren.



Von Max Ischia

Sölden – Die neue Eiszeit, wie man sie nicht zuletzt ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel in den Siebzigerjahren prophezeit hatte, wird so schnell nicht kommen. Ganz ohne Polemik reicht ein Blick auf die heimischen Gletscher. Nach einem weiteren schweißtreibenden Sommer lassen die Ferner allesamt ihre immer kürzer werdenden Zungen hängen.

Weil auf den alpenländischen Kalenderblättern aber schon wieder Oktober draufsteht, wird auf den hiesigen Gletschern der Ski-Winter eingeläutet – ungeachtet dessen, dass gestern selbst in der Höhe reichlich Plusgrade notiert wurden. Und weil der alpine Weltcup erst recht keine Zeit zu verlieren hat, versammelt sich die Riesentorlauf-Elite in drei Wochen am Rettenbachferner zum Jubiläumsevent, wenn es 25 Jahre Ski-Weltcup Sölden heißt. So ist jedenfalls der Plan.

Seit sich vergangenen Montag rund 20 Zentimeter Neuschnee über den nach dem Sommer arg zerzausten Rettenbachferner gelegt hat, ist zumindest die Gesamtoptik eine freundlichere. „Wir sind soweit auf Schiene“, versichert Isidor Grüner, seit nunmehr neun Jahren Pistenchef des Sölden-Openings.

Weil die spärlichen Naturschneemengen freilich bei weitem nicht reichen, bedienen sich Grüner und sein Team dieser Tage von fünf überdimensionalen Kunstschneedepots. „Damit schaffen wir auf der Rennstrecke eine rund 20 bis 30 Zentimeter dicke Schneeschicht.“ Reichlich Arbeit, zumal der Rennhang 1,2 Kilometer lang ist und eine Breite von 50 Meter und mehr aufweist.

Die 21 Schneekanonen, die entlang der Rennstrecke positioniert sind, schauen erst einmal ungenützt zu. Es brauche schon ein paar Minusgrade, um die Schneeproduktion auf entsprechende Touren zu bekommen. „Aber auch so werden wir es hinbekommen“, gibt sich Grüner kämpferisch. Ob der Rennhang für die Nationen ab 15. Oktober zum Training freigegeben wird, darf dieser Tage bezweifelt werden. Zuvor bedarf es erst einmal grünes Licht seitens des Schneekontrollors der FIS. Der kommt in zehn Tagen – bis dahin kann viel passieren. In jede Richtung.