Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 29.03.2019


Cheerleading

Fünf Männer unter den Frauen

Cheerleading ist keine Frauensache: Fünf Männer mischen bei den Raiderettes mit – auch morgen in Wien.

Cheftrainerin Barbara Katzenhofer leitet die gemischte Gruppe.

© Vanessa Rachle / TTCheftrainerin Barbara Katzenhofer leitet die gemischte Gruppe.



Von Sabine Hochschwarzer

Innsbruck – In den USA ist es seit jeher üblich, in Innsbruck betreten fünf Männer damit Neuland: Sascha und Dennis Tschoner, Andreas Lazslo, Lukas Decker sowie Johannes Bachler sind Cheerleader bei den Swarco Raiderette­s. „Wenn ich von meinem Hobb­y erzähle, dann ernte ich schon schiefe Blicke“, gesteht Laszlo, der vor einem halben Jahr über seine Freundin zum Verein stieß.

Die Kollegen winken ab: „Spätestens, wenn ich ein Video herzeige, wie wir die Mädchen 2,40 Meter hoch über uns in die Luft werfen, sind alle beeindruckt“, räumt Sascha Tschoner, einst Eis­hockeyspieler, mit Vorurteilen schnell auf. Von sportlicher Herausforderung sprechen die fünf, von Rückwärtssaltos, Doppelschrauben und von Elementen in der 2:30 Minuten langen Übung, bei der sie ein Mädchen auf nur einer Hand in die Höhe stemmen. Die Oberarme, die aus ihren Trainingsshirts ragen, unterstreichen das Gesagte.

Die fünf Männer unter den Cheerleaderinnen: Andreas Laszlo, Lukas Decker, Sascha Tschoner, Dennis Tschoner und Johannes Bachler (v.l.) sind Unterba­u, Katapult (r.) und auch Turner.
Die fünf Männer unter den Cheerleaderinnen: Andreas Laszlo, Lukas Decker, Sascha Tschoner, Dennis Tschoner und Johannes Bachler (v.l.) sind Unterba­u, Katapult (r.) und auch Turner.
- Vanessa Rachle / TT

Vor drei Jahren war Lukas Decker einer der ersten Männer unter den weiblichen Cheerleadern. Der ehemalige Kunstturner hatte als Akrobatiktrainer geholfen und ist schließlich mitten in der gemischten 24-köpfigen Grupp­e gelandet. Die Kombination aus Turnen, Stunts und Pyramiden fasziniert: „Beim Fußball muss immer nur der Ball ins Tor, bei uns gibt es in jedem Training was Neues zu lernen und zu probieren.“

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- Vanessa Rachle / TT

Zuletzt galt es aber, die Kür von Cheftrainerin Barbara Katzenhofer zu durchlaufen: Am morgigen Samstag geht es in Wien nämlich um die österreichische Meisterschaft (ÖCM) – 130 Raiderettes (und auch Tyrolean Angels) treten an. Die besten zwei im Bewerb Coed (Mixed-Teams), einer von 18 Kategorien, qualifizieren sich für die EM im Juli. Im Vorjahr hatte man Silber gewonnen. Hinter den Vienna Vikings, die erneut Gegner sind – auch bei den Footballern, die Wien daheim im Tivoli empfangen. „Wir drücken uns einfach gegenseitig die Daumen, wir sind ja eine Familie – auch mit den Basketballern“, sagt Stefanie Rahm, ehemalige Cheer­leaderin, Trainerin und Presse­sprecherin der Footballer. Die zeitgleichen Einsätze der Raiders und Raiderettes machen deutlich: Die Cheerleader haben sich emanzipiert. „Wir sind ein Leistungssport. Was wir bei den Footballspielen machen, ist eine Show, um die Leute zum Anfeuern zu bewegen“, stellt Rahm klar. Nicht das Einzige, gegen das der seit 2017 olympisch anerkannte Sport stets ankämpft: Die Pompons etw­a, die Tanzwedel, werden bei Wettkämpfen nur beim Cheer zu Beginn geraschelt, bei der Kür nicht mehr.

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Dass seit drei Jahren nun Männer in Tirol mitmischen, freut Rahm, auch wenn nicht fünf, sondern zwölf optimal wären. Die Aufmerksamkeit sei jedenfalls gestiegen: „Vielleicht auch, weil die Stunts nun spektakulärer sind.“ Bis zu vier Meter hoch fliegen jetzt die „Flyer“ – nicht ungefährlich, Verletzungen kommen immer wieder vor. Genauso dazu gehört aber, dabei nicht zimperlich zu sein. Rahm: „Liegen bleiben und sich am Boden wälzen, geht bei uns gar nicht.“