Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 05.11.2018


Regionalliga West

Wenn der Abwehrspieler zum Stürmer umfunktioniert wird

In der Regionalliga West wurde fleißig rotiert, Überraschungen in der Startelf waren garantiert, flexible Spieler ein Pluspunkt in der Herbstsaison.

© Rudy De MoorOb vorne, hinten, auf der Seite oder in der Mitte, Reichenaus Alexander Oberwalder (rot) war fast überall zu finden im Herbst.



Von Manuel Lutz

Schwaz, Innsbruck – Als Manuel Wildauer im Derby gegen Kufstein vor dem Anpfiff sich auf den Weg Richtung gegnerisches Tor machte, hörte der Schwazer Innenverteidiger sogleich die Frage, ob er sich verirrt habe. Gegen die Festungsstädter bot Coach Bernhard Lampl seinen Defensivstrategen erstmals als Solospitze auf, nach dem Spiel meinte der Coach noch: „Es wäre fast aufgegangen.“

In Hohenems war es bereits der dritte Einsatz als Stürmer. Der 25-Jährige kommt dabei immer besser in Fahrt – zwei Tore in Manier eines Goalgetters können sich sehen lassen: „Da hab’ ich das Nasl gehabt, bin richtig gestanden und hab eingeschoben. Es ist von den Laufwegen anders, aber es greift von Match zu Match besser.“ Auf die beiden Treffer würde der Neo-Angreifer jedoch verzichten: „Ich würde die Tore gerne gegen Punkte tauschen.“

Die Versetzung gefällt Wildauer aber nicht schlecht, wie er mit einem Lachen meint: „Der Trainer wollte es testen. Ich hab’ kurz gegrinst und gesagt: ‚Passt, mach’ ich.‘ Ich muss echt sagen, dass es mir taugt.“ Nun fehlt nur noch ein Treffer als Stürmer im eigenen Stadion, diesen würde der Silberstädter-Kicker am liebsten zusammen mit einem Sieg im letzten Spiel vor der Winterpause bejubeln.

Die Rochade ist für Alexander Oberwalder nichts Neues. Der Reichenauer bekleidete im Herbst fast jede Rolle: „Alles außer Stürmer, Zehner und Torwart hab ich gespielt.“ Gerade bei vielen Ausfällen ist ein Spieler dieser Sorte für einen Trainer Gold wert. Da Alexander Mader krank fehlte, durfte der 22-Jährige gegen Kitzbühel auf seiner Lieblingsposition ran: „Im Bus hat mich der Coach gefragt, ob ich eh weiß, wo ich spiele. Ich hab’s mir schon gedacht. Ich spiele gern als Sechser, man ist überall beteiligt, hat Zweikämpfe, Kopfbälle und kann den Ball verteilen.“ Der ständige Wechsel ist jedoch nicht ganz so leicht: „Am Anfang ist es ein bisschen komisch, bis man sich umgewöhnt hat, nach ein paar Minuten kommt man eh rein.“

Auch das Experiment von Wörgls Denis Husic ging voll auf. Nach dem Ausfall von Topscorer Peter Kostenzer beorderte der Übungsleiter Kapitän Hermann Achorner an vorderste Front. Mit vier Toren in den letzten fünf Spielen zahlte der 30-Jährige seinem Trainer das Vertrauen zurück. Husic freut sich: „Er ist ein Phänomen, spielt hinten, vorne und in der Mitte sehr gut. Ich bin stolz, so einen Kapitän zu haben. Ich werde ihn auch im Tor probieren.“