Letztes Update am Do, 13.12.2018 12:06

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Naturbahnrodeln

Je enger die Kurve, desto größer der Heimvorteil für die Rodler

Wie die Österreicher für Heimsiege beim Weltcup-Auftakt der Naturbahnrodler im Kühtai in die (erlaubte) Trickkiste gegriffen haben.

Die zweifache Kühtai-Siegerin Tina Unterberger will auch diesmal als Schnellste die engen Kurven kratzen.

© gepaDie zweifache Kühtai-Siegerin Tina Unterberger will auch diesmal als Schnellste die engen Kurven kratzen.



Von Benjamin Kiechl

Kühtai – Es kann im Skiweltcup der entscheidende Vorteil sein und den Unterschied zwischen Sieg und dem ungeliebten Platz zwei ausmachen. Wenn mit Mike Pircher der Vertrauenstrainer von Marcel Hirscher den Slalomkurs steckt, ist das bestimmt nicht zum Nachteil des Ski-Stars. „Ähnlich ist es bei uns Naturbahnrodlern“, erzählt Gerald Kammerlander und gibt bei diesen Worten ein kleines Geheimnis preis. Der Sportdirektor des Österreichischen Rodelverbandes (ÖRV) hat die Strecke für den Weltcup-Auftakt im Kühtai (Sonntag ab 9.45 Uhr) nicht nur entworfen. Er hat sich förmlich ausgetobt und (ganz legal) seinem Bruder und Gesamtweltcupsieger der Vorsaison Thomas Kammerlander „die Rutsche gelegt“: Der knapp 400 Meter lange Sprintkurs am „Sonnenhang“ neben dem Jagdschloss habe alles zu bieten, steile und flache Passagen, Kombinationen. Vor allem aber: enge Kurven!

Genau das ist die Spezialität der Österreicher. „Bei engen Kurven sind wir unschlagbar, können unsere Technik und das Material am besten ausspielen“, weiß Vorjahressieger Thomas Kammerlander und will damit den starken Konkurrenten aus Südtirol keine Chance lassen. Die Rodler südlich des Brenners seien bei langgezogenen Kurven besonders dominant. Solche Passagen haben die klugen Österreicher im Kühtai gestrichen – oder zumindest auf ein Minimum reduziert.

Naturbahnrodeln im Kühtai - Programm

Samstag: ab 9.30 Uhr: Training, 14.30 Uhr: 1. Wertungslauf Doppel.

Sonntag: 9.45 Uhr: Finallauf Doppelsitzer, 10.10 Uhr: 1. Wertungslauf Damen und Herren, 11.40 Uhr: Finallauf Damen, 12.05 Uhr: Finallauf Herren; 13.30 Uhr: Teambewerb und Rodel-Biathlon mit Promis, 14.00 Uhr: Siegerehrung.

Für den Weltcup-Auftakt, der paradoxerweise wegen Schneemangels um zwei Wochen verschoben werden musste („Jetzt haben wir zu viel Schnee bekommen und mussten die Strecke freifräsen“), wurde eine Skipiste in wenigen Arbeitsstunden in eine Weltcup-Rodelbahn umfunktioniert. „Das ist Teil unserer Neupositionierung“, erläutert Sportdirektor Kammerlander, der nicht aufgeben will, Naturbahnrodeln nach der Absage für 2022 doch noch olympisch zu machen. Damit das gelingt, müsse man „weg von den Forstwegen, raus aus dem finsteren Wald, wo es nur kalt ist und keine Leute sind“.

Das Kühtai sei der perfekte Weltcuport. „Dort fahren wir mitten im Skigebiet und begeistern die Leute. Es gibt Tempo, Bremsmanöver, Stürze und als Zuschauer kommt man bis 30 Zentimeter ans Geschehen heran.“ Das Ganze noch dazu bei freiem Eintritt.

Für den Ötztaler Lokalmatador Thomas Kammerlander ist der Saison-Auftakt gleich der Höhepunkt. „Ich will cool bleiben, zumindest aufs Stockerl oder meinen Vorjahressieg wiederholen!“, sagt der 28-Jährige. Bei den Damen ist die Oberösterreicherin Tin­a Unterberger die heimische Hoffnungsträgerin. „Letztes Jahr habe ich den Sieg um drei Hundertstel verpasst“, erinnert sich die 1,59-Meter-­Athletin, die in der Szene „Rodel­floh“ genannt wird, und hat die Rodel-Kufen „messerscharf geschliffen“. Dank enger Kurven ist ihr der Heimvorteil im Kühtai sicher.