Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 07.11.2018


Tischtennis

TI-Zugang aus der Wüste: Gemeinsam mit Ali am Tisch

Die TI-Tischtennis-Herren heuerten kürzlich einen Legionär aus Saudi-Arabien an. Die Nummer 369 der Welt hat Lust auf mehr.

© TI-SparkasseInmitten seiner TI-Teamkollegen: Christoph Maier, Stefan Leitgeb, Ali Alkhadrawi und Krisztian Gardos (v. l.).



Von Sabine Hochschwarzer

Innsbruck – Seinen „Thawb“, das typische Gewand der Wüstengebiete rund um die arabische Halbinsel, hat Ali Alkhadrawi abgelegt. „Das trug ich nur einmal für die Hochzeit meines Bruders“, erzählt der 21-Jährige und schmunzelt. Für gewöhnlich habe er Jeans an, derzeit aber eher selten, da er täglich in Sportkleidung steckt: Seit Herbst trainiert „Ali“, wie ihn seine Kollegen nennen, aus Saudi-Arabien in Bad Aibling nahe Rosenheim. Im Tischtenniszentrum dort versucht er, seinen Traum vom Profi zu leben. Über den Zen­trumsleiter, den ehemaligen bayerischen Landestrainer Thomas Wetzel, kam es auch zum Kontakt nach Innsbruck. „Ich will viel Spielpraxis sammeln. Mit Thomas’ Hilfe bin ich dann bei der Turnerschaft gelandet“, erzählt Ali Noor M Alkhadrawi, wie er mit vollem Namen heißt. Aktuell ist er die Nummer 369 der Welt, „aber ich spiele im Moment keine Turniere“. TI-Kapitän Stefan Leitgeb war schon beim ersten Treffen angetan: „Er spielt gut und ist ein netter Kerl. Wir waren gleich begeistert.“ Für Saudi-Arabiens Nummer eins gilt das auch – obwohl es in Tirol kaum mehr als eine Aufwandsentschädigung zu verdienen gibt.

Am Wochenende trat er zum dritten Mal für die TI an, erstmals in der Reiche­nau. Ein Heimspiel, das es für Alkhadrawi aber in sich hatte: Zunächst versäumte er den Zug, dann vergaß er in selbigem seine Ausrüstung und kam erst kurz vor Beginn in die Halle: „Leider war alles turbulent, aber zum Glück ging sich dank meiner Freunde hier doch alles aus.“ Mit von Christoph Maier geliehenen Schlägern und Schuhen schaffte der Mann aus Dammam ein 3:0 im Einzel und im Doppel einen 3:2-Sieg. „Das war ein unglaublicher Krimi“, freute sich auch Partner Leitgeb über den Erfolg gegen Mauthausen (gesamt 4:2) und den ersten Saisonsieg der TI.

Beim nächsten Heimspiel (2. Dezember) will sich Alkhadrawi nun mehr Zeit nehmen – auch für Innsbruck: „Ich bin schon neugierig auf die Sprungschanze.“