Letztes Update am Mo, 05.11.2018 11:34

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Sportpolitik

Förderbericht 2017: Wohin führt die Reise der Tiroler Vereine?

Zu viel, um unterzugehen. Zu wenig, um Visionen zu verwirklichen. Der Tiroler Förderbericht des Jahres 2017 spiegelt die finanzielle Realität der heimischen Sportlandschaft wider. Bei einem Forum tauchten viele Fragen auf.

© gepaFC Wacker Innsbruck, die Schwazer Handballer, Hypo Tirol Alpenvolleys, Swarco Raiders – der Weg zur Professionalisierung schreitet bei Tirols Spitzenklubs parallel zur finanziellen Situation voran.



Von Florian Madl

Innsbruck – Wie sollen wir den Anforderungen des neuen Zeitalters gerecht werden und zudem erfolgreich sein? Es war eine der brennendsten Fragen der 120 Sportfunktionäre, die kürzlich beim Tiroler Sportforum um Antworten bemüht waren. Ein Überblick:

Hauptamtliche Funktionäre – geht das? 12.500 Funktionäre verrichten hierzulande ihren Dienst im Sinne des Sports. Großteils ehrenamtlich oder für geringen Spesenaufwand, versteht sich. Einer Schätzung zufolge spart deren Engagement den knapp 2000 zumeist kleinen Vereinen im Land bei 450 Euro/Monat bis zu 50 Millionen Euro. Hauptamtlichkeit scheint so gesehen nicht vorstellbar. Eine besondere Situation: Selbst der Profi-Klub HC Innsbruck verzichtet abseits der Eisfläche auf hauptamtliches Management.

Ohne hauptamtliches Management, aber mit dem Anspruch aufs Play-off in der Eishockey-Meisterschaft: der HC Innsbruck.
- gepa

Professionalisierung – muss das sein? Im Profi-Bereich stellten die größten Vereine des Landes mittlerweile verpflichtend auf Kapitalgesellschaften um, der FC Wacker Innsbruck demnächst gar mit vier bereichsverantwortlichen Geschäftsführern. Vom Verein zum Unternehmen, lautet das Credo von Präsident Gerhard Stocker.

Gefördert – und damit nicht gefährdet? Das Tiroler Fördertransparenzgesetz – hier findet sich von A wie Arbeit bis V wie Verkehr alles, was vom Land Tirol Geld empfängt. Ein Fördernehmer: der heimische Sport. Neben der allgemeinen Förderung, jener für die Infrastruktur, die Sportveranstaltungen und das Schulsportservice finden sich die Vereine und Verbände in der Rubrik „Erhaltung Sportbetrieb“ (siehe Kasten unten).

Tirols Leichtathletikverband hielt im Vorjahr knapp 60.000 Euro. Genug für Präsident Reinhard Kessler? Jein, lautet die Antwort. „Wir erhalten 24.000 Euro für unser Leistungszentrum, u. a. werden damit vier Trainer unterstützt. Damit kommen wir gerade so über die Runden.“ Die Experten könnten sich für das Taschengeld allerdings nicht mehr leisten als Parkgebühr und Benzin. Kesslers großer Wunsch: „Dass man das Geld nicht so sehr in die Refundierung der Infrastruktur steckt. Bezahlte Trainer würden uns am meisten bringen.“

Wie geht es den kleinen Vereinen? In der Stadt Innsbruck orientiert sich die Förderung an Leistung, Nachwuchsarbeit und einem Veranstaltungsschlüssel. Nachteil gegenüber kleineren Vereinen am Land: Regionale Sponsoren stehen oftmals in der Pflicht, einen Beitrag zu leisten. Zwar fehlt es mitunter an Fachkräften, doch die Infrastruktur (Hallen, Plätze) nimmt sich als Schmuckkästchen mit geringer Auslastung aus.

Wie geht es den großen Vereinen? FC Wacker Innsbruck (6,2 Mio. € Saisonbudget), HC Innsbruck (2,8), Hypo Tirol Alpenvolleys (1,38), Handball Tirol (1,2) und Swarco Raiders (1,1/American Football) tragen sich mit hohen Ansprüchen. Die Fußballer peilen den Klassenerhalt an, Eishockey-Spieler und (Schwazer) Handballer das Play-off, die Hypo-Volleyballer mittelfristig die deutsche Meisterschaft. Reicht das Geld? „Mehr darf es immer sein“, meint Hypo-Manager Hannes Kronthaler. Er sucht nach Privatsponsoren, ohne Förderungen und landesnahe Unternehmen geht es indes kaum wo.

Sportförderungen des Landes - Aufstellung (Auszug)

FC Wacker Innsbruck - 444.352,29 Euro

Tiroler Fußballverband - 272.000,00 Euro

Handball Tirol - 256.219,00 Euro

WSG Wattens/Sektion Fußball - 235.000,00 Euro

HC Innsbruck - 211.512,00 Euro

Tiroler Skiverband - 177.500,00 Euro

ASVÖ Tirol - 171.666,66 Euro

Landesradsportverband - 142.147,00 Euro

Eislaufverband - 119.090,18 Euro

ASKÖ Tirol - 100.936,66 Euro

Hypo Tirol Volleyball - 98.773,00 Euro

Swarco Raiders - 62.231,00 Euro

Tiroler Leichtathletikverband - 58.836,17 Euro

VC Tirol (Volleyball Damen) - 55.811,00 Euro

Tiroler Schwimmverband - 45.396,00 Euro

Tiroler Schützenbund - 43.847,00 Euro

Tiroler Triathlonverband - 39.400,00 Euro

Tiroler Tennisverband - 39.307,00 Euro

Tiroler Judoverband - 36.277,00 Euro

Tiroler Golfverband - 23.900,00 Euro

FC Wacker Innsbruck/Damen - 5760,00 Euro