Letztes Update am Mi, 16.01.2019 09:22

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Football

Für den Football-Traum verzichtet Henle gerne auf das Skifahren

Der Innsbrucker Christoph Henle (19) erlebte in seinem ersten Jahr am Baylor College (USA) eine Football-Saison wie aus einem Hollywood-Film.

Muskelpaket: Im vergangenen Jahr legte Christoph Henle 15 Kilogramm an Muskelmasse zu.

© Thomas BöhmMuskelpaket: Im vergangenen Jahr legte Christoph Henle 15 Kilogramm an Muskelmasse zu.



Wenn Sie an Ihre erste Saison im College-Football zurückdenken: Hätte für Sie persönlich irgendetwas besser laufen können?

Christoph Henle: Eigentlich nicht. Ich habe alle Spiele von Anfang an bestritten, und das als Neuling. Ich durfte bei vielen Spielen vor Zigtausenden Zuschauern antreten und am Ende der Saison konnten wir auch noch die Texas-Bowl gewinnen.

Vor der Saison betonten Sie, dass man sich am College erst einmal einen Stammplatz erkämpfen müsse. Nun waren Sie bei allen von Anfang an am Feld.

Henle: Zwei meiner älteren Konkurrenten haben sich gleich zu Saisonbeginn verletzt. Ihr Pech war mein Glück, aber ich musste die Chance erst einmal nutzen.

Wie war das Gefühl, als Sie bei Ihrem ersten Spiel für Ihr neues College vor einem riesigen Publikum auflaufen durften?

Henle: Ich war schon sehr nervös. Das erste Spiel gleich vor 55.000 Zuschauern bei Flutlicht – und dann wird auf einmal der eigene Name aufgerufen. Da hatte ich definitiv Schmetterlinge im Bauch.

Wie ist es Ihnen in puncto Verletzungen ergangen?

Henle: Ich bin zum Glück von Verletzungen verschont geblieben. Natürlich kann man nicht 13 Spiele machen ohne kleinere Wehwehchen, aber ich habe nichts verpasst. Das ist die Hauptsache.

Die Football-Leidenschaft von Sohn Christoph ist auch vor und in der heimatlichen Wohnung der Eltern in Innsbruck-Kranebitten allgegenwärtig.
Die Football-Leidenschaft von Sohn Christoph ist auch vor und in der heimatlichen Wohnung der Eltern in Innsbruck-Kranebitten allgegenwärtig.
- Thomas Böhm

Wie lange hat es gedauert, bis Sie sich an das höhere Niveau gewöhnt haben?

Henle: Am Anfang habe ich schon geschaut, weil das Tempo extrem hoch ist. Ich musste mich erst einmal herantasten, da im College-Football alles härter und präziser ist als auf der Highschool.

Sie haben es auch zur Mitte der Saison in das „All Americans Team“ der besten US-amerikanischen College-Ligen geschafft.

Henle: Das war schon eine große Auszeichnung für mich, vor allem als Neuling. Das war richtig cool. Aber ich habe es nicht geschafft, am Ende der Saison wieder auf die Liste zu kommen. Das heißt: Ich muss noch härter an mir arbeiten.

In der Begründung für die Auszeichnung stand, dass Sie ein Spieler für die „dirty work“ (dreckige Arbeit, Anm.) seien. Ist das Ihre Spezialität?

Henle: Auf der Highschool war eigentlich mehr das Bällefangen meine Stärke. Aber in Baylor haben wir ein paar richtig gute Receiver (Passempfänger, Anm.), sodass ich vor allem für die dreckigen Blocks zuständig bin, die sonst keiner machen will. Aber es wird am Ende ja auch belohnt. (schmunzelt)

Mussten Sie dafür auch Ihren Spielstil ändern?

Henle: Auf jeden Fall. Ich musste auch richtig viel zusätzliches Training einstreuen. Im letzten Jahr habe ich ungefähr 15 Kilogramm an Muskelmasse zugelegt. Darunter hat leider meine Spritzigkeit ein wenig gelitten. Die Arbeit hört also nie auf.

Auch wenn die Saison jetzt vorbei ist: Gibt es für Sie überhaupt eine Pause?

Henle: Nein, man muss trotzdem weitertrainieren. Wenn man zwei Wochen Pause macht, gibt es mindestens einen, der in diesen zwei Wochen hart trainiert. Das kann sich keiner leisten.

Christoph Henle jagt am Baylor-College in Texas seinem Traum von der NFL hinterher.
Christoph Henle jagt am Baylor-College in Texas seinem Traum von der NFL hinterher.
- Thomas Böhm

Football nimmt Sie das ganze Jahr über in Anspruch?

Henle: Wenn nicht gerade Saison ist oder Trainingslager stattfinden, heißt es eigentlich immer liften (Gewichte heben, Anm.) und laufen. Im September fängt die Saison an und dauert dann bis in den Dezember rein. Je länger, desto besser. Wenn man zu Weihnachten daheim ist, ist es nicht gut. (lacht)

Wie leicht fiel die Umstellung vom heißen Texas zurück ins winterliche Tirol?

Henle: Am Anfang war es schon ein kleiner Schock. Die Kälte geht mir in Texas überhaupt nicht ab.

Stichwort Winter: Wie schaut es mit Skifahren, Rodeln usw. aus?

Henle: Gleich am ersten Tag wurde mir nahegelegt, das mit dem Skifahren für die nächsten Jahre besser zu vergessen. Man hat es mir nicht verboten, aber wenn mir etwas Blödes passiert, könnte ich mir die ganze Karriere versauen. Da verzichte ich lieber ein paar Jahre drauf.

Das Gespräch führte Alois Moser