Letztes Update am Do, 31.01.2019 10:24

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


TT-Interview

Lintner: „Es hat noch nie so viele Nachwuchsspieler gegeben“

Morgen startet Sparkasse Schwaz Handball Tirol in Ferlach in die Quali-Runde. Sportkoordinator Thomas Lintner blickt aufs große Ganze.

Mit einem emotionalen Plakat im Hintergrund will Sportkoordinator Thomas Lintner die Arbeit bei Handball Tirol weiter vorantreiben.

© GruberMit einem emotionalen Plakat im Hintergrund will Sportkoordinator Thomas Lintner die Arbeit bei Handball Tirol weiter vorantreiben.



Warum ist unter der Dachmarke Handball Tirol seit der Saison 2013/14 noch nie der Sprung ins obere Play-off (Top 5) gelungen?

Thomas Lintner: Dieses Jahr hat nach dem letzten Spiel ein Punkt gefehlt, wir waren wie so oft und fast schon traditionell sehr knapp dran. Wir liegen konstant zwischen den Plätzen fünf bis sieben, das passt realistischerweise zu unserem Budget. Jetzt wollen wir voller Tatendrang so schnell wie möglich ein Viertelfinal-Ticket lösen.

Die Hoffnung war groß, dass unter der Dachmarke Handball Tirol nach einigen Jahren sogar um den HLA-Titel mitgespielt werden kann. Schwaz war 2011 Cupsieger, HIT 2012 Vizemeister.

Lintner: Diese Erfolge waren im Nachhinein der auslösende Grund, warum wir zusammengehen mussten. Weil dieser Erfolg unglaublich viel Geld gekostet, aber null zusätzliche Erlöse gebracht hat. In einer Randsportart muss man sich Erfolge auch leisten können.

Muss man die Zielsetzung nach unten korrigieren?

Lintner: Am Grundziel halten wir fest – mit guten Eigenbauspielern und weniger Legionären an der Spitze mitzumischen. Ein Dario Lochner, Alexander Wanitschek oder Armin Hochleitner haben sich zu gestandenen HLA-Spielern entwickelt. Wir haben nur feststellen müssen, dass wir mehr Zeit brauchen. Wir haben viele gute junge Spieler (weiters ÖHB-Teamspieler Sebastian Spendier, Michael Miskovez, Anm.) mit großem Potenzial, unser Trainer (Frank Bergemann, Anm.) passt da super dazu. Dem Halbfinale wollen wir uns schon heuer nähern.

Top-Legionäre wie ein Nedeljko Jovanovic (HIT) oder Grzegorz Gowin (Schwaz) sind nicht mehr leistbar?

Lintner: In dieser Kategorie spielen wir nicht mehr mit, dafür ist mit Handball Tirol die Entlohnung junger Potenzialspieler deutlich besser geworden.

Apropos Potenzial. Reicht das Niveau in der zweiten italienischen Liga aus, um junge Kräfte via dem zweiten Team von medalp Tirol an die spusu-Liga heranzuführen?

Lintner: Die Liga ist schon tauglich und ermöglicht vielen Jungen viele Spielzeiten. In der zweiten österreichischen Liga waren wir immer gefordert, Woche für Woche genau unsere Kräfte zu kalkulieren. Außerdem sind wir zwei eigenständige Vereine unter einem Dach und mussten jeden Spieler immer einem Klub (HIT oder Schwaz, Anm.) zuordnen. Das hat viel Zeit und Kraft gekostet. Durch unsere Teilnahme in Italien und außerhalb von Österreich haben wir alle Spieler in einer gemeinsamen Gruppe zusammengefasst und können ohne Probleme je nach Trainingsleistung entscheiden, wer wo zum Einsatz kommt.

Muss sich die Spitze also über viele Jahre aus der Breite entwickeln?

Lintner: Natürlich ist das Umfeld auch ungeduldig. Was sich in jedem Fall verbessert hat, ist die Arbeit mit der Jugend.

In der Landesliga und einigen Jugend-Altersklassen (U16 und U18) scheinen aber nur wenige Teams auf.

Lintner: Das war zu meinen aktiven Zeiten nicht anders. Handball hat schon Tradition, aber eben vor allem in Innsbruck und Schwaz, in Wörgl und Telfs unterstützen wir zurzeit heranwachsende zarte Pflänzchen, es geht aber (siehe Absam) nur über das Engagement von Personen vor Ort.

Wäre es verfehlt, von einem Niedergang zu sprechen?

Lintner: Ein klares Nein. Denn wenn ich mir die Aufzeichnungen vom Tiroler Handballverband ansehe, kann ich betonen, dass es noch nie so viele Nachwuchsspieler wie jetzt gegeben hat. Seit der Gründung von Handball Tirol haben wir 50 Prozent mehr Jugendspieler.

Ein Sprung auf höhere Ebene. Die Handball-WM in Dänemark und Deutschland ist gerade zu Ende gegangen. Mit der Hoffnung, dass Handball boomt ...

Lintner: Zunächst ist die Euphorie groß, nach ein paar Wochen ist es oft anders. Ich sehe unsere Aufgabe darin, so viele Leute wie möglich mit Handball in Kontakt zu bringen. In der Hoffnung, dass sich nach oben hin etwas entwickelt. Unsere Schulprojekte finden ja nicht nur in unseren Standorten statt. Und dank der Kontakte von Thomas Czermin (Tiroler Handball-Präsident und ÖHB-Vizepräsident, Anm.) bekommen wir jährlich ein A-Länderspiel, haben das Masters (Senioren) ausgetragen und werden uns für die Jugend-EM 2020 bewerben.

Noch ein Wort zur Infrastruktur. Die Sporthalle Ost ist ja auch in die Jahre gekommen.

Lintner: Eine neue Halle ist nicht realistisch, aber es sieht danach aus, dass die Halle von Juni bis September saniert wird – ein neuer Boden kommt hinein, der uns die Sache auch in Sachen Fernsehspiele erleichtern soll. Vielleicht müssen wir dann für Live-Auftritte nicht mehr extra einen anderen Boden verlegen. Das Foyer soll vergrößert werden und wir bekommen zusätzliche Lagerräume.

Passend zur Handball-Romantik hat Deutschlands Vizepräsident Bob Hanning angemerkt: „Handball ist 60 Minuten Schweiß, Tränen und Action.“ Wie lautet Ihr Statement dazu?

Lintner: Das stimmt und was uns Handball-Fanaten so wehtut, ist die Tatsache, dass man rund um einen sehr attraktiven, körperbetonten Sport mit unglaublichen Emotionen ein Super-Produkt hat – und dann ist es doppelt bitter, wenn man viel Herzblut reinsteckt und trotzdem immer wieder im gleichen Umfeld agiert. Wir haben unsere Hallen in Schwaz und Innsbruck gut gefüllt. Wir agieren dennoch immer an unseren Grenzen. Wir leben viel von den Emotionen und Freiwilligen. Und Gott sei Dank haben wir rund um unsere Heimspiele sehr viele davon!

Das Gespräch führte Alex Gruber