Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 29.11.2018


Bezirk Imst

Laufklub Innsbruck-Imst: Mit Grips und Ausdauer zum Ziel

Die Nachwuchsarbeit wurde belohnt: Österreich wird bei der Orienteering-WM 2019 durch den Laufklub Innsbruck-Imst vertreten. Die Imster Athleten sind besonders im Ski-OL bestens aufgestellt.

© EggerKartenlesen, Orientieren und Einteilen der Kräfte beim Laufen sind die wesentlichen Bestandteile beim Orientierungslauf.



Von Thomas Parth

Imst, Innsbruck – Der Orientierungslauf (OL), neudeutsch „Orienteering“, erfreut sich tirolweit immer größerer Beliebtheit. Mitverantwortlich für diesen Trend sind internationale Großevents mit entsprechender Strahlkraft, aber auch die Basisarbeit des Laufklubs Kompass Innsbruck-Imst. Dieser leistet seit gut 25 Jahren wertvolle Aufbauarbeit, um Orienteering auch bei uns als Breitensport zu etablieren. An vorderster Front kämpfen die Imster Athleten, doch wie Obmann Hans Georg Gratzer unterstreicht, ist OL ein Familiensport: „Wir wollen mit unserem Laufklub nicht nur die Spitze, sondern auch die Breite fördern. Orientierungslauf ist genauso ein Wettkampf wie ein Generationensport, den man in fast jedem Alter, bei jedem Wetter und zu jeder Uhrzeit ausüben kann.“

Im Vordergrund steht nicht, wie viele vielleicht glauben, das Laufen, sondern das Denken, korrigiert Gratzer eine Fehlmeinung. „Ausgestattet mit einer detaillierten Karte mit Höhenlinien und Panorama liegt es am Läufer, den schnellsten Weg zu den Kontrollpunkten und letztlich zum Ziel zu wählen. Damit ist nicht zwangsläufig der schnellste Läufer als Erster im Ziel“, unterstreicht Gratzer.

Vor allem in der Nachwuchsarbeit hat Karin Lugsteiner aus Imst echte Pionierarbeit geleistet. Selbst Pädagogin, weiß sie um die Motivation der Kinder bestens Bescheid. „Wir holen die Kinder von der Couch“, lacht Gratzer, während Lugsteiner ergänzt: „Sechs- oder Siebenjährige haben Erfolgserlebnisse, wenn sie die Erwachsenen überholen. Wir halten den Einstieg in den Sport so gering wie möglich und bieten etwa Kiddy-Lauftraining an. Im Winter funktioniert das auch in der Turnhalle.“

Beim eifrigen Kartenlesen.
- Egger

Shadowing wird es genannt, wenn ein OL-Anfänger von einem Fortgeschrittenen bei seinen ersten Versuchen begleitet wird. „Der Spaß kommt nicht zu kurz“, fasst Gratzer, selbst staatlich geprüfter Laufwart, zusammen. Momentan trainieren im Turnsaal der NMS Imst-Oberstadt wöchentlich rund 25 Kinder. „An Ausrüstung sind im Grunde nur Laufschuhe und Laufbekleidung nötig“, ergänzt Lugsteiner.

Obmann Hans Georg Gratzer und Siegerin Lena Ennemoser mit OL-Trainerin Karin Lugsteiner nach den Wettkämpfen in Schweden.
- Egger

In der Regel läuft man allerdings in der freien Natur. Auch im Winter. Die Umgebung von Imst, speziell Hoch-Imst, ist als Laufparadies weitum bekannt. „Weil wir die Gegend um Imst und das Gurgltal flächendeckend kartiert haben, kommen auch auswärtige Vereine zum Training zu uns. Immer wieder finden bei uns auch Wettkämpfe statt“, so Lugsteiner. Zahlreiche Strecken – altersgemäß in verschiedenen Schwierigkeitsstufen – bieten sich an. „Wir arbeiten mit Imst Tourismus zusammen. Eine OL-Karte liegt auf und die Kontrollpunkte sind fix installiert“, freuen sich die Orientierungsläufer. Im vergangenen Jahr waren in Tirol 30 Nationen für ein mehrtägiges OL-Event zu Gast.

Das Orienteering funktioniert auch im Winter, dann eben mit Langlaufskiern.
- Egger

Neben Tirolcups, internationalen Events wie Europameisterschaften oder Arge-Alp-Veranstaltungen haben sich jüngst vier Oberländer Orientierungsläuferinnen für die WM qualifiziert. Lena und Lisa Ennemoser, Katharina Huter und Lisa Moosmann werden Ende April, Anfang Mai 2019 bei den Weltmeisterschaften in Estland für Österreich ins Rennen gehen. „Bereits heuer stellten wir 40 Teilnehmer an der weltgrößen OL-Veranstaltung in Schweden“, unterstreicht Obmann Gratzer, der sich immer wieder etwas Interessantes für die vereinseigenen Veranstaltungen in Sachen Logistik und Organisation abschauen kann. Das Naturerlebnis wohnt diesem Sport inne.

Besonders gute Leistungen, einen gewissen Heimvorteil auskostend, haben die Tiroler beim Ski-OL. „Trainiert wird auf Rollen am Parkplatz des Agrarzentrums West in Imst. Im Winter arbeiten wir mit den Langläufern in Niederthai zusammen, trainieren aber auch in der Olympiaregion Seefeld“, zeigt Gratzer neue Dimensionen auf: „Gerade in der Aufbauphase befindet sich übrigens das Mountainbike-Orienteering.“