Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 23.10.2018


Ringen

Drei Tiroler gehen bei der Ringer-WM auf Beutezug

Das Tiroler Polizisten-Trio Martina Kuenz, Michael Wagner und Daniel Gastl startet ab heute bei der Ringer-WM in Budapest (HUN) die Medaillenjagd.

Daniel Gastl, Martina Kuenz und Michael Wagner (v.?l.) fahren mit großen Erwartungen zur Ringer-WM.

© DraxlDaniel Gastl, Martina Kuenz und Michael Wagner (v.?l.) fahren mit großen Erwartungen zur Ringer-WM.



Von Benjamin Kiechl

Budapest – Die dunkelblaue Polizei-Uniform steht Michael Wagner gut, das Ruderleiberl mit dem großen Österreich-Adler auf der Vorderseite fühlt sich für das Kraftpaket des RSC Inzing aber noch besser an. Bei der Ringer-Weltmeisterschaft in Budapest (HUN) will der Inspektor des Postens Telfs aufzeigen. Vor rund einem Jahr hat der 26-Jährige seine Ausbildung abgeschlossen – das hat er Martina Kuen­z und Daniel Gastl, die erst seit Kurzem in Ausbildung sind, noch voraus. „Vielleicht gehen wir dann bald gemeinsam auf Streife. Das würde ich den Verbrechern aber nicht wünschen“, sagt Wagner augenzwinkernd.

Sportlich betrachtet bewegt sich das Trio auf Augenhöhe und hat sich die Ziele hoch gesteckt. „Wir wollen auf jeden Fall eine Medaille, dafür muss aber alles gut laufen“, erklärte Wagner, der in der Kategorie bis 82 kg alles in die Waagschale werfen wird. Bei der WM vor einem Jahr in Paris konnte er mit Platz acht überraschen und war damit der erste Tiroler im griechisch-römischen Stil seit Franz Marx (1993), der bei einer WM in den Top Ten landen konnte. „Daran will ich anknüpfen“, hofft Wagner, bevor er sich auf eine letzte Jogging-Runde in Inzing macht. „Abends gehen wir alle zusammen in die Saun­a“, erklärt der Polizeisportler und zeigt sich schon heiß auf das Saisonhighlight.

Die Zirlerin Martina Kuenz startet heute ins WM-Turnier und gilt nach EM-Bronze im Mai als große Medaillenhoffnung für Österreich.
Die Zirlerin Martina Kuenz startet heute ins WM-Turnier und gilt nach EM-Bronze im Mai als große Medaillenhoffnung für Österreich.
- rsci

Neu bei den Titelkämpfen ist, dass die Athleten am Wettkampftag (und nicht mehr tags zuvor) zur Abwaage müssen. Damit soll das extreme „Gewicht-Machen“ wegfallen. Ebenfalls eine Neuerung ist, dass die Finalkämpfe erst am nächsten Wettkampftag ausgetragen werden.

Neben der Polizei als Arbeitgeber haben Wagner und sein Trainingspartner Gastl eine weitere Gemeinsamkeit: „Für uns ist die WM-Vorbereitung nicht optimal verlaufen, weil wir verletzt waren“, sagt Gastl (bis 97 kg), der wegen Kreuzschmerzen insgesamt drei Wochen pausieren musste. „Vielleicht ist es aber auch ein Vorteil, dass ich ausgeruht und voll motiviert zur WM fahre“, meint der 25-Jährige.

Martina Kuenz (bis 72 kg) beginnt heute die Medaillenjagd. „Martina ist Spezialistin für Großevents“, weiß Nationaltrainer Benedikt Ernst. Mit EM-Bronze in der allgemeinen Klasse im Mai und zweimal Silber bei der U23-EM hat die 23-Jährige ihre Nervenstärke bewiesen. Genau solche Type­n braucht es im Sport – und bei der Polizei.

Ringen

WM in Budapest: Frauen, Freistil: Martina Kuenz (Klasse bis 72 kg/Tirol), Oleksandra Kogut (50 kg); Herren, Freistil: Johannes Ludescher (125 kg), Maximilian Ausserleitner (65 kg), Amirkhan Visalimov (79 kg), Dominic Peter (92 kg); griechisch-römisch: Benedikt Puffer (72 kg), Michael Wagner (82 kg/Tirol), Amer Hrustanovic (87 kg), Daniel Gastl (97 kg/Tirol).

WM-Einsätze der Tiroler: Kuenz (heute), Wagner (Donnerstag), Gastl (Samstag).